Menü
c't Fotografie

Erfahrungswerte: Canon EOS 7D in der Praxis

Unter der Reihe "Erfahrungswerte" finden Sie ganz persönliche Ansichten von Foto-Profis zu aktuellen Kameras – mit dem Schwerpunkt auf die praktische Anwendung, weniger auf Messwerte und Testergebnisse. Diesmal an der Reihe: Die Spiegelreflexkamera Canon EOS 7D.

vorlesen Drucken

Dichtkunst: Die EOS 7D wurde aufwendig gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet.

Nikon und Canon bringen im ständigen Wettlauf immer wieder Nachrüstungen vorhandener Modellreihen heraus. Canon war bislang mit vier bzw. fünf Kameraklassen schon gut aufgestellt: Vom Einsteigermodell (EOS 1000D für ca. 360 Euro) über die Amateurliga (450D für 490 Euro und die 500D für ca. 630 Euro) über die semiprofessionellen "Zweistelligen" (50D, 800 bis 900 Euro) bis hin zu den absoluten Profikameras (1D, 1Ds, um 4500 bis über 6000 Euro). Dazwischen spielte schon seit einigen Jahren die EOS 5D, inzwischen in Gestalt der Nachfolgerin 5D MKII, eine Sonderrolle: Mit vollem Kleinbildformat (Sensorgröße 36 x 24 mm) und einem für ambitionierte und betuchtere Amateure noch erschwinglichen Preis um 2050 Euro bildet sie quasi eine Klasse für sich.

Frontansichten der EOS 7D (links) und EOS 5D MKII rechts mit den jeweiligen (gehobeneren) Kit-Objektiven

Abgesehen von den Preisregionen gibt es ein auffälliges Unterscheidungsmerkmal zwischen den Gruppen: Die Gehäusegröße! Die Einsteiger- und Amateurmodelle sind betont klein (soweit es technisch möglich ist), und damit zwar leichter und kompakter, aber auch unangenehmer zu greifen (jedenfalls für gröbere Männerpfoten) und mit weniger Massenträgheits-"Bildstabilisierung". Die Mittel- und Oberklasse hat "normalgroße" Gehäuse, bringt aber mit dem Volumen auch ordentlich Gewicht (nahe der 1-Kilo-Klasse) mit sich, während die Kleinen mit den dreistelligen Nummern eher mit der Hälfte zufrieden sind (jeweils ohne Objektiv und Akku). Damit einher gehen auch gewisse innere Werte, namentlich die Sucherqualität (siehe weiter unten). In dieser Hinsicht rückt die 7D eng zur professionellen 5D MK II auf.

Jedenfalls war es einigermaßen überraschend, als Canon im Oktober letzten Jahres (2009) eine Kamera mit der Bezeichnung EOS 7D herausbrachte, die in keines der bisherigen fünf Schemata passt. Preis ca. 1400 Euro, Crop-Faktor 1,6, gewaltige 18 Megapixel Auflösung, ansonsten profimässige Ausstattung. Sie schiebt sich zwischen die 5D MKII und die 50D und kann nicht als klare Nachfolgerin einer dieser beiden angesehen werden. Dahinter steckt ein besonderer Ansatz, den Canon in einem PDF-Dokument beschreibt: Man wollte eine grundlegend neue Kamera nach den Wünschen von Fotografen gestalten.

Die Rückansichten der EOS 7D und 5D MKII unterscheiden sich in einigen bemerkenswerten Details

Abgesehen von den Beschriftungen gibt es von vorne gesehen wenige Unterscheidungsmerkmale zwischen der EOS 7D und der 5D MKII. Der 5D fehlt der Knopf mit dem Blitzsymbol – sie hat keinen eingebauten Blitz, sondern setzt auf professionelles Zubehör. Dass der Prismenhöcker dennoch wuchtiger erscheint, liegt am größeren Aufnahme- und Mattscheibenformat.

