Epic vs. Apple: Runde 2 eingeläutet

Mit "vertraglichen und technischen Einschränkungen" verhindert Apple Wettbewerb, argumentiert Epic und will das Urteil der ersten Instanz kippen.

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(Bild: Shutterstock/Koshiro K)

Von
  • Leo Becker

Das Berufungsverfahren im Rechtsstreit zwischen Epic Games und Apple in den USA läuft an: Apple könne seine Monopolstellung beim App-Vertrieb für iPhones durch "vertragliche und technische Einschränkungen" festigen und behindere so den Wettbewerb, betonte Epic in seiner Eröffnungsstellungnahme. Kein Wettbewerber sei in der Lage, alternative App-Läden für iOS zu entwickeln oder seine Apps direkt für iPhone-Nutzer anzubieten (Nr. 21-16506, 21-16695 US Court of Appeals for the Ninth Circuit).

Apples Regeln hätten letztlich die Preise erhöht, Innovation behindert, Qualität gesenkt und Wettbewerb ausgeschlossen, zitiert Epic aus der Urteilsbegründung der ersten Instanz – und dennoch habe die Richterin Apple nicht zum Monopolisten erklärt.

Der Spielehersteller will nun vom Berufungsgericht klären lassen, ob das erste Urteil fehlerhaft ist. Dabei geht es unter anderem um die Frage der Marktdefinition, die in der ersten Runde auf den "Markt für Transaktionen in mobilen Spielen" eingegrenzt wurde – obwohl Apples Vorgaben für alle Apps und Käufe digitaler Inhalte gelten, schreiben die Anwälte der Spielefirma in dem von Macrumors veröffentlichten Opening Brief beim United States Court of Appeals for the Ninth Circuit.

Epic Games will letztlich eine Öffnung des iPhones erwirken, um seinen eigenen Store auf die Plattform bringen zu können. Mit der von Apple untersagten Integration einer direkten Bezahlmöglichkeit in Fortnite provozierte Epic Mitte 2020 den Rauswurf aus dem App Store – und zog im Anschluss gegen Apple in mehreren Ländern vor Gericht. Im ersten großen US-Verfahren urteilte eine Richterin vergangenen September, dass Apple kein Monopolist sei. Dabei wurden praktisch alle von Epic Games vorgebrachten Klagepunkte abgewiesen.

Mit einer Verfügung wollte die Richterin Apple dazu zwingen, App-Anbietern ab Ende 2021 zu erlauben, mit "Buttons, externen Links oder anderen Handlungsaufforderungen" auf andere Bezahlmöglichkeiten als Apples In-App-Bezahlschnittstelle zu verweisen – die Verfügung wurde aber kurz vor dem Inkrafttreten ausgesetzt.

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Der Rechtsstreit der Konzerne dürfte sich noch über weitere Jahre hinziehen. Parallel gibt es in ersten Ländern allerdings Gesetzesinitiativen, die das bisherige App-Store-Modell beenden könnten. In Südkorea muss Apple künftig alternative Bezahlmethoden in Apps akzeptieren – will dafür aber weiter eine Provision in noch unbekannter Höhe berechnen. Fortnite durfte seit dem Rauswurf nicht wieder zurück aufs iPhone, Apple hat Epics Entwickler-Account aufgekündigt. Das Spiel ist inzwischen aber über Nvidias Cloud-Streaming-Dienst GeForce Now wieder auf iPhones spielbar.

(lbe)