Einigung: Elektronikmesse IFA bleibt in Berlin​

Die ehemals "Berliner Funkausstellung" genannte IFA bleibt in der Hauptstadt. Die Veranstalter Gfu und Clarion konnten sich mit der Messegesellschaft einigen.

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Schrottskulptur des Künstlers HA Schult vor dem Südeingang der Messe Berlin.

(Bild: heise online)

Von
  • Volker Briegleb

Die Elektronikmesse IFA wird auch in den kommenden Jahren in Berlin bleiben. Die Messe Berlin habe sich mit den Veranstaltern Gfu und Clarion auf einen Zehnjahresvertrag geeinigt, berichtet die Berliner Morgenpost. Demnach muss der Aufsichtsrat der Messe Berlin noch zustimmen, in dem auch Vertreter des Berliner Senats sitzen. Die Zustimmung gelte aber als sicher.

Mit dem Votum des Aufsichtsrats ist in der kommenden Woche zu rechnen. Dem Vernehmen nach soll dann zeitnah auch die offizielle Ankündigung der Vertragsverlängerung erfolgen. Gfu und die Messe Berlin wollen sich zum Stand der Verhandlungen unterdessen nicht äußern.

Im Umfeld der Messe gilt es als ausgemacht, dass die IFA in Berlin bleibt. Das wird vor allem im Senat mit Freude zur Kenntnis genommen. Für das Land Berlin, dem die Messegesellschaft gehört, ist die IFA ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Eine Abwanderung der Messe, die zeitweise im Raum stand, wäre ein schwerer Rückschlag für den Senat gewesen.

Dennoch musste die Messegesellschaft offenbar einige Kröten schlucken. Über Einzelheiten des Vertrags machen die Beteiligten keine Angaben. Laut Morgenpost haben konzeptionell und inhaltlich nun die Gfu und Clarion das Sagen. Die Messe, die demnach nur noch als Vermieter des Geländes und nicht mehr als Veranstalter auftritt, dürfte dadurch auch Einnahmen verlieren.

In den vergangenen Jahren haben Gfu und Messe Berlin die IFA gemeinsam veranstaltet. Grundlage dieser Zusammenarbeit war ein Vertrag, der bis einschließlich 2023 galt. Bei Verhandlungen über eine Verlängerung kam es im vergangenen Herbst zu Spannungen. Im Frühjahr ließen die Gfu und ihre Gesellschafter, zu denen namhafte Gerätehersteller gehören, dann durchblicken, dass sie etwas ändern möchten.

Der Gfu als Verband der Elektronikbranche gehört die Marke "IFA". Sie wolle die Messe weiterentwickeln und haben sich dazu mit dem britischen Veranstalter Clarion Events und einer Beteiligungsgesellschaft des Berliner Unternehmers Werner Gegenbauer zusammengetan. Die Messegesellschaft sah sich ausgebootet.

Der teils öffentlich ausgetragene Disput hat für einige Unruhe in Berlin gesorgt. Pikantes Detail: Gegenbauers Familiengeschäfte werden maßgeblich von Christian Göke geführt, der früher Chef der Berliner Messegesellschaft war. Er soll den Deal mit Clarion eingefädelt haben. Gökes Beteiligung hat insbesondere im Berliner Senat für Irritationen gesorgt.

Dass IFA-Chef Jens Heithecker seinen ehemaligen Chef weiter mit Informationen versorgt haben soll und deshalb gefeuert wurde, hat auch nicht geholfen, die Situation zu entspannen. Erst als Göke sich aus dem Konsortium zurückzog, begannen sich die Wogen zu glätten. Wie der neue Vertrag genau aussieht und ob Gegenbauer noch mit im Boot sitzt, ist derzeit nicht bekannt.

Laut Morgenpost gibt es eine Ausstiegsklausel, die den Vertragspartnern gegen Zahlung einer Strafzahlung "im einstelligen Millionenbereich" einen Ausstieg nach fünf Jahren erlauben würde. Auch soll der neue Vertrag bereits für die IFA 2023 gelten und bis 2032 laufen, wenn nicht jemand die Ausstiegsklausel zieht.

(vbr)