Energiekrise: Zwischenziel bei Befüllung der Gasspeicher vorzeitig erreicht

Die Gasspeicher sind zu über 75 Prozent befüllt. Vorgabe war, dass dieser Zwischenstand zum 1. September erreicht wird. Erwartet wird der Preis der Gasumlage.

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(Bild: muratart/Shutterstock.com)

Von
  • Martin Holland

Zwei Wochen früher als geplant sind die deutschen Gasspeicher jetzt zu über 75 Prozent gefüllt. Das teilte die Bundesnetzagentur am Wochenende mit. Zum Ende der vergangenen Woche wurde demnach ein Füllstand von 75,43 Prozent erreicht. Vorgesehen war eigentlich, dass die deutschen Gasspeicher zum 1. September zu 75 Prozent gefüllt sein sollen. Am 1. Oktober sollen es mindestens 85 Prozent und am 1. November mindestens 95 Prozent sein.

Schon Mitte der Woche hatte sich der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, mit den Fortschritten zufrieden gezeigt. Die positiven Signale zu den Füllständen der deutschen Gasspeicher bestätigen sich damit. Derweil fließt aus Russland aber weiterhin nur 20 Prozent der zugesicherten Gasmenge nach Deutschland.

Die Bundesregierung hat am 23. Juni die Alarmstufe des Notfallplans Gas ausgerufen. Die zuständige Bundesnetzagentur hält die Lage inzwischen für angespannt, die Gasversorgung sei aber stabil und die Versorgungssicherheit weiter gewährleistet. Obwohl aus Russland viel weniger Gas fließt, als zugesagt, wird weiter eingespeichert. Unternehmen und private Verbraucher sowie Verbraucherinnen müssen sich aber auf deutlich steigende Preise einstellen. Am heutigen Montag soll bekannt gegeben werden, wie hoch die Umlage werden wird, mit der die Mehrkosten verteilt werden sollen.

Die Umlage soll Gasversorgern zugutekommen, die für viel Geld Ersatz für ausbleibende, günstigere Gasmengen aus Russland kaufen müssen. Das Wirtschaftsministerium ging zuletzt von einer Spanne von 1,5 bis 5 Cent je Kilowattstunde aus, das würde erhebliche Mehrkosten bedeuten. Die Umlage wird dann ab Anfang Oktober gelten, aber nicht unmittelbar auf den Rechnungen sichtbar werden, sondern mit etwas Zeitverzug. Beim Bundeswirtschaftsministerium erwartet man, dass sie wahrscheinlich erstmals im November und Dezember auf den Rechnungen ausgewiesen wird. Der Energiekonzern RWE hat angekündigt, die Gasumlage wohl nicht beanspruchen zu wollen, bei EnBW sieht es anders aus.

Aus dem jüngsten Lagebericht zur Gasversorgung der Bundesnetzagentur geht hervor, dass die tägliche Einspeichermenge in den vergangenen Tagen kontinuierlich gewachsen ist. Zuletzt sind die Füllstände demnach täglich kontinuierlich um über 0,5 Prozent gestiegen. Jeden Tag fließen demnach ungefähr gleich große Mengen an Erdgas aus den Niederlanden und Belgien sowie aus Norwegen nach Deutschland. Der dadurch inzwischen erreichte Speicherfüllstand liegt ungefähr in der Mitte der Werte aus den Jahren 2016 bis 2021. Gleichzeitig liegen die Großhandelspreise bei 150 bis 280 Prozent der Werte von vor Beginn der aktuellen Krise.

(mho)