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Erfahrungswerte: Canon EOS 7D in der Praxis

Handhabung

Inhaltsverzeichnis

Die Einsteigerkameras (1000D, 500D) haben eine feststehende Einstellscheibe im Sucher. Aufgrund des kleinen Formates und der dunkleren, billigen Pentaspiegel-Prismen statt echter Glasprismen versuchten die Hersteller, durch schwächer mattierte Einstellscheiben das Sucherbild heller zu halten - mit der Folge, dass man die Schärfenlage weniger präzise erkennen kann. Bei Kameras der gehobenen Klassen (inklusive 50D, 5D) ist es üblich, dass man die Einstellscheibe (Mattscheibe) im Sucher auswechseln kann, beispielsweise gegen solche mit Gitter oder Scharfstellhilfen für das manuelle Fokussieren von Objektiven, oder eine besser mattierte Scheibe, die zwar dunkler, aber besser für die manuelle Fokussierung geeignet ist.

Bei der 7D wurde dies durch das Konzept wahlweise einblendbarer Gitter und sogar einer Art künstlichem Horizont (oder Wasserwaage für horizontales Kippen und Neigung der optischen Achse nach oben oder unten) ersetzt, um beispielsweise die exakte Ausrichtung des Bildes zu erleichtern. Bei Produkt- oder Architekturaufnahmen kann das sehr hilfreich sein, und wenn es bei Portrait- oder Landschaftsfotografie stört, schaltet man es kurzerhand ab. In der Livebildvorschau kann man außerdem zwischen der Einblendung eines gröberen oder feineren Gitters wählen. Manche Fotografen würden sich dennoch wünschen, dass man die Scheibe zum Beispiel gegen eine mit Schnittbildindikator wechseln könnte – bestimmte Nikon-Modelle können das trotz des einblendbaren Gitters.

Wie auch beispielsweise bei der Nikon D200 wird das Bild erst hell, wenn man einen geladenen Akku einsetzt. Das hat mit der LCD-Technik der Gittereinblendung zu tun. Letzten Endes bleibt das Sucherbild einer Vollformatkamera unerreicht, erst mit diesem taucht man beim Blick durchs Okular so richtig in sein fotografisches Motiv ein.

Ein sehr erfreuliches Detail: die Über-/Unterbelichtungsanzeige im Sucher bei manueller Belichtungsmessung hat eine erweiterte Skala von +/-3 EV (anstatt der bei den Amateurmodellen und auch der 50D und 5D MK II üblichen +/- 2 EV, hier war Canon gegenüber Nikon bisher sehr knauserig). Außerdem wird die ISO-Einstellung und der Batterieladezustand angezeigt. Bei der Belichtungsmessung hat man die reichhaltige Auswahl zwischen Mehrfeldmessung, Selektivmessung, Spotmessung (noch engeres Messfeld) und mittenbetonter Integralmessung.

Blick von hinten oben mit Details der Einstellräder (links 7D, rechts 5D Mk. II)

Die Kamera liegt außerordentlich gut in der (durchschnittlichen Männer-)Hand, der Griffbereich ist mit einem weichen profilierten Material verkleidet. Bei der 7D werden die Klappen für den Karteneinschub und den Akku von einer Feder aufgedrückt und offengehalten, wenn man sie entriegelt hat, bei anderen Modellen fallen sie ggf. der Schwerkraft folgend wieder zu, wenn man die Kamera ungünstig hält, und sind dem Tausch im Wege. Gewünscht hätte ich mir eine Möglichkeit, die Aktivitätsdauer der Belichtungsmessung einstellen zu können, wie zum Beispiel die Rückschauzeit eines eben aufgenommenen Fotos.

Das Wahlrad für die Aufnahmebetriebsarten kennt die bei Amateurmodellen üblichen Einstellungen für Portrait, Landschaften, Sport etc. nicht, wohl aber den "Grünen Modus" (Vollautomatik). Dafür gibt es neben M (manuelle Einstellung von Zeit und Blende), Av (Blendenvorwahl), Tv (Zeitvorwahl), P (Programmautomatik) CA (Kreativ-Automatik) und B (für Dauerbelichtung, auch per Kabel- bzw. Fernauslöser) noch drei benutzerdefinierte Voreinstellungen. Hier kann man sich seine eigenen Kombinationen spezieller Betriebsarten programmieren. Der Ein-/Ausschalter befindet sich, wie bei der 500D, unter dem Betriebsartenrad, und nicht unten rechts am Gehäuse wie bei anderen Profimodellen.

