Einschlagsort unklar: Erneut chinesische Rakete vor unkontrolliertem Absturz

In der Nacht zum Sonntag wird irgendwo auf der Erde eine tonnenschwere chinesische Raketenstufe abstürzen. Wo genau, ist noch nicht absehbar.

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Die jüngste Prognose der Aerospace Corporation – noch kann der Absturz aber überall auf den farbigen Linien passieren.

(Bild: Aerospace Corporation)

Von
  • Martin Holland

Am Wochenende wird erneut eine chinesische Raketenstufe unkontrolliert auf die Erde stürzen und noch ist völlig unklar, wo sie einschlagen wird. Es handelt sich um die Hauptstufe der Rakete des Typs "Langer Marsch 5B", mit der China Anfang der Woche das zweite von drei Modulen seiner Raumstation ins All gebracht hat. Anders als bei allen vergleichbaren Weltraumraketen ist bei dieser chinesischen Rakete kein kontrollierter Absturz vorgesehen, weswegen sie überall auf der Erde landen und unter Umständen sogar Schaden anrichten können.

Laut der Aerospace Corporation wird das über 20 Tonnen schwere Objekt in der Nacht zu Sonntag abstürzen, stimmt der errechnete Zeitpunkt genau, wäre das über dem Norden der Arabischen Halbinsel. Noch beträgt die ermittelte Unsicherheit plus/minus 16 Stunden. Damit kann es noch so gut wie überall zwischen 42 Grad nördlicher und südlicher Breite der Fall sein.

China hat beim Aufbau der eigenen Raumstation schon mehrfach heftige internationale Kritik dafür geerntet, dass die Rakete nicht für einen kontrollierten Absturz konstruiert wurde. Anders als alle zeitgemäßen Raketen rast die "Langer Marsch 5B" nach dem Start einige Tage um die Erde und sinkt dabei immer weiter ab. Wenn der Widerstand der Atmosphäre zu stark wird, beginnt sie abzustürzen. Auch die Verantwortlichen in China haben keinen Einfluss darauf, wo das der Fall sein wird. Aktuell taumelt das Objekt sogar, hat EU Space Surveillance and Tracking (EU SST) ermittelt.

Dabei werden viele Teile zwar verglühen, weil die Hauptstufe aber so groß ist, dürften einige Trümmer die Oberfläche erreichen. Die Aerospace Corporation geht davon aus, dass zwischen fünf und neun Tonnen auf der Erdoberfläche oder – mit größer Wahrscheinlichkeit – auf einem Ozean einschlagen. Geschieht das über bewohntem Gebiet, könnten nicht unerhebliche Zerstörung angerichtet werden.

Die jetzt vor dem Absturz stehende Rakete gehört mit ihren beiden Vorgängern zu den acht größten künstlichen Objekten, die je unkontrolliert abgestürzt sind. Größer waren laut der Aerospace Corporation fast ausschließlich ganze Raumstationen wie die Mir, Skylab, Saljut 6 und 7. Nach dem ersten Start einer "Langer Marsch 5B" im Mai 2020 war die Rakete in der Elfenbeinküste über bewohntem Gebiet abgestürzt und hatte sogar mehrere Häuser beschädigt. Beim zweiten Start im Frühjahr 2021 war die Nervosität bei Beobachtern und Beobachterinnen entsprechend hoch, die Raketenstufe war aber schließlich nahe der Malediven in den Ozean gestürzt. Wie jetzt auch war bis kurz davor unklar, wo genau die Trümmer niedergehen würden.

Informationen zu dem erwarteten Absturz wird es am Wochenende unter anderem auf dem Twitter-Account der Aerospace Corporation geben. Auch der Astronom Jonathan McDowell teilt seine Erkenntnisse regelmäßig mit und das EU SST hat ebenfalls eine Informationsseite. Über Mitteleuropa führt die Bahn der Rakete nicht, in Europa liegen lediglich Spanien, der Süden Italiens und Griechenland in dem Gebiet, in dem die Raketenstufe abstürzen kann.

Noch gibt es international keine Äußerungen zu dem erwarteten Absturz, im vergangenen Jahr hatte dann aber unter anderem die NASA scharfe Kritik daran geübt, wie China hier vorgeht. Einige Fragen zu dem anstehenden Absturz beantwortet die Aerospace Corporation in einem eigenen Blogeintrag. Dort heißt es auch, weil die Raketenstufe chinesisches Eigentum bleibe, wäre es nicht angemessen, sie gegebenenfalls abzuschießen.

(mho)