EU-Rechnungshof: Reisen mit Elektroautos ist in der EU zu schwierig

Die EU-Kommission hat es nach Meinung der Rechnungsprüfer bisher verpasst, den Ausbau des Ladenetzes gut zu koordinieren.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 447 Beiträge

Innerhalb der fast 50 000 km des Kernstraßennetzes gibt es neun multimodale Korridore, die die wichtigsten die EU durchquerenden Verkehrswege abdecken.

(Bild: Europäische Kommission)

Von
  • Andreas Wilkens

Wer mit dem Elektroauto quer durch Europa reisen will, stößt auf zu viele Probleme. Das meint der Europäische Rechnungshof, der dafür auch einige Ursachen ausmachte: von Land zu Land variierende Verfügbarkeit von Ladestationen, unharmonische Zahlungssysteme und unzureichende Informationen für die Nutzenden.

Die EU-Kommission habe nicht sicherstellen können, dass die Finanzierung für Ladestationen dorthin fließt, wo sie am dringendsten benötigt wird, heißt es in dem Sonderbericht Ladestruktur für Elektrofahrzeuge . Das liege daran, dass die EU-Kommission Infrastrukturlücken nicht umfassend analysiert habe. So sei die EU noch weit von ihrem Green-Deal-Ziel entfernt, bis 2025 eine Million Ladestationen zu erreichen; ihr fehle insgesamt ein strategischer Fahrplan für die Elektromobilität.

Mit ihrem im Dezember 2019 veröffentlichten Green Deal hat sich die EU das Ziel gesetzt, die verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen bis 2050 gegenüber 1990 um 90 Prozent zu senken. Wichtig sei dabei, auf alternative, kohlenstoffärmere Kraftstoffe umzustellen; insbesondere für Personenkraftwagen, werde hier insbesondere Strom verwendet, konstatieren die Rechnungsprüfer. Politisches Ziel sei, eine Autoreise mit dem Elektrofahrzeug quer durch Europa unternehmen zu können, bei der es ebenso problemlos aufgeladen werden kann wie momentan fossiler Treibstoff getankt werden kann.

Die Kommission habe dabei die Aufgabe, die allgemeine EU-Strategie für alternative Kraftstoffe zu lenken, da die einzelnen Mitgliedsstaaten dies nicht europaweit koordinieren könnten. Der Rechnungshof hatte nun geprüft, wie die Kommission Standards erlässt, wie sie den Aufbau der elektrischen Ladeinfrastruktur in den Mitgliedstaaten koordiniert und unterstützt und wie sie die CEF-Mittel für die elektrische Ladeinfrastruktur verwaltet.

Zwar sei es der Kommission gelungen, einen gemeinsamen EU-Standard für Ladestecker zu fördern, auch erhielten Nutzer schrittweise einen einheitlicheren Zugang zu verschiedenen Ladenetzen. Doch obwohl das Ladenetz in der gesamten EU wachse, sei der Aufbau lückenhaft, da es keine klaren und einheitlichen Mindestanforderungen an die Infrastruktur gebe.

Der Rechnungshof regt die EU-Kommission daher dazu an, einen strategischen und integrierten EU-Fahrplan für Elektromobilität auszuarbeiten. Sie solle die Infrastruktur- und Finanzierungslücken analysieren und damit die Projektauswahl verbessern. Den ausgewählten Ladesäulen-Projekten solle auferlegt werden, einen nachhaltigen und gleichberechtigten Zugang zu gewähren.

2017 schätzte die EU-Kommission in ihrem Aktionsplan zur Infrastruktur für alternative Kraftstoffe, dass bis 2020 bis zu 3,9 Milliarden Euro für elektrische Ladeinfrastruktur und möglicherweise ab 2021 zusätzlich jährlich 2,7 Milliarden bis 3,8 Milliarden Euro benötigt würden. Mit den CEF-Mitteln der Kommission wird Infrastruktur für alternative Kraftstoffe finanziell unterstützt. Solche Finanzhilfen wurden von 2014 bis 2020 in Höhe von rund 698 Millionen Euro gewährt. Davon flossen rund 343 Millionen Euro in Ladeinfrastrukturprojekte oder Projekte, die Strom mit anderen alternativen Kraftstoffen wie Erdgas oder Wasserstoff kombinieren.

Dabei geht es der EU-Kommission auch darum, einen Teufelskreis zu durchbrechen: Einerseits verbreiten sich Elektrofahrzeuge mangels Lademöglichkeiten kaum, andererseits wird nur dann in die Ladeinfrastruktur investiert, wenn sich die Akteure sicher sind, dass sich Elektrofahrzeuge mehr verbreiten. Die für sie nicht ausreichend ausgebaute Ladeinfrastruktur ist für Autobesitzende ein oft genanntes Argument, nicht auf E-Autos umzusteigen.

Vor dreieinhalb Jahren hatte Michael Willberg, Martin Wrobel und Frank Mischkowski erneut der Ehrgeiz gepackt, sie sind mit ihrem Tesla Model S 100D von Nordnorwegen nach Tarifa in Andalusien gefahren. Für die 6200 Kilometer vom Nordkap in Norwegen benötigten sie 86 Stunden und 6 Minuten, knapp 10 Stunden davon verbrachten sie mit Laden.

(anw)