Einkommen mit Tarif​: Mehr Geld bei weniger Arbeitszeit​

In Unternehmen mit Tarifverträgen verdienen Beschäftigten laut Analyse der IG Metall mehr als in Firmen ohne Tarifbindung. Und sie haben kürzere Arbeitswochen.​

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(Bild: nuruddean / Shutterstock.com)

Von
  • Peter Ilg
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Die IG Metall erhebt jährlich die Daten von Beschäftigten in der Informationstechnologie- und Telekommunikationsbranche und erstellt daraus eine Entgeltanalyse. Einkommen ist ein Synonym für den sperrigen Begriff Entgelt. Für die aktuelle Studie wurden in 120 Betrieben die Einkommensdaten von 41.700 Beschäftigten ermittelt. Das ist eine ganze Menge und das Ergebnis zunächst wenig spektakulär: insgesamt gab es für die Beschäftigten in der ITK-Branche im vergangenen Jahr ganz leichte Einkommenszuwächse. Die lagen bei 0,2 Prozent.

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Das kann man stabil nennen, oder auch stagnierend. Schließlich wird selbst in Corona-Zeiten von Branchenverbänden wie dem Bitkom ein IT-Facharbeitermangel beklagt. So groß scheint der nicht zu sein bei diesem kleinen Gehaltszuwachs.

Weitaus bemerkenswerter ist die Differenz zwischen Gehältern in tarifgebundenen Unternehmen und denen in Unternehmen ohne. Diese Beschäftigten mit Tarif verdienen 14 Prozent mehr als die in Firmen ohne Tarifbindung. Das liege am positiven Effekt der Tarifbindung, begründet die IG Metall. Eine Tarifbindung besteht dann, wenn der Arbeitgeber dem Arbeitgeberverband und der Arbeitnehmer der Gewerkschaft angehört, die den Tarifvertrag abgeschlossen haben.

Alternativ dazu kann der Arbeitgeber auch selbst mit einer Gewerkschaft einen sogenannten Haus- oder Firmentarifvertrag abschließen, an den er dann gebunden ist. In diesem Fall muss der Arbeitnehmer Mitglied der tarifschließenden Gewerkschaft sein, damit der Tarifvertrag auf sein Arbeitsverhältnis anwendbar ist. Tarifverträge regeln die Rechte und Pflichten von Arbeitnehmern und Arbeitgeber, etwa Löhne und Gehälter sowie Arbeitszeiten.

Weil es in Tarifverträgen nicht nur um Geld, sondern auch um Zeit geht, wurden in die Entgeltanalyse der IG Metall auch die durchschnittlichen Wochenarbeitszeiten erfasst. Und auch in diesem Punkt kommen Beschäftigte mit Tarif besser weg als ohne. Zwei Drittel der Beschäftigten mit Tarifvertrag arbeiten 37,5 Stunden oder weniger. Bei den Beschäftigten ohne Tarifvertrag sind es nur knapp 7 Prozent, alle anderen arbeiten länger. Mehr arbeiten für weniger Geld – so lässt sich die Situation ohne Tarif zusammenfassen.

Christiane Benner, zweite Vorsitzende der IG Metall kommentiert die Ergebnisse der Erhebung für die Mitglieder der Gewerkschaft positiv: "Die Ergebnisse der Befragung bestätigen wieder einmal, dass Beschäftigte in Unternehmen mit Tarifbindung besser bezahlt werden." Das kam in den Analysen der vergangenen Jahre immer wieder heraus. "Es ist davon auszugehen, dass junge Fachkräfte im IT-Bereich ihre Jobentscheidungen künftig noch stärker daran orientieren, ob ihr Arbeitgeber tarifgebunden ist", so Benner weiter.

Tarifverträge seien nicht nur die Grundlage für bessere Verdienste, sondern für bessere Arbeitsbedingungen insgesamt, etwa familienfreundliche Arbeitszeiten. Diese Aussagen von Benner sind gleichzeitig ein Appell an junge Leute, der IG Metall beizutreten. Je mehr Mitglieder eine Gewerkschaft hat, umso größer ist ihre Macht, etwa bei Tarifverhandlungen.