Entwicklungsumgebung: Visual Studio 2022 erweitert das Debugging

In Preview 4 hat Microsoft einige experimentelle Funktionen der IDE stabilisiert und erweitert. Als produktionsreif gilt Visual Studio 2022 aber noch nicht.

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Microsoft

(Bild: ArliftAtoz2205 / shutterstock.com)

Von
  • Dr. Holger Schwichtenberg

Microsoft hat parallel zum ersten Release Candidate von .NET 6 die vierte Vorschauversion von Visual Studio 2022 veröffentlicht. Der neue Razor-Editor, der in Preview 3 erhebliche Stabilitätsprobleme hatte, wurde ebenso wie das Hot Reloading stabilisiert und erweitert, unter anderem mit Änderungen bei den Namensraumimporten, Lambda-Ausdrücken und an Strukturen. Auch während des Debuggings können Entwickler nun Hot Reload verwenden.

Letzteres funktioniert in Preview 4 grundsätzlich auch für .NET-MAUI-Anwendungen beim Debugging. Allerdings sind die Möglichkeiten auf iOS und tvOS, die in .NET 6 weiterhin die Mono Runtime im Untergrund nutzen, auf wenige Änderungsszenarien beschränkt.

Integration der Hot Reload-Funktion in Visual Studio 2022 Preview 4

Die Live-Vorschau auf XAML-Oberflächen funktioniert nun nicht nur mit der Windows Presentation Foundation, sondern auch mit der Windows UI Library 3 sowie Xamarin Forms und MAUI in Verbindung mit Android und Windows.

Live-Vorschau auf eine MAUI-App für Android

(Bild: Microsoft)

Hilfreich beim Unit Testing ist, dass man aus dem Testcode nun mit Show in Test Explorer den passenden Eintrag in der Testliste finden kann. Während Web-Load-Tests nun auch mit Visual Studio 2022 erstellt werden können, hat Microsoft in den Release Notes angekündigt, dass der Rekorder für den im April 2019 abgekündigten Coded-UI-Test nicht mehr auf die neue 64-Bit-IDE migriert wird.

Beim Debugging können Entwickler neuerdings Breakpoints definieren, an denen der Debugger nur hält, wenn zuvor ein anderer Haltepunkt erreicht wurde. Für den neuen Projekttyp reiner JavaScript-/TypeScript-Projekte bietet Visual Studio eine grafische NPM-Paketverwaltung, die aber hinsichtlich ihrer optischen Gestaltung noch als Fremdkörper in der aufpolierten IDE wirkt.

Installation eines NPM-Pakets in einem vue.js-Projekt

Die Registerkarten der geöffneten Dateien können in der Entwicklungsumgebung nun eine farbige Markierung haben, die die Projektzuordnung erleichtert. Diese Funktion muss unter Tools | Options | Environment | Tabs and Windows aktiviert sein. Das in Visual Studio Code beliebte UI-Theme "Winter is Coming" existiert neuerdings für das große Visual Studio.

Unterschiedliche Farben am Rande der Registerkartentitel symbolisieren verschiedene Visual-Studio-Projekte in der aktuellen Projektmappe.

Ein weiterer Fokus der vierten Vorschauversion war laut dem Blogbeitrag von Program Manager Mads Kristensen die Verbesserung der Performance unter anderem bei der Dateisuche und der Eingabeunterstützung für C++.

Im Gegensatz zu dem parallel erschienen .NET 6 Release Candidate 1 bescheinigt Microsoft seiner Entwicklungsumgebung Visual Studio 2022 auch in der aktuellen Preview 4-Version in den Release Notes noch keine Produktionsreife, obwohl .NET 6-Anwendungen sich nur im kommenden Visual-Studio-Release übersetzen lassen.

Visual Studio 2022 ist die erste 64-Bit-Version der Entwicklungsumgebung, die Microsoft veröffentlicht. Aufgrund der Umstellung von 32 auf 64 Bit müssen alle Autoren von Erweiterungen Anpassungen vornehmen. Microsoft hilft unter anderem mit einer eigenen Dokumentation. Die fertige Version von Visual Studio 2022 wird zusammen mit der RTM-Version von .NET 6 am 9. November 2022 erwartet.

(rme)