EY: "Autokonzerne werden tief in die roten Zahlen rutschen"

Die Pandemie beschleunige eine Entwicklung der Autoindustrie, die für das kommende Jahrzehnt prognostiziert war, meinen die Marktforscher von EY.

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Autos warten im Hafen auf ihre Verschiffung.

(Bild: gct-group.de)

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Der Gesamtgewinn der 17 größten Autokonzerne der Welt schrumpfte im ersten Quartal um 58 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro und damit auf den niedrigsten Stand seit 2009. Das haben die Marktforscher von EY errechnet. Der Umsatz sei um 9 Prozent zurückgegangen, die Zahl der verkauften Neuwagen um 21 Prozent. Auf der anderen Seite verfügten die Autokonzerne zum Ende des ersten Quartals über liquide Mittel in Höhe von 207 Milliarden Euro. Das sind 13 Prozent mehr als drei Monate zuvor

Die stärksten Einbußen habe es in China gegeben, wo der Pkw-Absatz um 38 Prozent einbrach. In Westeuropa schrumpften die Verkäufe um 28 Prozent, in den USA um 15 Prozent. Die bisher vorliegenden Zahlen zum laufenden zweiten Quartal zeigten, dass sich die Situation in China erstaunlich rasch normalisiert habe. Davon dürften gerade die deutschen Autokonzerne profitieren, heißt es in einer EY-Mitteilung: Mehr als jedes dritte Fahrzeug aus der Produktion der deutschen Autokonzerne sei 2019 in China verkauft worden.

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"Im ersten Quartal haben wir nur die anfänglichen Auswirkungen der weltweiten Covid-19-Pandemie gesehen. Das zweite Quartal wird noch sehr viel schlechter ausfallen. Dann wird die Autoindustrie weltweit tief in die roten Zahlen rutschen", erläutert EY-Manager Constantin M. Gall. Vier Unternehmen hätten bereits zum Jahresanfang ein negatives operatives Ergebnis ausgewiesen, im zweiten Quartal werde die Mehrzahl der Konzerne Verluste machen. Das werde vor allem Unternehmen treffen, die in Europa aktiv sind.

Die derzeitige Krise verstärke einen Abwärtstrend, der sich schon länger abzeichnete, meint EY. Bereits 2019 seien die Gewinne der Autokonzerne deutlich zurückgegangen, und zwar insgesamt um 13 Prozent, die Profitabilität sei auf den niedrigsten Stand seit 2009 gesunken. "Die Pandemie führt dazu, dass eine Entwicklung, die für das kommende Jahrzehnt prognostiziert wurde, nun im Zeitraffer stattfindet", schreibt EY.

Die Margen hätten schon vor der Corona-Krise stark unter Druck gestanden, da die Hersteller viel in die Elektrifizierung und Digitalisierung investiert hätten; dazu kämen Handelsstreitigkeiten und eine schwache Konjunkturentwicklung, erläutert EY. Nun würden die Bedingungen durch steigende Arbeitslosenzahlen, Unternehmensinsolvenzen, Sparmaßnahmen bei Unternehmen und Einkommensverlusten bei Privatleuten verschlechtert.

"Diese Krise werden nicht alle Autohersteller überleben", resümiert EY. Die übrigen Konzerne würden näher zusammenrücken und sehr viel enger zusammenarbeiten als bisher. Umso wichtiger sei es, dass nun die Weichen richtig gestellt würden, damit Investitionen in Zukunftstechnik gefördert und somit die Innovationskraft und Zukunftsfähigkeit der Autoindustrie trotz der Krise gestärkt werden. Dazu zählt EY auch das jüngst bekannt gewordene Konjunkturpaket der Bundesregierung.

Das Paket enthält eine Verdoppelung der staatlichen Kaufprämie für Elektroautos. Dass Autos mit Verbrennungsmotor nicht berücksichtigt wurden löst unter Politikern und Gewerkschaftern Empörung aus.

(anw)