Elektroautos: Ford will E-Autos nicht in Saarlouis bauen

Der saarländische Standort kommt gegenüber dem Standort in Valencia in Fords Plänen für eine E-Auto-Fabrik nicht zu Zug.

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Ford-Werk in Valencia.

(Bild: Ford)

Von
  • Andreas Wilkens

Ford hat sich für sein Werk im spanischen Valencia als Standort für die Montage seiner künftigen Elektroautos mit eigener Architektur entschieden. Dort sollen bis zum Ende dieses Jahrzehnts elektrische und vernetzte Fahrzeuge produziert werden, teilte Ford mit. Der Elektroautohersteller berücksichtigt in diesen Planungen also nicht sein Werk in Saarlouis; in Köln, wo Ford 15.000 Menschen beschäftigt, soll für 2 Milliarden US-Dollar ein "hochmodernes Zentrum für Elektrofahrzeuge" entstehen.

In Valencia betreibe Ford nach eigenen Angaben "das am besten positionierte Werk", um Fahrzeuge auf Basis einer Elektro-Architektur zu produzieren. Das sei das Ergebnis umfassender Konsultationen in Valencia und Saarlouis. Das Ford-Werk im Saarland, in dem 4600 Menschen arbeiten, soll weiterhin den Ford Focus produzieren, es würden "Optionen für zukünftige Standortkonzepte evaluiert", teilte Ford mit (PDF). Dafür werde sich Ford mit Arbeitnehmervertretern und der saarländischen Landesregierung zusammensetzen.

In den Wochen vor der Standortentscheidung hatte die Belegschaft in Saarlouis um ihre Arbeitsplätze gebangt. Saarlands Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) war im Mai dieses Jahres zu Gesprächen über den Standorten zur Ford-Zentrale in Detroit in die USA gereist. Bisher ist die Auto-Produktion in Saarlouis nur bis 2025 gesichert, dann soll die Produktion des Verbrenner-Focus auslaufen.

In einer ersten Stellungnahme sprachen die Ford-Betriebsräte von einem "abgekarteten Spiel" und einem "Scheinverfahren". Sie hätten gekämpft und alles gegeben, seien der klare Sieger im Bieterwettbewerb gewesen und werde nun um den Erfolg gebracht.

Für Benjamin Gruschka, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates in Deutschland, bedeutet die Ford-Entscheidung ein "Komplettversagen der Europazentrale", sie habe offenbar von Beginn an festgestanden. Als Grund, warum den Arbeitnehmervertretern in Spanien und Deutschland ein aufwendiger Bieterprozess aufgezwungen worden sei, komme eigentlich nur in Frage, "weitere Zugeständnisse von den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Valencia abzupressen, obwohl die spanischen Arbeitsbedingungen in den vergangenen 15 Jahren bereits massiv verschlechtert worden sind".

Bis 2026 will Ford in Europa nach eigenen Angaben jährlich 600.000 Elektrofahrzeuge verkaufen. Dabei ist das US-Unternehmen Nachzügler, Konkurrenten hatten vorher bereits auf Elektromobilität umgeschwenkt. Die Elektroautos, die ab 2023 in Köln produziert werden sollen, basieren auf Volkswagens Elektroplattform. In Valencia will Ford eine eigene Plattform installieren, um damit weitere Elektromodelle zu bauen.

Die Entscheidung, die neue Plattform nicht in Saarlouis anzusiedeln, war von Branchenexperten erwartet worden. Die Personalkosten seien in Spanien nun mal niedriger als in Deutschland, sagt Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Zwar habe Ford vor einiger Zeit Milliardeninvestitionen für Köln beschlossen, wo die Lohnkosten ebenfalls relativ hoch seien. Der dortige Standort sei aber viel größer und habe zudem zahlreiche Zulieferer in seinem Umfeld.

Ford will die Transformation zur Elektromobilität beschleunigen, auch weil das Europaparlament kürzlich beschlossen hat, dass ab 2035 nur noch emissionsfreie Neuwagen zugelassen werden dürfen. Bis 2026 will Ford es schaffen, insgesamt jährlich 2 Millionen Elektroautos zu bauen.

(anw)