EZB startet Bürgerumfrage zu digitalem Euro

Sollte Europas Zentralbank einen Digital-Euro für Alltagszahlungen anbieten? Und was sollte der können? Das möchte die EZB gerne von EU-Bürgern wissen.

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(Bild: ANDREI ASKIRKA/Shutterstock.com)

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat Bürger dazu aufgerufen, ihre Meinungen, Wünsche und Ideen für die Gestaltung eines elektronischen Euros über einen Online-Fragebogen kundzutun. Da die Europäer ihre Finanzen zunehmend digital regelten, müsse man vorbereitet sein, auch einen Digitaleuro auszugeben, sagte EZB-Chefin Christine Lagarde.

Die Themen in der Online-Umfrage betreffen etwa die Privatheit von Zahlungen mit dem potenziellen Digitalbargeld, wie wichtig die Nutzbarkeit via Smartphone wäre, oder auch, ob Zahlungen offline funktionieren sollten. Einen Beschluss, ob es einen digitalen Euro überhaupt geben soll, hat die EZB bislang noch nicht gefasst. Es sollen die Möglichkeiten erforscht und erste Testläufe mit potenziellen Designs durchgeführt werden, hieß es bereits Anfang Oktober. Die Währungshüter versicherten auch, ein digitaler Euro wäre eine Ergänzung zum Bargeld, kein Ersatz: "In jedem Fall wird das Eurosystem auch weiterhin Bargeld ausgeben."

Angesichts täglicher Zahlungen mit SEPA-Überweisungen, Girokarte oder Paypal scheint es zunächst verwirrend, warum es denn noch einen digitalen Euro braucht. Der Punkt dabei: Es geht der EZB um Zentralbankgeld. Das gibt es für Endverbraucher und auch für Unternehmen außerhalb der Bankenwelt bislang nur in Form von Scheinen und Münzen. Womit man heutzutage etwa beim Onlineshopping bargeldlos zahlt – das ist sogenanntes Giralgeld. Es wird auch als Buchgeld bezeichnet, weil es in den Büchern der Geschäftsbanken existiert. Es ist eine Geldform, welche die Geschäftsbanken vor allem durch Kreditgewährung schaffen, und die letztlich nur eine Forderung auf Auszahlung von Zentralbankgeld ist. Von letzterem halten die Banken wiederum nur eine Mindestreserve.

Strenggenommen ist Giralgeld kein gesetzliches Zahlungsmittel. In der Praxis liegt die Menge des Giralgelds aber ein Vielfaches über der des Bargelds und es wird im täglichen Zahlungsverkehr nahezu gleichwertig angenommen. Und weil gerade auch an den Ladenkassen inzwischen immer mehr mit bargeldlosen Methoden gezahlt wird statt mit Bargeld, stellt sich dann die Frage: Sollte das gesetzliche Zahlungsmittel Zentralbankgeld nicht auch elektronisch im Alltag verfügbar sein?

Bislang hat die EZB nur einen ausführlichen Bericht vorgelegt, der verschiedene Szenarien skizziert. Eine Festlegung, welche Form der Digitaleuro haben könnte, findet sich nicht. Die Debatte, ob es digitales Zentralbankgeld braucht, hat insbesondere durch das von Facebook vorangetriebene, Kryptogeld-ähnliche Libra weltweit an Tempo gewonnen. Zuletzt hatte etwa die Zentralbank Russlands einen Pilottest für den Digitalrubel Ende 2021 angekündigt; und am heutigen Montag ließ Australien verlauten, ein Testprojekt mit Blockchaintechnik zu starten. Die Bundesbank hatte sich bislang eher gegen voreilige Einführung solchen Geldes ausgesprochen.

Führend dürfte vor allem China sein: Chinas Zentralbank hofft Berichten zufolge, ihren bereits in Tests befindlichen digitalen Yuan zur Winterolympiade 2022 in Peking an den Start zu bringen.

(axk)