Im Griffteil der 7D (links) sieht man ein dunkles Oval, den Infrarotsensor für die Fernbedienung RC1 oder RC5. Bei der 5D MKII erkennt man den Sensor auf der geraden Fläche des Kameragehäuses weiter innen neben dem Griffwulst. Rötlich darunter die Signallampe des Selbstauslösers. Bei der 7D weiter oben in weiß eine Leuchte für denselben Zweck, die durch "Vorblendung" den Rote-Augen-Effekt verringern soll.

Aufgefallen ist mir das besonders dezente Spiegel- und Verschlussgeräusch. Die Bedienelemente (Knöpfe und Einstellräder) wurden vergrößert, ein Wunsch von Fotografen, die mit Handschuhen arbeiten müssen. Auch die besondere Abdichtung gegen Umwelteinflüsse wird betont. Im diesmal sehr strengen Winter kam ich mit baumwollenen Fingerhandschuhen jedenfalls gut zurecht.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Gehäuse und Sucher

Verschwunden sind die Schaltknöpfe unter dem rückwärtigen Monitor, die sich gerne von selbst betätigen, wenn man die Kamera am Riemen um den Hals baumeln hat, oder an die man nicht mehr herankommt, wenn sie auf einem größeren, soliden Stativteller montiert ist.

Dem vergrößerten Display auf dem Rücken der EOS 50D fielen die Knöpfchen links zum Opfer und mussten nach unten ausweichen - eine sehr unglückliche Lösung

Das Gehäuse der 7D ist geringfügig kompakter als das der 5D MKII, dabei aber mit 820 g 10 g schwerer als die Vollformatkamera. Zusammen mit dem etwas kantigeren Griff kann das zu der Illusion führen, die 5D MKII wäre samt zugehörigem Kit-Objektiv deutlich leichter, was nicht stimmt, das 24-105 ist wiederum ca. 100 g schwerer als das 15-85 an der 7D. Es ergibt sich für die 5D MKII mit 24-105 als Gesamtgewicht 1480 g, für die 7D mit 15-85 1395 g (1275 mit dem 18-135), jeweils zuzüglich identischem Akku.

Ungewöhnlich ist vor allem der Sucher: Mit einem Vergrößerungsfaktor von 1,0 bei 50 mm und einer Bildabdeckung von 100% setzt er neue Maßstäbe. Dass der Sucher einer Spiegelreflex weniger als 100% des Bildfeldes zeigt, mag ursprünglich einmal den Sinn gehabt haben, dass ein gerahmtes Dia durch die Abdeckung des Rahmens eine gewisse Bildbeschneidung erfuhr. Da der Bildrand ohnehin als Schattenwurf der Aufnahmemaske in der Kamera eine unscharfe Begrenzung hatte und je nach Objektivkonstruktion und Strahlengang das belichtete Bildfeld etwas größer oder kleiner ausfallen konnte, war dies durchaus sinnvoll.

Diese Montage zeigt die relativen Sucherbildgrößen von EOS 500D, 50D, 7D und 5D MK II sowie die Sucherbildabdeckung. Der nicht sichtbare Bereich wird durch den grauen Rahmen abgedeckt.

Bei Digitalkameras erfasst der Sensor eine absolute Bildfeldgröße, wenn man von den "effektiven Pixeln" ausgeht. Die etwas größere Zahlenangabe von Bruttopixeln bezieht Randpixel ein, die für Hilfszwecke wie die Berechnung von JPEG-Daten am Bildfeldrand verwendet werden, bei manchen Kameras anderer Hersteller auch zur elektronischen Bildstabilisierung durch Verschieben des Sensors. Nun hat man sich bei einer Amateurkamera vielleicht schon daran gewöhnt, dass knapp angeschnittene Bilddetails vermutlich doch ganz ins Bild kommen oder dass man das Bild etwas beschneiden muss, wenn man exakt den Sucherausschnitt im ausgearbeiteten Foto haben will. Letztlich erschwert das nur eine genaue Bildkomposition, da muss und kann man nun mit der EOS 7D umdenken: Sie fotografieren genau das, was Sie sehen.

