EU macht weitere Schritte zur Cloud fürs Kulturerbe

Die europäischen Kulturgüter sind erst zu einem geringen Teil digitalisiert. Die EU-Kommission und die Mitgliedsstaaten machen sich nun daran, das zu ändern.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 4 Beiträge

(Bild: EU-Kommission)

Von
  • Andreas Wilkens

In Europa sind bisher 30 bis 50 Prozent der kulturellen Sammlungen in Europa digitalisiert. Das wollen die EU-Kommission und die EU-Mitgliedsstaaten nun ändern, erst recht im Bereich 3D-Darstellungen großer Strukturen und Landschaften, die Teil des Kulturerbes und die zu einem noch geringeren Anteil digitalisiert sind.

Dem Ende vorigen Jahres von der EU-Kommission angestoßenen Projekt, das Kulturerbe nicht nur zu digitalisieren, sondern auch in einer gemeinsamen Cloud zu lagern und bereitzustellen, folgte nun eine Folgenabschätzung von acht unabhängigen Sachverständigen (PDF). Darin werden die Auswirkungen und Ausmaße des Vorhabens anhand unterschiedlicher Abbildungs- und Datenformate sowie deren Speicher-, Zugriffs- und Auswertungsmöglichkeiten deutlich gemacht.

Damit solche Darstellungen als Grundlage für vertiefte wissenschaftliche Forschung dienen können, sollen sie zunächst erstellt und zudem in einer EU-weiten Cloud gelagert werden und bereitstehen. "Zudem sind die heute angewandten Standards überwiegend nicht einheitlich, rückverfolgbar oder sicher. Das gefährdet das materielle und immaterielle Kulturgut Europas", teilte die EU-Kommission mit.

Bis 2025 sollen für die kollaborative Cloud 110 Millionen Euro aus dem Forschungsprogramm Horizont Europa bereitgestellt werden. Etwa 2023 oder 2024 will die EU-Kommission zur Einreichung von Vorschlägen für die Cloud-Infrastruktur und die Dienste und Tools auffordern.

Die acht Sachverständigen – darunter Dr. Peter Plaßmeyer, Direktor des Mathematisch-Physikalischen Salons in Dresden – sehen in Europa eine reichhaltige Kultur, die in seinen Museen, Galerien, Bibliotheken und Archiven bewahrt, studiert und ausgestellt wird. "Diese Institutionen sind nicht nur die eigentlichen Träger der europäischen Identität, sondern auch die Zeugnisse der Widerstandsfähigkeit und der Anpassungsfähigkeit der europäischen Kultur, die den Europäern durch viele qualvolle Zeiten geholfen haben." Diese dürften erst recht nicht in einer Zeit zweitrangig werden, die von Kriegen, Pandemien und Naturkatastrophen bestimmt wird.

(anw)