Eclipse Foundation gibt den Startschuss für das offene IoT-Betriebssystem Oniro

Die Eclipse Foundation arbeitet im Oniro-Projekt mit der OpenAtom Foundation an einem herstellerneutralen IoT- und Edge-Betriebssystem mit globaler Reichweite.

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(Bild: Outflow_Designs / Shutterstock.com)

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  • Silke Hahn

Die seit Jahresbeginn 2021 offiziell in Europa ansässige Eclipse Foundation hat den Startschuss für ein neues Projekt im IoT-Bereich abgegeben: Gemeinsam mit der chinesischen OpenAtom Foundation soll das Oniro-Projekt ein herstellerneutrales Betriebssystem entwickeln, das als unabhängige Alternative zu etablierten IoT- und Edge-Betriebssystemen als Open-Source-Software verfügbar sein wird.

Oniro soll die Interoperabilität künftiger Edge- und IoT-Geräte sicherstellen und strebt den Stiftungen zufolge eine globale Reichweite an. Technisch setzt es auf dem System OpenHarmony der OpenAtom-Foundation auf. Der organisatorische und rechtliche Rahmen der Eclipse-Arbeitsgruppe soll dabei laut Auskunft der Eclipse Foundation eine transparente und gleichberechtigte Zusammenarbeit zwischen Herstellern und Unternehmen gewährleisten. An der Arbeitsgruppe beteiligen sich unter anderem Huawei, Linaro und SECO.

"Oniro ist Open Source in Reinkultur, und mit dieser Implementierung holen wir das Betriebssystem OpenHarmony von China nach Europa und den Rest der Welt", erläuterte Mike Milinkovich, Executive Director der Eclipse Foundation, das Projekt gegenüber heise Developer. Bei Oniro handelt es sich ihm zufolge um ein Multikernel-System, das als Betriebssystem auf einer breiten Palette an Endgeräten einsatzfähig sein wird. Die Prototypen hatte zunächst der europäische Zweig von Huawei mit seinen Partnern entwickelt, die nun den Code in die Eclipse Foundation einbringen.

Milinkovich zeigte sich gegenüber heise Developer hoch erfreut, dass die Eclipse Foundation bereits ein Jahr nach ihrem begonnenen Umzug nach Europa ein erstes Betriebssystem unter ihre Fittichen nehmen kann. Das sei genau die Art von Projekt, die man gehofft hatte anzuziehen. Mindestens neun Monate Entwicklungsarbeit seien bereits in die Implementierung von OpenHarmony für Oniro geflossen.

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Bei der Entwicklung hatte Huawei unter anderem eng mit SECO zusammengearbeitet, einem börsennotierten italienischen Unternehmen für Industrial IoT und Embedded-Systeme. SECO hatte Mitte Oktober den im deutschsprachigen Raum verankerten Systemanbieter für ARM-basierte Embedded-Technologie Garz & Fricke Group übernommen, durch deren Zusammenschluss wohl ein neuer europäischer Marktführer für IoT-, KI- und Edge-Systeme entstanden ist.

Oniro hat Milinkovich zufolge besonders die Gerätehersteller im Blick, für die das Projekt "eine echte Innovation" darstelle. Das erste marktreife Release stellt der Executive Director für das erste Quartal 2022 in Aussicht. Geplant ist eine Serie von Blaupausen für Gerätehersteller und Geräteklassen, ähnlich dem System der Linux-Builds. Unternehmen, die IoT-Geräte herstellen, sollen für ihre besonderen Bedürfnisse beim Oniro-Projekt "Blueprints" vorfinden, mit denen sie dann weiterarbeiten können.

Außergewöhnlich ist Milinkovich zufolge auch der Umstand, dass für das Oniro-Projekt drei Open-Source-Stiftungen an einem Strang ziehen, neben Eclipse sind auch Open Atom und Linaro an Bord. Die Botschaft dabei sei, dass es hier um eine globale Zusammenarbeit gehe. Für die Sache arbeite man über Stiftungsgrenzen hinweg zusammen.

Konkrete Anwendungen stehen im Fokus des Oniro-Projekts: So geht es um B2C und B2B (Business to Client sowie Business to Business) im Bereich Smart Home, industrielle Automatisierung und die Interoperabilität zwischen Fabrikgeräten unterschiedlicher Hersteller. Kompatibilität "out of the box" sei das Projektziel, erklärte Milinkovich weiter. Das Einsatzfeld ist breit und betrifft die nächste Generation von Geräten in einer sogenannten "Machine Economy" mit 5G, Cloud-Technologien, Edge- und IoT-Anwendungen. Unter einer Maschinen-Wirtschaft sind autonome und semi-autonome Geräte zu verstehen, die selbst zu Akteuren werden, technische Features ausliefern, aber auch wirtschaftlich handeln. Eine größere Unabhängigkeit von der Hardware ist dabei von Belang.

Aspekte der Privatsphäre sollen die neuen Architekturen besser als bisher berücksichtigen, ergänzt Milinkovich auf Nachfrage. Bei Oniro sollen Geräte einander ohne eine zwischengeschaltete Cloud finden können. Das Problem heutiger Architekturen sei das Anhäufen von Daten, die Systeme für Angreifer zu attraktiven Zielen machten. Laut Milinkovich schicken Projekte wie Oniro sich an, Alternativen zum alleinigen Fokus auf die Cloud zu fördern und zu unterstützen.

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Wer sich für Details interessiert, kann die Stellungnahmen der Arbeitsgruppenmitglieder in der Pressemeldung nachlesen. Die Zusammenarbeit von Eclipse und OpenAtom besteht seit Ende September 2021, auch hierzu finden sich auf der Website der Eclipse Foundation weiterführende Hinweise.

(sih)