Epic Games gegen Google: Einstweilige Verfügung soll Bandcamp-Rauswurf stoppen

Epic-Tochter Bandcamp möchte keine Play-Store-Gebühren an Google zahlen und soll bald aus dem Android-Shop fliegen. Dagegen geht Epic jetzt gerichtlich vor.

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(Bild: BigTunaOnline/Shutterstock.com)

Der Streit zwischen Epic Games und Google setzt sich fort: Epic Games hat bei einem Gericht in Kalifornien eine einstweilige Verfügung gegen Google beantragt. Damit soll verhindert werden, dass die App von Epic-Tochter Bandcamp aus dem Play Store fliegt.

Der Musikanbieter Bandcamp weigert sich, den Zahlungsrichtlinien im Play Store Folge zu leisten und die verpflichtende Gebühr an Google zu zahlen. Deshalb soll Bandcamp den Google-Richtinien zufolge am 1. Juni aus dem Play Store fliegen. Mit einer einstweiligen Verfugung will Epic diesen Rauswurf vorerst verhindern.

Über dieses Vorgehen berichtet Bandcamp-Chef Ethan Diamond in einem Blog-Eintrag, in dem auch die teilweise geschwärzten Gerichtsdokumente verlinkt sind. Seit 2015 nutze die App des Musikanbieters einen eigenen Bezahlweg, schreibt Diamond darin. Üblicherweise verlangt Google bis zu 30 Prozent aller Einnahmen mit dem Verkauf von digitalen Gütern über den Play Store. Digitale Musik sei lange von Googles Payment-Zwang ausgeschlossen gewesen.

Mittlerweile müssen aber auch Anbieter wie Bandcamp zu Googles offiziellen Bezahlsystem umsteigen. Wer nicht mitzieht, fliegt ab dem 1. Juni aus dem Play Store, droht Google in seinen Richtlinien. Auf Googles Bezahlsystem umzusteigen und die anfallenden Provisionen zu zahlen, ist für Diamond keine Option: In einem solchen Fall müsse man die Kosten entweder den Nutzerinnen und Nutzern oder den Künstlern weitergeben – andernfalls könne man keinen Gewinn mehr erwirtschaften.

Bandcamp ist ein Anbieter von Musik, der sich vor allem auf unabhängige Künstlerinnen und Künstler abseits des Mainstreams spezialisiert hat. Musikschaffende können dort digitale Songs, aber auch Tonträger und Merchandise verkaufen. Bandcamp selbst behält rund 18 Prozent dieser Einnahmen. Würde Bandcamp Googles Bezahlweg verwenden, müsste das Unternehmen von diesen Einnahmen zehn Prozent an Google abdrücken.

Diese zehn Prozent, die sich Gerichtsdokumenten von Bandcamp entnehmen lässt, sind niedriger als bei anderen Apps: Je nach Anwendung verlangt Google bis zu 30 Prozent aller generierten Umsätze. Dass es bei Bandcamp nur 10 Prozent sein sollen, ist dem Dokument zufolge ein besonderes Angebot seitens Google, mit dem aber "weitere Zugeständnisse" seitens Bandcamp einhergehen würden.

Bandcamp gehört erst seit März zu Epic Games. Gemeinsam wolle man das Angebot von Bandcamp internationaler aufstellen, kommentierten beide Unternehmen die Übernahme. Epic Games befindet sich seit Jahren im Streit mit Google: Das Spieleunternehmen wirft Google monopolistischer Praktiken in seinem Play Store vor. Im Sommer 2020 hatte Epic Games den Rausschmiss seines Spiels "Fortnite" aus dem Play Store provoziert, seitdem zerren sich die Firmen gegenseitig vor Gericht.

(dahe)