Die 5D hat den klassischen zweistufigen Powerschalter rechts unten: In der ersten Stufe wird die Kamera eingeschaltet, aber das Daumenrad bleibt ohne Funktion. Erst in der zweiten Stufe wird das rückwärtige große Daumenrad oder Schnellwahlrad für die Einstellung der Blende bei manueller Belichtung aktiviert. Die 7D hat diese Funktion der Blockade oder Freigabe des Daumenrades auf einen eigenen Schalter "Lock" rechts unterhalb des Daumenrades gelegt.

Oben auf der Kamera gibt es weiterhin ein passives LCD mit einschaltbarer Hintergrundbeleuchtung, das permanent diverse Einstellungen anzeigt: Zeit, Blende, verfügbare Aufnahmen auf der Speicherkarte, ISO, Aufzeichnungsformat (RAW oder JPG), Akkuladezustand, Weißabgleichseinstellung, Aufnahmemodus wie Einzel- oder Serienaufnahme, Belichtungswaage.

An der Rückseite fällt nach einigen ärgerlichen Erfahrungen mit anderen Modellen (50D, 40D) auf, dass sich keine Tasten unterhalb des 3-Zoll-Displays befinden: Die betätigen sich da nämlich gerne von selbst, wenn man die Kamera vor der Brust baumeln hat. Stattdessen sind links vom Display aufgereiht: Menu, Bildstil auswählen, Info(rmationsübersicht), Anzeige aufgenommener Fotos, Papierkorb. Rechts vom Display gibt es das für anspruchsvolle Modelle obligatorische Daumenrad, mit dem man die Blende einstellt (für die Zeitverstellung dient das obere Haupwahlrad direkt hinter dem Auslöser). Wahlweise kann man die Zuordnung der Zeit- und Blendeneinstellung umkehren.

Direkt rechts vom Sucher hat die EOS 7D eine Taste zum Starten und Stoppen einer Videoaufnahme, die mit einem Umschalter für die Betriebsarten versehen ist. Bei Standaufnahmen schaltet man damit zwischen Liveview und Sucherbetrieb um.

Die Druck-Taste auf der Rückseite links oben hat jetzt die besondere Funktion, alternativ zur Voreinstellung zusätzlich das Erzeugen von JPEG oder Raw-Format ein oder wieder auszuschalten, also RAW + JPEG statt nur JPEG oder nur RAW – angeblich ein dringender Wunsch vieler Fotografen. Dafür gibt es nach wie vor keine Möglichkeit, die Vorauslösung des Spiegels auf eine Taste zu legen.

Eine sehr hübsche Neuerung ist der Q-Button ganz links oben auf der Kamerarückseite. Damit kann man in der Anzeige diverser Voreinstellungen per Navigationsknopf (rechts unter dem Sucher) eine Anzeige vorwählen und in dieser dann per Einstellrädern die verschiedenen Optionen auswählen, beispielsweise zu Messarten, Weißabgleichsverfahren, ISO usw.

Zum Verarbeiten des Raw-Formates der 7D braucht man mindestens die Version 5.6 von Adobes Camera RAW (ACR, kann in Lightroom 2.6 oder CS 4 aktualisiert werden) oder die aktuelle Version von Canons Digital Photo Professional 3.7.2.0 (DPP, im Lieferumfang der Kamera). DPP hat den Vorzug, dass es die Canon-Objektive, namentlich die Kit-Objektive EFS 15-85/4,0 IS USM respektive EFS 18-135/3,5-5,6 IS, kennt und deren – vor allem am weitwinkligen Ende – recht beträchtliche Verzeichnungen auf Wunsch automatisch herausrechnet. Auch chromatische Aberrationen (Farbsäume) kann DPP automatisch nahezu vollständig entfernen.

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