Elektronische Patientenakte gestartet, elektronisches Rezept im Testbetrieb

Zum Quartalswechsel im Gesundheitswesen ist die elektronische Patientenakte gestartet.

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(Bild: Pixfiction/Shutterstock.com)

Von
  • Detlef Borchers

Seit Donnerstag können Patienten ihre elektronische Patientenakte (ePA) von Ärzten befüllen lassen, denen sie eine Freigabe zu ihrer Akte erteilt haben. Etliche Software-Hersteller haben dafür noch in der Nacht zum Donnerstag Updates geschickt. Neben dem allgemeinen Start der Patientenakte wurde auch das elektronische Rezept gestartet. Es wird allerdings nur in einer Arztpraxis und einer Apotheke in einem simulierten Testbetrieb erprobt.

Vier Software-Hersteller haben für die deutschen Krankenkassen eine elektronische Patientenakte entwickelt, die diese personalisiert ihren Versicherten anbieten können. Die Akten von IBM, RISE, einem Konsortium um X-tention und der Compugroup (CGM) werden von unterschiedlichen Kassen genutzt. IBM ist beispielsweise als TK-Safe bei der Techniker Krankenkasse (TK) dabei, die nach eigenen Angaben bereits 150.000 Versicherte mit einer Akte versorgt hat. CGW steckt hinter der Akte von AXA, womit klar ist, dass die Patientenakte auch von privat Versicherten genutzt werden kann. Noch sind nicht viele Akten ausgegeben worden. Zieht man die früher gestartete Patientenakte der TK ab, sind laut dieser Übersicht lediglich 20.000 Patientenakten zum Stichtag eingerichtet worden.

Auch längst nicht alle Arztpraxen können den gesetzlich festgelegten Starttermin zum 1. Juli 2021 einhalten. Nur 35 Prozent aller Vertragsärzte der gesetzlichen Krankenkassen besitzen den für die Befüllung der Akten notwendigen elektronischen Heilberufsausweis. Mit Secunet und RISE haben zwei der drei verbliebenen (VPN-)Konnektor-Hersteller die Zulassung zum Produktivbetrieb erhalten, die KoCoBox Med+ soll laut Gematik in Kürze folgen. Die Projektgesellschaft für den Aufbau der telematischen Infrastruktur des Gesundheitswesens vergleicht die Patientenakte in dieser Mitteilung mit einem "Informations-Hafen". Versicherte, die die Akte schon haben, könnten "an den Stegen flanieren" und die Akte mit eigenen Gesundheitsinformationen füllen, so die Gematik.

Doch es geht schon etwas mehr: Der Autor ist bei der AOK versichert und hat die "Mein Leben" genannte Akte in Betrieb genommen. Das "digitale Gesundheitsgedächtnis" (so die AOK) basiert auf der Software des Konsortiums um X-tention und wurde von der Krankenkasse mit den Daten der letzten Krankenhausaufenthalte, den Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen und den Medikamenten befüllt, die der Autor täglich einnehmen muss.

An nicht mehr als einem Steg kann ein einziger Versicherter flanieren, der am heutigen Donnerstag das elektronische Rezept bekommt, denn es wird in der Fokus-Region Berlin-Brandenburg nur von einer Arztpraxis ausgestellt und von einer Apotheke im selben Haus eingelöst. Zum bescheidenen Start der E-Rezept-Testphase hat die Gematik immerhin das Sicherheitsgutachten zum E-Rezept-Dienst und der Rezept-App veröffentlicht, die von IBM und RISE entwickelt wurden. Die Gutachter von PWC befanden, dass einem Produktivbetrieb nichts im Wege steht. Die Gutachter fanden zwar 23 Probleme im sogenannten "Frontend des Versicherten", stellten aber fest, dass die Restrisiken in einem begrenzten Test- oder Probebetrieb hinnehmbar seien, wenn alle Teilnehmer in der Testphase über die Risiken informiert sind.

(mho)