Enso OS 0.4 ausprobiert: Neue Xubuntu-Variante mit viel Flair

Enso OS kombiniert den Unterbau aus Xubuntu 20.04 mit Programmen aus Elementary OS. Das klingt nach Stückwerk, liefert aber einen ansehnlichen Linux-Desktop.

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Von
  • David Wolski

In dieser inoffiziellen Ubuntu-Variante macht zunächst nichts den Anschein, als teilte das System mit seiner opulenten Oberfläche viele Gemeinsamkeiten mit Xubuntu 20.04: Tatsächlich stammt aber der gesamte Unterbau von Enso OS 0.4 – das gerade eine Aktualisierung gesehen hat – vom eher schlichten Xubuntu. Den effektvollen Window-Manager, einige Komponenten der grafischen Oberfläche sowie wichtige Programme hat Enso OS als leicht angepasste Abspaltungen von der Distribution Elementary OS übernommen.

Im Gesamtbild ist davon wenig zu merken, zumal das kleine Team hinter Enso OS schon seit drei Jahren an den Ecken feilt und die Oberfläche dieser Zusammenstellung immer wieder neu auf Hochglanz poliert. Die Zielgruppe der Distribution sind jene Anwender, die den Stil von Elementary OS schätzen, aber mehr Anpassungsoptionen wünschen. Genau dies war laut des walisischen Hauptentwicklers von Enso OS auch die ursprüngliche Motivation, eine neue Ubuntu-Variante zu schaffen, übrigens zunächst nur für den Hausgebrauch. Der gewählte Name "Enso" bezieht sich laut Entwickler auf eine Zen-Übung, freihändig einen möglichst perfekten Kreis zu malen.

Ein Willkommensbildschirm zeigt kurz und bündig im Stil anderer Linux-Distributionen die ersten Schritte zur Einrichtung an sowie einen Link zur (englischsprachigen) Dokumentation und zum Support-Chat. Nach dem ersten Start des installierbaren Live-Systems fällt gleich die von Mac OS X inspirierte Aufteilung des Desktops auf: Ein XFCE-Panel am oberen Rand dient lediglich zur Anzeige von System-Icons auf der rechten Seite und für die Menüleiste laufender Programme im Vordergrund. Ein Dock am unteren Rand präsentiert einen Anwendungsstarter und eine Liste der laufenden Programme, die ein Rechtsklick dort auch permanent als Verknüpfung verankern kann.

Die Aufmachung der Arbeitsfläche ist deutlich effektvoller, als in einem puren XFCE, denn als Window-Manager kommt Gala von Elementary OS zum Einsatz. Das Öffnen sowie Schließen von Fenstern vollzieht der eklektizistische Desktop mit deutlich mehr optischen Reizen als XFCE und macht sich dazu OpenGL zunutze. Der Preis des alternativen Window-Managers samt Compositor ist ein höherer Speicherbedarf, der bei rund 100 MB höher liegt, als bei einem puren XFCE 4.14. Mit dem üblichen XFWM von Xubuntu 20.04 liegt der Speicherbedarf ohne laufende Anwendungen bei 400-500 MB. Generell läuft Enso OS aber gut auf älteren Rechnern und kann sich mit dem Ressourcenbedarf von Lubuntu und LXQT messen.

Dank des XFCE-Unterbaus ist der Desktop mit dem festen Skalierungsfaktor von 2 auch für HiDPI-Bildschirme geeignet und es gibt auch ein sorgfältig vorbereitetes, dunkles Erscheinungsbild namens "Enso-dark" mit seinem eigenen Charme.

Enso OS bedient sich auch bei seinen vorinstallierten Dienstprogrammen bei Xubuntu sowie bei Elementary OS, wobei letztere Tools vom Entwickler als Fork in einem PPA (externe Paketquelle) gepflegt werden. So gibt es eine eigene Version des grafischen Paketmanagers AppCenter, das hier AppHive heißt und die nachträgliche Installation essenzieller Software wie etwa LibreOffice unkompliziert macht.

AppHive schlägt auch Snap-Pakete zur Installation vor, wenn vorhanden, denn diese Ubuntu-Variante ist mit Snapd ausgestattet, liefert aber anders als Ubuntu 20.04 und Ubuntu Mate 20.04 keine vorinstallierten Snaps aus. Ob es sich bei einem gefundenen Paket um einen Snap-Container handelt, zeigt unter der Beschreibung ein klickbares Schlüsselwort an, das auch gleich auf den entsprechenden Eintrag mit genauer Beschreibung auf https://snapcraft.io/store verlinkt. Dazu gibt es die Notizanwendung Pinny und den Starterdialog Panther, der auch als Anwendungsmenü dient.

Enso OS 0.4: Xubuntu in hübsch (6 Bilder)

Zur ersten Orientierung präsentiert der Willkommensdialog die wichtigsten Einstellungen, den grafischen Paketmanager, Online-Dokumentation und den Support-Chat bei Gitter.im.

Es handelt sich bei allen diesen Abspaltungen um Programme, die in Vala geschrieben sind. Vala ist für die Entwicklung von GTK3-Programmen gemacht und übernimmt die Syntax von C#. Laut dem Entwickler von Enso OS, der selbst einen starken C#-Hintergrund hat, war dies auch der ausschlaggebende Punkt, diese Programme speziell für diese Linux-Distribution selbst als Abspaltung weiter zu pflegen. Vala hat nur mehr einen kleinen Kreis von Entwicklern, die es praktisch einsetzen und verharrt weiterhin auf einer niedrigen Versionsnummer. Es ist aber auch wegen Elementary OS als Programmiersprache nicht verwaist, selbst wenn es derzeit nur mehr wenige Projekte gibt, die darauf setzen.

Trotz opulenter Oberfläche ist Enso OS auch für ältere, aber nicht ganz alte PCs und Notebooks geeignet. 2 GB RAM und ein Multi-Core-Prozessor (64 Bit) der letzten acht Jahre sind ein gerade noch vernünftiges Minimum an Ausstattung. Bei Gefallen richtet der übliche Ubuntu-Installer Enso OS in wenigen Schritten ein. Der Download der ISO-Datei (1,9 GB) ist auf Sourceforge gehostet, während die Entwicklung auf Github stattfindet. Dort findet sich auch ein Bugtracker und ein Support-Chat findet sich auf Gitter.im.

(axk)