Energiesparen? Warum Router-Abschalten mehr Nachteile als Vorteile bringt

Aktuell kursieren viele Tipps, wie sich Energie sparen lässt. Manche bewirken minimale Einsparungen, die deutliche Nachteile bringen, etwa fürs Heimnetz.

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(Bild: alexskopje/Shutterstock.com)

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Energiesparen ist spätestens aufgrund der gestiegenen Preise für die Energieträger ein wichtiges Thema. Es kursieren viele Tipps, wo sich ganz einfach bedeutende Mengen einsparen ließen. Manche davon sind jedoch einfach nicht gut, sondern erkaufen minimale, nicht ins Gewicht fallende Einsparungen durch signifikante und teils sogar gefährliche Nachteile.

Derzeit wird etwa das nächtliche Abschalten des Internetrouters wieder hoch gehandelt. Die Idee liegt nahe: Ein Drittel des Verbrauchs könnte einsparen, wer etwa nachts das Gerät abschaltet. Faktisch ist das richtig. Eine kurze Dimensionsbetrachtung legt jedoch offen, dass die Einsparungen vernachlässigbar sind.

Ein Drittel der Energie einzusparen, indem etwa zwischen 23:00 Uhr und 7:00 Uhr der Router per Zeitschaltuhr ausgeschaltet wird, klingt zunächst interessant. Der durchschnittliche Verbrauch von Internetroutern liegt in c't-Tests um die 10 bis 11 Watt, jedoch fiel eines von fünf Geräten mit einem Verbrauch von etwa 15W geringfügig aus dem Rahmen. Zur Vereinfachung nehmen wir 10 Watt an, der anzunehmende Fehler liegt damit grob bei 10 Prozent.

Läuft der Router 24 Stunden und das ganze Jahr durch, summiert sich das auf 10 W * 24 h * 365 (Tage p.a.), entsprechend 87,6 kWh jährlich. Die Strompreisbremse kommt und deckelt den Kilowattstundenpreis von 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs bei 40 Eurocent, ist also als Maximalpreis anzusehen. Damit kostet der ununterbrochene Betrieb des Routers etwa 35 Euro im Jahr. Ein durchschnittlicher Vierpersonenhaushalt verbrät 4.500 kWh im Jahr und zahlt bei 40 Cents je kWh also 1800 Euro für Strom. Nicht einmal zwei Prozent fallen damit auf den Betrieb des Routers.

Das Abschalten des Routers für acht Stunden in der Nacht spart nur rund 11 Euro im Jahr ein, also weniger als einen Euro beim monatlichen Stromabschlag. Allerdings könnte mancher verlockt sein zu sagen, Kleinvieh macht auch Mist. Nachfolgend daher eine kurze Betrachtung, was der aufgerundete Euro mehr im Monat in der Praxis bedeutet.

Nachts ist keine Internetnutzung mehr möglich. Rechner können ihre Updates, die sie wie Windows-Maschinen außerhalb der normalen Nutzungszeit automatisch herunterladen und installieren, dann nicht mehr arbeitszeitsparend durchführen. Auch Fernseher, die ihre Updates automatisch in den Nachtstunden suchen und installieren, bleiben so auf veraltetem Stand. Unter Umständen bleiben so Sicherheitslücken offen, da die Installation von Sicherheitsupdates nicht oder deutlich verspätet stattfindet.

Schwerer wiegt jedoch, dass inzwischen Festnetztelefonie über den Internetrouter abgewickelt wird. Telefonisch ist nachts im Festnetz keine Erreichbarkeit mehr gegeben. Oder falls ein Notfall eintritt und in der Panik ein Anruf bei Polizei oder Feuerwehr nötig ist, klappt das mit dem Festnetztelefon nicht. Da muss also zwingend ein Handy aufgeladen und greifbar sein.

Andere Nachteile ergeben sich etwa für DSL-Nutzer. Die DSL-Gegenstellen handeln heutzutage einmal eine Verbindung aus und bleiben dauerhaft aktiv. Mancher Provider nimmt zwar alle paar Monate eine kurze Zwangstrennung vor, aber längst nicht mehr jeder und das auch keinesfalls mehr täglich. Die DSL-Gegenstelle erkennt in einem Verbindungsabbruch daher einen Fehler und schließt daraus auf die Leitungsgüte. Bei täglichem Kontaktabbruch drosselt sie die Verbindungsgeschwindigkeit, um eine vermeintlich schlechte Leitungsqualität zu kompensieren.

Das Kostensparen durch Abschalten des Routers ist daher nicht unbedingt empfehlenswert. Auch andere Spartipps rund um den Router und das WLAN bringen fürs Portmonee so gut wie nichts, handeln einem aber spürbare Nachteile ein.

Beim Energiesparen sind in der Regel ganz andere Verbraucher relevant. Das Austauschen herkömmlicher Glühlampen durch LED-Leuchten kann mehr als 80 Prozent Einsparung bringen. Leuchtet etwa eine 60-Watt-Glühbirne acht Stunden am Tag – nicht unüblich in deutschen Wohnzimmern –, kostet das rund 70 Euro im Jahr. Der Leuchtmitteltausch kann mehr als 50 Euro Ersparnis bringen und amortisiert sich damit bereits nach einem Monat. Die Lichtqualität hat bei modernen LEDs drastisch zugelegt, sodass dieses Argument gegen den Wechsel an Gewicht verloren hat.

(dmk)