Entwaldungs-Fußabdruck zeigt Folgen des Konsums von Kaffee & Co. auf​

Der Export von Nahrungsmitteln und anderer Genussmittel in wohlhabende Länder treibt laut einer Analyse die Abholzung von Wäldern vor allem in den Tropen.​

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Sturm, Wald, Orkan, Sturmschaden, Bäume

"Wir sind aus gleichem Stoff gemacht wie Träume. Unser kurzes Leben umgiebt der Schlaf."

(Bild: Henryk Niestrój, gemeinfrei (Creative Commons CC0), Zitat: Der Sturm)

Von
  • Stefan Krempl

Ein Forscherteam um den vietnamesischen Ökonom Nguyen Hoang Tien hat erstmals einen Entwaldungs-Fußabdruck für jedes Land der Welt erstellt, der auf dem Konsum der Bevölkerung basiert. Die Wissenschaftler kombinierten dafür bereits veröffentlichte Informationen über den Verlust von Wäldern und die dahinterstehenden Impulse mit einer globalen Datenbank nationaler und internationaler Handelsbeziehungen zwischen 15.000 Industriesektoren in den Jahren 2001 bis 2015.

Laut der entsprechenden Studie, die am Montag im Fachjournal Nature Ecology & Evolution erschienen ist, lösten die Autoren den Waldverlust auf einer Skala von 30 mal 30 Metern und die zugrundeliegenden treibenden Elemente mit 10 mal 10 Kilometern auf. Aus dieser Übersicht geht hervor: Der Genuss importierter Nahrungsmittel und anderer Verbrauchsgüter in wohlhabenden Ländern führt zu massiver Abholzung von Wäldern in vielen Regionen der Welt. Die Einfuhr von Rindfleisch, Soja, Kaffee, Kakao, Palmöl, Holz und weiteren Rohstoffen belastet dabei besonders die Waldbestände in den tropischen Regionen der Erde.

Die Muster verschiedener Länder und Waren unterscheiden sich dabei teils deutlich: Der Kakaokonsum in Deutschland ist demnach ein sehr hohes Risiko für die Wälder in Ghana und der Elfenbeinküste. Holzexport nach China, Südkorea und Japan setzt vor allem den Wäldern im Norden Vietnams zu. Der Kaffeeimport der Bürger der USA, Deutschlands, und Italiens gefährdet dagegen vor allem das zentrale Hochland in Vietnam.

Insgesamt gehen pro Einwohner der G7-Industriestaaten jedes Jahr durchschnittlich vier Bäume beziehungsweise 58 Quadratmeter Wald in anderen Ländern durch die Einfuhr von Gütern verloren. Viele der am stärksten betroffenen Regionen sind auch Brennpunkte im Kampf um den Erhalt der Biodiversität. Dazu gehören etwa Länder in Südostasien und Zentralamerika sowie Madagaskar, Liberia und der Amazonas-Regenwald.

Die Abholzung von Wäldern gilt als verheerend: Sie ist eine der größten Quellen für Treibhausgas-Emissionen, zieht den Verlust von Lebensräumen und Artensterben nach sich und verändert Wasserkreisläufe. Während die Waldbestände in vielen wohlhabenden Staaten in den vergangenen Jahrzehnten zunehmen oder zumindest stabil geblieben sind, ist der Trend in vielen sogenannten Schwellen- und Entwicklungsländern umgekehrt.

Ein Hauptgrund ist die steigende Weltmarktnachfrage etwa nach Rindfleisch, Soja und Palmöl, für deren Haltung beziehungsweise Anbau Wälder gerodet und zu Agrarflächen umfunktioniert werden. Laut den Verfassern wird es so immer wichtiger, Handelsverflechtungen zwischen Ländern und die Gründe für diese Verluste elementarer Ökosysteme zu untersuchen.

Damit Verbraucher anhand der Informationen ihr Konsumverhalten ändern könnten, müssten die Länderkarten aber noch genauer werden, meint Hannes Böttcher vom Öko-Institut Berlin. Unterschiede zwischen nachhaltigen Lieferketten in einem Land und solchen, die Wald vernichteten, seien bislang nicht erkennbar. Sinnvoll wäre es auch, die Übersichten mit Daten zum Verhalten von Akteuren zu paaren, etwa wo für wen Konzessionen zur Rodung erteilt wurden.

"Ganz auf Kaffee und Kakao zu verzichten, ist sicher keine Lösung", ergänzt der Frankfurter Biodiversitäts- und Klimaforscher Thomas Kastner. Es gelte eher, gemeinsam mit Erzeugerländern Wege zu finden, damit die Bauern vor Ort gut davon leben könnten, der Anbau mit möglichst geringen Umweltauswirkungen erfolge und der Konsum im Rahmen bleibe.

Andere Studien zeigten gemischte und kontextabhängige Ergebnisse von Initiativen für Lieferketten mit höheren Standards, gibt die Schweizer umweltpolitische Expertin Janina Grabs zu bedenken. In der EU und Deutschland stärkten ferner künftig Lieferkettengesetze die Sorgfaltspflicht von Unternehmen mit globalen Zulieferern. Auch Umweltbelange müssten so künftig besser geschützt werden.

(vbr)