Erdgas-Importe: LNG macht Europa nicht automatisch unabhängiger von Russland

Flüssigerdgas-Importe (LNG) gelten oftmals als Synonym für die Unabhängigkeit von russischem Erdgas. Doch neue Zahlen zeigen, dass das ein Trugschluss ist.

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Ortsangabe eines Gasanschlusses.

(Bild: heise online / anw)

Europas angestrebte Unabhängigkeit von russischem Erdgas wird nicht automatisch durch eine Umstellung auf Flüssigerdgas (LNG) erreicht. Während die Pipeline-Importe durch die Zerstörung der Ostsee-Rohrverbindung Nord Stream 1 im Jahresvergleich deutlich zurückgegangen sind, importierten die Europäische Union und Großbritannien in diesem Jahr 21 Prozent mehr LNG aus Russland als im Jahr 2021.

Dies geht aus Zahlen des Marktforschungsunternehmens Icis hervor, über die das Handelsblatt berichtet. Den Marktforschern zufolge lag der Anteil Russlands an den europäischen LNG-Importen bei 13 Prozent. Dieses Gas erreiche über die LNG-Terminals in den Niederlanden, Belgien und Frankreich auch Deutschland. Zwischen Januar und November seien hierfür 27 Milliarden Euro an Russland gezahlt worden.

Im Vergleich zu der bisher importierten russischen Gasmenge über Pipelines relativieren sich die LNG-Importzahlen: So wurden im Jahr 2021 zwischen Januar und November 133 Milliarden Kubikmeter über Pipelines nach Europa exportiert, aber nur 15 Milliarden Kubikmeter per LNG-Schiff. In diesem Jahr sanken die Pipeline-Transporte infolge der Drosselungen im Sommer und der Zerstörung der Pipeline Nord Stream 1 Ende September auf 60 Milliarden Kubikmeter, während die LNG-Importe im Vergleichszeitraum auf 18 Milliarden Kubikmeter anstiegen.

Icis geht laut den heise online vorliegenden Zahlen davon aus, dass die von der EU gesteckten Ziele zur Unabhängigkeit von russischem Gas im Jahr 2023 nur schwer zu erreichen sind. Die Zielmarke, die bisherigen russischen Gastransporte bis Ende 2022 um zwei Drittel zu reduzieren, sei selbst ein Jahr später kaum zu erreichen. Weiterhin wird in Europa auch per Pipeline über die Ukraine Erdgas importiert.

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Die Marktforscher gehen davon aus, dass bis Ende nächsten Jahres 72 von angestrebten 100 Milliarden Kubikmetern Gas erreicht werden. Hiervon gingen 12 Milliarden Kubikmeter auf Einsparungen, besonders in der Industrie, zurück. 60 Milliarden Kubikmeter Gas, die bislang aus Russland kamen, könnten durch Umstellung auf andere Lieferanten ersetzt werden. Hierzu zählt vor allem der Transport von LNG, das laut Icis im kommenden Jahr allein 50 Milliarden Kubikmeter Erdgas beitragen könne. In Wilhelmshaven geht noch in diesem Monat das erste staatlich initiierte LNG-Terminal in Betrieb.

(mki)