EZB-Generaldirektor sieht Bitcoin "auf dem Weg in die Irrelevanz"

Kein gutes Haar lässt EZB-Generaldirektor Ulrich Bindseil an Bitcoin & Co. Außer Spekulationsblasen hätten Kryptowährungen nichts gebracht.

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(Bild: kitti Suwanekkasit/Shutterstock.com)

Ein Kommentar im Blog der Europäischen Zentralbank (EZB) stellt in Frage, ob die Kryptowährung Bitcoin noch eine Zukunft hat. Die beiden Autoren Ulrich Bindseil, Generaldirektor für den Bereich Marktinfrastruktur und Zahlungsverkehr bei der EZB, sowie der Berater Jürgen Schaaf sehen den Bitcoin auf dem "Weg in die Irrelevanz". Dass der nach letztjährigem Höchststand eingebrochene Kurs der Kryptowährung sich aktuell stabilisiere, sei mitnichten eine Verschnaufpause auf dem Weg in neue Höhen, sondern nur ein "letztes Aufbäumen". Zuvor hatten Bindseil und Schaaf eine leicht kürzere Fassung ihres Meinungsbeitrags auf Deutsch im Handelsblatt publiziert.

Das ursprüngliche Ansinnen der ersten aller Kryptowährungen, ein freies, dezentrales und globales Geld ohne Zentralbanken zu schaffen, sehen Bindseil und Schaaf als gescheitert. Design und Mängel machten Bitcoin "als Zahlungsmittel fragwürdig", Transaktionen damit seien "umständlich, langsam und teuer". Im nennenswerten Umfang sei der Bitcoin auch nie für legale Transaktionen genutzt worden. Ebenfalls sei der Bitcoin ein großer Umweltverschmutzer wegen des Proof-of-Konsensverfahrens. Das erfordert ständige Berechnungen stromhungriger Spezialrechner, die schnell veralten und für Elektroschrott sorgen.

Abgesehen davon tauge Bitcoin auch nicht als Geldanlage, wie Bindseil und Schaaf befinden: "Er generiert weder Cashflow (wie Immobilien) noch Dividenden (wie Aktien), kann nicht produktiv genutzt werden (wie Rohstoffe) oder gesellschaftlichen Nutzen stiften (wie Gold)." Die ganze Marktbewertung fuße nur auf Spekulation. Frühe Investoren würden immer wieder versuchen, Spekulationsblasen anzuheizen, damit frisches Geld in den Markt fließe.

Zugleich beklagen die Autoren eine zunehmende Anzahl von Kryptolobbyisten und auch gewaltige Mengen an Risikokapital für die Kryptobranche, die etwa in Firmen wie FTX geflossen seien. Auch dass klassischen Finanzfirmen und Banken sich für Kryptoinvestments erwärmten, sehen sie kritisch. Der Einstieg von Finanzinstituten suggeriere Kleinanlegern, dass Anlagen in Bitcoin solide seien, so Bindseil und Schaaf.

Wenn es um Regulierung gehe, sollte nicht der Eindruck erweckt werden, dass Kryptowährungen einfach nur eine andere Form von Geldanlage sei. Und ebenfalls sollten Regulatoren nicht von der "falschen Prämisse" ausgehen, dass sie Innovationen behindern könnten. Denn bislang habe die Blockchaintechnologie, auf der Bitcoin basiert, nur begrenzten Mehrwert für die Gesellschaft geschaffen. Insgesamt sollten sich Finanzunternehmen vor der Förderung von Bitcoin-Investments hüten und Regulatoren Kryptowährungen nicht als Zahlungsmittel oder Geldanlage legitimieren, schließen Schaaf und Bindseil ihre Generalabrechnung. (axk)