EU: Französisches Konsortium soll Basis für Biometrie-Superdatenbank bauen

Idemia und Sopra Steria haben den Zuschlag für ein 300 Millionen Euro schweres Projekt bekommen, mit dem ein biometrisches Abgleichsystem in der EU entsteht.

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(Bild: EU-Kommission)

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Die europäische Agentur für das Betriebsmanagement von IT-Großsystemen im Sicherheitsbereich, EU-Lisa, hat ein Konsortium aus den beiden französischen Konzernen Idemia und Sopra Steria damit beauftragt, ein gemeinsames System für den Abgleich biometrischer Daten zu errichten. Das "Shared Biometrics Matching System" (SBMS) soll 2022 funktionsfähig sein und eine Datenbank von über 400 Millionen Personen aus Drittstaaten samt deren Fingerabdrücken und digitalen Gesichtsbilder für die automatisierte Erkennung enthalten.

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Das fertige SMBS dürfte eines der größten biometrischen Systeme der Welt sein. Es soll zunächst die Identifizierungserfordernisse des neuen europäischen Ein- und Ausreisesystem zur biometrischen Grenzkontrolle im Rahmen des Smart-Borders-Programms erfüllen und so helfen, illegale Einwanderung und grenzüberschreitenden Kriminalität zu bekämpfen.

Im Kern entspricht das SMBS dem übergeordneten "Speicher für Identitätsdaten" und dem gemeinsamen Abgleichdienst, die die Grundlage des geplanten virtuellen Zusammenschlusses sämtlicher EU-Datenbanken in den Bereichen Sicherheit, Grenzmanagement und Migrationssteuerung darstellen. Ziel des unter dem Aufhänger "Interoperabilität" laufenden Großprojekts ist es, mittelfristig auch das Schengen-Informationssystem (SIS) mit seinen Millionen Einträgen, das Visa-Register (VIS) und die Eurodac-Datei, in der vor allem Fingerabdrücke von Asylbewerbern gespeichert werden, von 2023 an über ein Suchportal zu verknüpfen.

Dazu kommen sollen etwa auch das künftige Europäische Reisegenehmigungssystem (ETIAS) und das im Aufbau befindliche Strafregister für verurteilte Drittstaatsangehörige (ECRIS-TCN). Ermöglicht werden soll über das SMBS ein Abgleich der vorhandenen Daten "mit einem einzigen Klick". Grenzschützer und Polizisten könnten so bald etwa Ausweise einfacher überprüfen, indem sie alle EU-Informationssysteme auf einem Bildschirm gleichzeitig abfragen. Im Prinzip entsteht damit eine Biometrie-Superdatenbank, vor der im Vorfeld nicht nur Datenschützer gewarnt hatten.

Der nun geschlossene Rahmenvertrag hat laut der Ausschreibung ein Auftragsvolumen von rund 300 Millionen Euro. Die Laufzeit beträgt zunächst vier Jahre mit einer Option für eine Verlängerung von bis zu sechs Jahren. Die beiden zum Zug gekommenen Unternehmen unterstützen die EU nach eigenen Angaben "bereits seit mehr als 15 Jahren beim Betrieb anderer kritischer IT-Großsysteme wie VIS, SIS und Eurodac". Vor allem beim Upgrade für das Basissystem zur Schengen-Überwachung mit den Arbeiten am SIS II kam es dabei aber wiederholt zu technischen Problemen, was das Vorhaben jahrelang verzögerte und fast zu dessen Aufgabe geführt hätte.

(tiw)