El Salvador lockt Bitcoin-Miner mit günstigem Strom aus Geothermie

El Salvador hat nicht nur den Bitcoin zum offiziellen Zahlungsmittel erklärt, es will auch noch zum Anziehungspunkt für Bitcoin-Miner werden.

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(Bild: Morrowind/Shutterstock.com)

Von
  • Axel Kannenberg

Nachdem El Salvador die Kryptowährung Bitcoin zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt hat, will Präsident Nayib Bukele nun auch die Miner der Kryptowährung ins Land ziehen: Er habe den Chef des staatlichen geothermischen Energieversorgers Lageo angewiesen, Betreibern von Bitcoin-Mining-Anlagen günstige Stromtarife zur Verfügung zu stellen, teilte Bukele über Twitter mit. Unter anderem stehe eine neue Anlage bereit, die Minern 95 Megawatt an regenerativ und emissionsfrei erzeugtem Strom aus Geothermie liefern könne. All dies werde sich schnell weiterentwickeln, versprach Bukele.

El Salvador hat erst in dieser Woche auf Initiative des Präsidenten beschlossen, die Kryptowährung Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel neben dem US-Dollar anzuerkennen. El Salvador ist damit das erste Land der Welt, in dem überall mit Bitcoin gezahlt werden kann. Bukele ist offenbar entschlossen, Kryptogeld zum Standortfaktor für die lokale Wirtschaft zu machen.

In der Kryptogeldszene wurde die Ankündigung Bukeles freudig aufgenommen – und dass er in seinem Tweet von Energie aus Vulkanen sprach, bot Anlass für zahlreiche Memes über "magic internet volcano money“. Der Preis des Bitcoins hat sich nach allerhand Kursstürzen derzeit leicht erholt und liegt zwischen 37.000 und 38.000 US-Dollar.

Das nun in El Salvador geltende "Bitcoin-Gesetz" besagt unter anderem, dass jeder Preis in dem Land in Bitcoin ausgewiesen werden kann, alle Geschäfte müssen die Währung akzeptieren, auch können Steuern damit beglichen werden. Der Staat soll durch die Einrichtung eines Trusts innerhalb der Entwicklungsbank El Salvadors die automatische Konvertierbarkeit von Bitcoin in Dollar garantieren. Die Ausgabe der eigenen Landeswährung Colón hatte die Zentralbank El Salvadors bereits im Jahr 2001 eingestellt. Der US-Dollar wurde damals zur offiziellen Landeswährung erklärt.

Geothermie zählt zu den regenerativen und klimafreundlichen Energiequellen, das Angebot aus El Salvador könnte dem schlechten Umweltimage des Bitcoin also etwas abhelfen. Die Kryptowährung wird schon seit Längerem wegen des stromhungrigen Mining-Prozesses kritisiert, mit dem das Recht verteilt wird, Blöcke in die Blockchain einzutragen. Da bislang geschätzt zwei Drittel des Minings in China stattfindet und zu erheblichem Teil mit dort erzeugtem Kohlestrom gespeist wird, dürfte die Klimabilanz des Kryptogelds nicht sonderlich gut aussehen. Genaue Zahlen liegen aber wegen der dezentralen Natur des Bitcoins nicht vor, einschlägige Studien basieren immer auf Schätzungen.

Zuletzt hatte die chinesische Regierung eine härtere Gangart gegen die Mining-Rechenzentren angekündigt, was wohl zu Panikverkäufen von Schürf-Hardware führte, aber auch viele Betreiber veranlasste, sich nun nach anderen Standorten mit billigem Strom und freundlicher gesinnten Behörden umzusehen. Ziele sind die USA, Teile Nordeuropas, Berichten nach insbesondere aber auch Kasachstan.

Das Nachbarland Chinas gewinnt einen Großteil seines Stroms aus fossilen Quellen und dürfte daher wenig zur Begrünung des Bitcoins beitragen. Laut Zahlen der Universität Cambridge findet derzeit etwas über 6 Prozent des Minings in Kasachstan statt, weltweit Rang vier nach China, den USA und Russland. Unter anderem der chinesische Mining-Hardware-Hersteller Canaan gab bekannt, ein Kundenzentrum sowie eigene Mininganlagen in Kasachstan einzurichten.

Ob El Salvador auch bald zu den großen Mining-Hotspots gehören wird, bleibt abzuwarten. In zahlreichen anderen Ländern Südamerikas haben verschiedene Politiker bereits angekündigt, Gesetze vorzulegen, die dem Beispiel El Salvadors folgen, darunter etwa der mexikanische Senator Eduardo Murat Hinojosa. Die Forderung begleiten die Politiker oft damit, dass sie ihr Profilbild in den sozialen Netzwerken mit stilisierten Laseraugen verzieren, um sich als zukunftsgewandt zu inszenieren.

(axk)