Entwicklungsumgebung: Qt Creator 6.0 tauscht den Unterbau aus

Nachdem das Team den Vorgänger noch mit Qt 5.15 entwickelt hat, ist es nun auf 6.2 umgestiegen.

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  • Rainald Menge-Sonnentag

Zwei Monate nach Version 5 ist die erste Beta von Qt Creator 6 erschienen. Die größte Änderung der vor allem auf die C++-Entwicklung zugeschnittenen Entwicklungsumgebung findet sich im Unterbau: Das Release ist das erste, das auf die jüngste Hauptversion des Qt-Frameworks setzt. Bei den sonstigen Neuerungen sind das Editieren mit mehreren Cursors und ein aktualisiertes Codemodell für C++ nennenswert.

Nachdem die 4.x-Reihe der Entwicklungsumgebung über fünf Jahre lief, hatte die Qt Company bereits im Rahmen der allgemeinen Roadmap für 2021 eine Umstellung der IDE auf Semantic Versioning (SemVer) und gleich zwei frische Hauptversionen für das aktuelle Jahr angekündigt. Das fertige Release von Version 6.0 soll am 23. November und damit drei Monate nach Qt Creator 5.0 erscheinen.

Obwohl der Vorgänger das Einbinden der jüngsten Version des Qt-Frameworks in Projekte ermöglichte, hatte das Team ihn noch auf Basis von Qt 5.15 entwickelt, wie sich einem Kommentar zur Ankündigung des Beta-Release entnehmen lässt. Hintergrund für die verzögerte Migration dürfte wie für viele Qt-Projekte sein, dass die Qt Company erst mit dem im Oktober veröffentlichten Qt 6.2 nahezu alle wichtigen Module von Qt 5 auf Qt 6 portiert hat.

Die Binaries von Qt Creator 6 setzen nun auf Qt 6.2 auf. Eine weitere Neuerung unter der Haube betrifft die Umsetzung für macOS: Für Apples Betriebssystem sind nun universelle Binaries für Intel und ARM verfügbar.

Die Entwicklungsumgebung ermöglicht neuerdings wie andere IDEs und Sourcecode-Editoren das Multi-Cursor-Editiern. Zusätzliche Cursor lassen sich mit Alt | Mausklick hinzufügen. Außerdem ist das C++-Codemodell nun auf Version 13 der Compiler-Infrastruktur LLVM aktualisiert.

Einige in Version 5 gestartete Neuerungen erweitert das aktuelle Release. Dazu gehört die Anbindung an clangd als Language Server unter anderem für die Autovervollständigung. Qt Creator 6 bietet wohl eine vollständige Integration von clangd, die allerdings standardmäßig abgeschaltet ist. Entwicklerinnen und Entwickler können sie in den Optionen unter C++ | Clangd aktivieren.

Das Team hat daneben die Docker-Anbindung zum Bauen und Ausführen von Anwendungen in Containern ausgebaut, die in Version 5 als "sehr experimentell" gekennzeichnet war.

Der integrierte Qt Quick Designer ist ab dem aktuellen Release standardmäßig deaktiviert, und die Entwicklungsumgebung öffnet ui.qml-Dateien in dem separaten Werkzeug Qt Design Studio. Mittelfristig ist eine engere Integration der beiden Entwicklungstools geplant.

Weitere Neuerungen in Qt Creator 6 wie die globale Suche nach Dateien in allen Projektverzeichnissen lassen sich dem Qt-Blog entnehmen. Die vollständige Liste der Änderungen findet sich im Change Log. Die Open-Source-Variante steht im Qt Download-Portal unter Pre-releases zur Verfügung. Kommerzielle Kunden finden die Beta der jüngsten Version auf ihrer Account-Seite.

(rme)