Epic Games: Internes Dokument zeigt Millionensummen für Gratis-Spiele

Ein Dokument zeigt, welche Preise Epic Games dafür zahlt, Spiele wie "Subnautica" gratis im eigenen Store anbieten zu können. Die Strategie lohnt sich offenbar.

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(Bild: JJFarq/Shutterstock.com)

Von
  • Daniel Herbig

Epic Games gibt Millionensummen aus, um Spiele in seinem Epic Games Store gratis anbieten zu können. Das zeigt ein internes Dokument, das im Rahmen des Gerichtsverfahrens zwischen Epic Games und Apple an die Öffentlichkeit gelangt ist. Zu sehen sind die Ausgaben für fast 40 der Spiele, die Epic Games an Nutzerinnen und Nutzer seines Shops verschenkt hat – beginnend mit "Subnautica", dem ersten kostenlos angebotenen Spiel.

Das Unterwasser-Survival-Spiel konnte Epic Games demnach durch eine Zahlung in Höhe von 1,4 Millionen US-Dollar eine Woche lang für User des Epic Games Stores kostenlos bereitstellen. Das hat sich für Epic gelohnt: Dem Dokument zufolge registrierten sich wegen der Gratis-Fassung von Subnautica über 800.000 User beim Epic Games Store – Epic berechnet daraus einen Wert von 1,74 US-Dollar pro Person. Insgesamt haben sich 4,6 Millionen Nutzerinnen und Nutzer "Subnautica" gratis im Epic Games Store gesichert.

Die vom Spiele-Analysten Simon Carless veröffentlichte Liste führt insgesamt knapp 40 Titel auf, die zwischen Dezember 2018 und Oktober 2019 kostenlos im Epic Games Store angeboten wurden. Seitdem bietet Epic Games weiterhin regelmäßig Gratis-Spiele für Nutzer seiner Plattform an, sie sind in dem Dokument aber nicht zu sehen. Unklar ist also, wie viel Epic für das Gratis-Angebot von "GTA V" an den Entwickler Rockstar Games überweisen musste – es dürfte deutlich mehr als bei den gelisteten Titeln gewesen sein.

"Subnautica" gehört zu den teuersten Spielen, die in dem geleakten internen Dokument aufgeführt werden. Im abgebildeten Zeitraum war lediglich ein Bundle der "Batman Arkham"-Spiele mit 1,5 Millionen US-Dollar etwas teurer. Bemerkenswert ist auch, dass "Metro 2033 Redux" ohne Gegenzahlung seitens Epic kostenlos angeboten wurde – das dürfte Teil eines größeren Exklusivdeals gewesen sein.

Aus der Auflistung wird ersichtlich, dass Epic vor allem mit bekannteren Spielen große Mengen neuer Nutzerinnen und Nutzer gewinnt. Effizienter sind dagegen oft kleinere Indie-Titel, für die sich zwar weniger Leute registrieren, die aber für Epic günstiger sind: "Super Meat Boy" und "Jackbox Party" kosteten Epic nur 50 Cent pro neuem User. Weniger gelohnt haben sich dagegen die eigentlich hervorragenden Titel "Celeste" und "Inside", für die Epic über 10 US-Dollar pro gewonnenem User hinblättern musste.

Gratis-Spiele sind Epics erfolgreichste Methode, um den großen Konkurrenten Steam anzugreifen: Der Epic Games Store hat zwar einen deutlich geringeren Funktionsumfang, konnte seinen zum Launch schlechten Ruf aber mit regelmäßigen Spielegeschenken von oftmals hoher Qualität mittlerweile deutlich verbessern. Laut Epic hat der PC-Spielestore mittlerweile über 160 Millionen Nutzerinnen und Nutzer, die sich 2020 zusammen 749 Millionen Gratis-Titel abholten. Auch für Entwicklerstudios ist der Epic Games Store attraktiv: Epic verlangt nur 12 Prozent der Einkünfte, bei Steam sind es 30 Prozent.

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Das interne Dokument ist im Rahmen des Rechtsstreits zwischen Epic Games und Apple an die Öffentlichkeit gelangt. Bei dem Streit geht es um die Geschäftspraktiken des iPhone-Herstellers: Epic vertritt die Ansicht, dass Apple seine marktbeherrschende Stellung ausnutzt, indem das Unternehmen andere App-Läden auf seinen Geräten untersagt und gleichzeitig eine hohe 30-Prozent-Provision in seinem eigenen Store einfordert. Im Zuge des ersten Verhandlungstages wurde auch bekannt, dass Sony sich für Crossplay-Spiele wie "Fortnite" unter Umständen bezahlen lässt.

(dahe)