Früher mussten sich vor allem die Einsteigermodelle von Canon den abfälligen Vorwurf eines Tunnelblicks durch den Sucher gefallen lassen. Canon hat in den letzten Jahren den Vergrößerungsfaktor sukkzessive erhöht, von anfangs bescheidenen 0,8 bei der EOS 300D auf nun schon 0,87-fach bei der 500D, während die "zweistelligen" Modelle statt der billigeren, aber auch dunkleren Pentaspiegelsucher echte Glasprismen mit hellerem Bild und einer Vergrößerung von 0,95 bei der 50D verwendeten. Bei der 5D MKII ist der Vergrößerungsfaktor deutlich kleiner, dennoch erscheint das Sucherbild größer, weil das Bildformat selbst größer ist. Allerdings ist der Sicht-Unterschied zur 7D nur noch gering.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Handhabung

Die Einsteigerkameras (1000D, 500D) haben eine feststehende Einstellscheibe im Sucher. Aufgrund des kleinen Formates und der dunkleren, billigen Pentaspiegel-Prismen statt echter Glasprismen versuchten die Hersteller, durch schwächer mattierte Einstellscheiben das Sucherbild heller zu halten - mit der Folge, dass man die Schärfenlage weniger präzise erkennen kann. Bei Kameras der gehobenen Klassen (inklusive 50D, 5D) ist es üblich, dass man die Einstellscheibe (Mattscheibe) im Sucher auswechseln kann, beispielsweise gegen solche mit Gitter oder Scharfstellhilfen für das manuelle Fokussieren von Objektiven, oder eine besser mattierte Scheibe, die zwar dunkler, aber besser für die manuelle Fokussierung geeignet ist.

Bei der 7D wurde dies durch das Konzept wahlweise einblendbarer Gitter und sogar einer Art künstlichem Horizont (oder Wasserwaage für horizontales Kippen und Neigung der optischen Achse nach oben oder unten) ersetzt, um beispielsweise die exakte Ausrichtung des Bildes zu erleichtern. Bei Produkt- oder Architekturaufnahmen kann das sehr hilfreich sein, und wenn es bei Portrait- oder Landschaftsfotografie stört, schaltet man es kurzerhand ab. In der Livebildvorschau kann man außerdem zwischen der Einblendung eines gröberen oder feineren Gitters wählen. Manche Fotografen würden sich dennoch wünschen, dass man die Scheibe zum Beispiel gegen eine mit Schnittbildindikator wechseln könnte – bestimmte Nikon-Modelle können das trotz des einblendbaren Gitters.

Wie auch beispielsweise bei der Nikon D200 wird das Bild erst hell, wenn man einen geladenen Akku einsetzt. Das hat mit der LCD-Technik der Gittereinblendung zu tun. Letzten Endes bleibt das Sucherbild einer Vollformatkamera unerreicht, erst mit diesem taucht man beim Blick durchs Okular so richtig in sein fotografisches Motiv ein.

Ein sehr erfreuliches Detail: die Über-/Unterbelichtungsanzeige im Sucher bei manueller Belichtungsmessung hat eine erweiterte Skala von +/-3 EV (anstatt der bei den Amateurmodellen und auch der 50D und 5D MK II üblichen +/- 2 EV, hier war Canon gegenüber Nikon bisher sehr knauserig). Außerdem wird die ISO-Einstellung und der Batterieladezustand angezeigt. Bei der Belichtungsmessung hat man die reichhaltige Auswahl zwischen Mehrfeldmessung, Selektivmessung, Spotmessung (noch engeres Messfeld) und mittenbetonter Integralmessung.

