Eon will größer und digitaler werden - massiver Netzausbau geplant

In Europa wird in Zukunft immer mehr "grüner Strom" fließen. Netzbetreiber Eon will davon profitieren - und plant einen kräftigen Ausbau des Verteilnetzes.

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Strommasten über den Dächern von Privathäusern
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  • dpa

Deutschlands größter Stromversorger Eon will von der Energiewende profitieren und dafür in den kommenden fünf Jahren 27 Milliarden Euro investieren. Das Geld soll hauptsächlich in den Ausbau der Stromnetze fließen. "Eon startet jetzt eine umfassende Wachstums- und Investitionsoffensive für den Aufbau einer CO₂-freien, digitalen Energiewelt", sagte Eon-Vorstandschef Leonhard Birnbaum am Dienstag. Das Wachstum soll sich auch auszahlen: Bis 2026 soll die jährliche Ausschüttung je Aktie um bis zu fünf Prozent steigen. Für dieses Jahr schlägt Eon eine Dividende von 49 Cent je Papier vor.

Eon ist in Deutschland der größte Strom- und Gasanbieter und der mit Abstand größte Verteilnetzbetreiber. Auch europaweit zählt der Konzern zu den größten Energieunternehmen. In Europa hatte Eon Ende Juni mehr als 52 Millionen Kunden, 14 Millionen davon in Deutschland.

Von den 27 Milliarden Euro will Eon laut Firmenmitteilung 22 Milliarden in den Ausbau der Energienetze investieren, mehr als die Hälfte davon in Deutschland. Rund neunzig Prozent der 22 Milliarden soll in die Stromnetze fließen, der Rest in die Gasnetze. Mit dem Geld will Eon vor dem Hintergrund einer steigenden Stromnachfrage unter anderem neue Leitungen, Umspannwerke oder auch Ortsnetzanlagen bauen.

Strom- und Gasnetze sind reguliert. Das bedeutet, dass etwa in Deutschland die Bundesnetzagentur festlegt, unter welchen Bedingungen und zu welchem Preis Strom- und Gasanbieter die Netze zur Belieferung nutzen können. Die Behörde achtet dabei nach eigenen Angaben darauf, "dass die Netzbetreiber die großen Aufgaben der Energiewende meistern können, ohne dabei Verbraucherinnen und Verbraucher finanziell übermäßig zu belasten".

Eon geht davon aus, in den nächsten fünf Jahren zusätzliche erneuerbare Energien mit einer Kapazität von 35 bis 40 Gigawatt an die eigenen Netze anzuschließen. "Jede dieser Anlagen hilft uns, die Klimaziele von Paris zu erreichen. Hinzu kommt der Ausbau für Millionen Wärmepumpen, Batteriespeicher und die Elektromobilität", sagte der für Netze zuständige Eon-Vorstand Thomas König. Rund zwei der 22 Milliarden Euro will das Unternehmen in die Digitalisierung von Netzplanung, -überwachung und -steuerung stecken.

Die übrigen rund fünf Milliarden Euro will Eon in den Ausbau der Geschäfte mit Kundenlösungen investieren, also den Vertriebsbereich. "Digitalisierung ist auch hier der entscheidende Faktor: Wir werden bis 2026 in allen Märkten über eine digitale Plattform verfügen und darüber alle unsere Kunden effizient und kundenfreundlich bedienen", sagte der für den Vertrieb zuständige Vorstand Patrick Lammers.

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Geld verdienen will Eon auch mit nachhaltigen Energiesystemen in Häusern und bei der Elektromobilität. Das Unternehmen kündigte den Bau von rund 5000 Schnellladepunkten bis 2026 an. Weiteres Wachstumspotenzial sieht Eon in der Wasserstoffwirtschaft. Im Blick hat das Unternehmen dabei vorrangig den industriellen Mittelstand.

Investoren gefielen die Eon-Pläne nicht. Am Dienstagnachmittag lag die Aktie zeitweise mehr als vier Prozent im Minus. Insgesamt erlaubten die Ziele keine starke Fantasie, sagte ein Händler.

Eon ist nicht der einzige Energiekonzern in Deutschland, der seine Geschäfte mit milliardenschweren Investitionen auf die Energiewende ausrichtet. Erst vergangene Woche hatte der einstige Konkurrent RWE angekündigt, bis 2030 netto rund 30 Milliarden Euro im Kerngeschäft investieren zu wollen. RWE zählt dazu die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien und Gas sowie den Energiehandel.

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Viel Geld in die Hand nehmen will auch EnBW (Karlsruhe) im Südwesten, die bereits Ende 2020 Klimaneutralität zum Topthema gemacht hat, um bis zum Jahr 2035 die CO₂-Emissionen auf Null zu senken. Im Zeitraum 2021 bis 2025 will das Unternehmen in den Ausbau der erneuerbaren Energien, der Stromnetze, von Elektromobilität und Telekommunikation rund zwölf Milliarden Euro investieren.

Eine vor knapp einem Jahr vorgelegte Studie des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft hatte errechnet, dass Klimamaßnahmen allein in der deutschen Energiewirtschaft Investitionen in Höhe von insgesamt 320 Milliarden Euro auslösen werden.

Birnbaum äußerte sich zuversichtlich in Bezug auf die künftige Bundesregierung. Er wolle keine grüne Ampel, aber "eine konkrete, die wirklich Maßnahmen bringt". Birnbaum nannte als Beispiel die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren.

(fds)