Elektroautos: Autoindustrie fordert garantiert günstigen Ladestrom

Der Verband der Automobilindustrie hat einen 15-Punkte-Plan aufgestellt, damit die vielen neuen Elektroautos bessere Rahmenbedingungen bekommen.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 425 Beiträge

Damit Elektromobilität erfolgreich wird, braucht es u.a. mehr Ladestationen. Diese hier in Bremen braucht ein neues Display.

(Bild: heise online / anw)

Von
  • Andreas Wilkens

150 Milliarden Euro will die deutsche Automobilindustrie bis 2025 in die Elektromobilität investieren. Im Gegenzug müsse der Staat die Rahmenbedingungen umfangreich verbessern, fordert der Branchenverband VDA. Dazu gehöre, dass der Ladestrom immer zu 100 Prozent Ökostrom und dauerhaft günstig sein müsse. Der Ladestrom müsse dafür von der EEG-Umlage und den Stromsteuern ausgenommen werden.

Bezahlt werden sollte an den Ladesäulen smart und vertragsbasiert, meint der VDA. Er lehnt die von der Bundesregierung geplante Ausrüstung aller neuen Ladesäulen mit nach seiner Ansicht veralteter und nicht mehr notwendiger Technik wie Kartenlesegeräten ab.

Bis 2030 benötige Deutschland mehr als eine Million Ladepunkte für E-Pkw und E-Transporter. Dafür müssten pro Woche mehr als 2000 neue Ladepunkte errichtet werden, schreibt der Verband der Automobilindustrie in einem 15-Punkte-Plan, es würden gerade aber pro Woche etwa 300 gebaut. Daher sei ein bundes- und europaweites Highspeed-Programm mit konkreten Zielvorgaben nötig.

Damit nicht so viele Ladepunkte nötig sind, empfiehlt der VDA, den Anteil an Schnelladepunkten weiter zu erhöhen. "Das spart Fläche, ist in der Regel wirtschaftlicher und erhöht den Kundennutzen", heißt es in dem 15-Punkte-Plan. "Das Stromnetz muss auch für diesen Zweck entsprechend ausgebaut werden, um die notwendige Leistung zur Verfügung stellen zu können."

Die vielen künftigen Elektroautos sollten dabei aber auch am Arbeitsplatz, zuhause und während des Einkaufens geladen werden können. Hier müsse der Staat für Anreize sorgen mit Förderprogrammen, aber auch beispielsweise Vorschriften für Neubauten. Weiterhin müsse auch der Kauf CO2-armer Fahrzeuge gefördert werden, daher solle der Umweltbonus über das Jahr 2022 ausreichend finanziert werden.

Damit die Elektromobilität wirklich nachhaltig wird, brauche es einen Wieder- oder Weiterverwendungsmarkt für Batterien. Für den Straßenverkehr nicht mehr geeignete Batterien könnten als Energiespeicher weiterverwertet werden. Solange die Batterien noch in den Autos stecken, sollten sie per direktionalem Laden auch für das Stromnetz als Speicher dienen können.

Damit der VDA der Bundesregierung und die EU-Kommission bei alledem besser auf die Finger schauen kann, sollen sie ab 2022 jährlich einen Bericht zum Ausbau der Ladeinfrastruktur in Deutschland, den Förderprogrammen und dem Stand der Zielerreichung in allen weiteren Handlungsfeldern vorlegen.

Die wichtigsten E-Autos (49 Bilder)

Audi e-tron (Sportback)

Spitzenleistung 230 - 300 kW

Dauerleistung 100 kW

Batteriekapazität brutto 71 - 95 kWh

max. Ladeleistung Gleichstrom 150 kW (an bestimmten Ionity-Ladepunkten)


min. Ladedauer Gleichstrom 5 bis 100 %:  50 Minuten

Reichweite (WLTP)  284 bis 441 km (Sportback: 287 - 450)


Stromverbrauch (WLTP kombiniert) 21,7 bis 26,1 kWh (Sportback: 21,2 - 25,9)

Höchstgeschwindigkeit: 190 (e-tron 50) bzw. 200 km/h (e-tron 55)


Kofferraumvolumen: 660 bis 1725 Liter (Sportback: 615 bis 1665)


Grundpreise (Stand: Januar 2021): 69.100 bis 81.500 Euro (Sportback 71.350 bis 83.750 Euro)

Der VDA war in den vergangenen Wochen mit seinem Mitglied Volkswagen aneinandergeraten. Nachdem bekannt worden war, dass der Verband die Mitgliedsbeiträge erhöhen will, hatte Volkswagen-Chef Herbert Diess den VDA um Kosteneinsparungen angehalten. Hinter dem Konflikt könnte stecken, dass sich Diess in seinem strikten Elektrokurs nicht vom VDA gestärkt fühlt, der wiederum für "Technologieoffenheit" plädiert, also auch für andere nachhaltige Antriebsformen wie Brennstoffzellen oder E-Fuels.

(anw)