Blick von hinten oben mit Details der Einstellräder (links 7D, rechts 5D Mk. II)

Die Kamera liegt außerordentlich gut in der (durchschnittlichen Männer-)Hand, der Griffbereich ist mit einem weichen profilierten Material verkleidet. Bei der 7D werden die Klappen für den Karteneinschub und den Akku von einer Feder aufgedrückt und offengehalten, wenn man sie entriegelt hat, bei anderen Modellen fallen sie ggf. der Schwerkraft folgend wieder zu, wenn man die Kamera ungünstig hält, und sind dem Tausch im Wege. Gewünscht hätte ich mir eine Möglichkeit, die Aktivitätsdauer der Belichtungsmessung einstellen zu können, wie zum Beispiel die Rückschauzeit eines eben aufgenommenen Fotos.

Das Wahlrad für die Aufnahmebetriebsarten kennt die bei Amateurmodellen üblichen Einstellungen für Portrait, Landschaften, Sport etc. nicht, wohl aber den "Grünen Modus" (Vollautomatik). Dafür gibt es neben M (manuelle Einstellung von Zeit und Blende), Av (Blendenvorwahl), Tv (Zeitvorwahl), P (Programmautomatik) CA (Kreativ-Automatik) und B (für Dauerbelichtung, auch per Kabel- bzw. Fernauslöser) noch drei benutzerdefinierte Voreinstellungen. Hier kann man sich seine eigenen Kombinationen spezieller Betriebsarten programmieren. Der Ein-/Ausschalter befindet sich, wie bei der 500D, unter dem Betriebsartenrad, und nicht unten rechts am Gehäuse wie bei anderen Profimodellen.

Die 5D hat den klassischen zweistufigen Powerschalter rechts unten: In der ersten Stufe wird die Kamera eingeschaltet, aber das Daumenrad bleibt ohne Funktion. Erst in der zweiten Stufe wird das rückwärtige große Daumenrad oder Schnellwahlrad für die Einstellung der Blende bei manueller Belichtung aktiviert. Die 7D hat diese Funktion der Blockade oder Freigabe des Daumenrades auf einen eigenen Schalter "Lock" rechts unterhalb des Daumenrades gelegt.

Oben auf der Kamera gibt es weiterhin ein passives LCD mit einschaltbarer Hintergrundbeleuchtung, das permanent diverse Einstellungen anzeigt: Zeit, Blende, verfügbare Aufnahmen auf der Speicherkarte, ISO, Aufzeichnungsformat (RAW oder JPG), Akkuladezustand, Weißabgleichseinstellung, Aufnahmemodus wie Einzel- oder Serienaufnahme, Belichtungswaage.

An der Rückseite fällt nach einigen ärgerlichen Erfahrungen mit anderen Modellen (50D, 40D) auf, dass sich keine Tasten unterhalb des 3-Zoll-Displays befinden: Die betätigen sich da nämlich gerne von selbst, wenn man die Kamera vor der Brust baumeln hat. Stattdessen sind links vom Display aufgereiht: Menu, Bildstil auswählen, Info(rmationsübersicht), Anzeige aufgenommener Fotos, Papierkorb. Rechts vom Display gibt es das für anspruchsvolle Modelle obligatorische Daumenrad, mit dem man die Blende einstellt (für die Zeitverstellung dient das obere Haupwahlrad direkt hinter dem Auslöser). Wahlweise kann man die Zuordnung der Zeit- und Blendeneinstellung umkehren.

Direkt rechts vom Sucher hat die EOS 7D eine Taste zum Starten und Stoppen einer Videoaufnahme, die mit einem Umschalter für die Betriebsarten versehen ist. Bei Standaufnahmen schaltet man damit zwischen Liveview und Sucherbetrieb um.

Die Druck-Taste auf der Rückseite links oben hat jetzt die besondere Funktion, alternativ zur Voreinstellung zusätzlich das Erzeugen von JPEG oder Raw-Format ein oder wieder auszuschalten, also RAW + JPEG statt nur JPEG oder nur RAW – angeblich ein dringender Wunsch vieler Fotografen. Dafür gibt es nach wie vor keine Möglichkeit, die Vorauslösung des Spiegels auf eine Taste zu legen.

Eine sehr hübsche Neuerung ist der Q-Button ganz links oben auf der Kamerarückseite. Damit kann man in der Anzeige diverser Voreinstellungen per Navigationsknopf (rechts unter dem Sucher) eine Anzeige vorwählen und in dieser dann per Einstellrädern die verschiedenen Optionen auswählen, beispielsweise zu Messarten, Weißabgleichsverfahren, ISO usw.

Zum Verarbeiten des Raw-Formates der 7D braucht man mindestens die Version 5.6 von Adobes Camera RAW (ACR, kann in Lightroom 2.6 oder CS 4 aktualisiert werden) oder die aktuelle Version von Canons Digital Photo Professional 3.7.2.0 (DPP, im Lieferumfang der Kamera). DPP hat den Vorzug, dass es die Canon-Objektive, namentlich die Kit-Objektive EFS 15-85/4,0 IS USM respektive EFS 18-135/3,5-5,6 IS, kennt und deren – vor allem am weitwinkligen Ende – recht beträchtliche Verzeichnungen auf Wunsch automatisch herausrechnet. Auch chromatische Aberrationen (Farbsäume) kann DPP automatisch nahezu vollständig entfernen.

Lesen Sie weiter auf Seite 4: Kit-Objektive

Mit den höherwertigen Kameramodellen gehen gerne auch neue Kit-Objektive einher. Das EF-S 18-135 ist ein "normales" Kit-Objektiv mit konventionellem Antrieb, aber etwas erweitertem Brennweitenbereich (entspricht bei KB ca. 29-216 mm) und Bildstabilisator. Es ist mit einem Aufpreis von ca. 250 Euro im Kit einigermaßen günstig und liegt so zwischen den Standard-Linsen mit 18-55 mm und den Superzooms, die Qualität ist moderat. Für den Einsteiger bietet es einen einigermaßen attraktiven Brennweitenbereich, aber die enorme Auflösung der Kamera mit 18 Megapixeln vermag es nicht überzeugend auszunutzen.

Von links nach rechts: EFS 18-135 1:3,5-5,6, EFS 15-85 mm 1:3,5-5,6 IS USM (beide wahlweise zur 7D), EF 24-105 1:4 IS UMS zur 5D MKII. Nur das letztere wird mit Gegenlichtblende geliefert.

Die tonnenförmige Verzeichnung des EF-S 18-135 ist bei 18 mm sehr stark und von Hand schwer völlig wegzukorrigieren, bei 24 mm ist das Bild fast perfekt verzerrungsfrei (sehr geringe Kissenverzeichnung), bei 35 mm tritt eine deutlichere Kissenverzeichnung auf, die bei 45 mm wieder etwas zurückgeht. Bei 50 mm ist die Kissenverzeichnung noch merklich, um dann bei 85 mm und 135 mm wieder etwas abzunehmen. DPP rechnet das alles perfekt weg. Das Objektiv ist praktisch nur mit Autofokus verwendbar, da die manuelle Schärfeeinstellung, für die man den AF-Antrieb abschalten muss, viel zu grob ist.

Mir erschien das EF-S 15-85 USM (550 Euro Aufpreis) deutlich attraktiver und von Anfang an sympathisch. Es fängt mit einem sehr attraktiven Weitwinkelbereich an und geht im langen Bereich über den klassischen Portraitbrennweitenbereich hinaus bis in den leichten Telebereich hinein (KB-Entsprechung 24-136 mm). Es bietet eine hervorragende manuelle Fokussierung durch den untersetzten Antrieb des USM über Drehring, wobei man den AF nicht zwangsläufig abschalten muss (im Gegensatz zum oben erwähnten 18-135). Leider zeigt auch dieses Objektiv im äußersten Weitwinkelbereich eine recht drastische Tonnenverzeichnung, die dann bei 24 mm in eine erst mäßige, bei 35 recht deutliche und bei 44 mm wieder abnehmende Kissenverzeichnung umschlägt. Oberhalb 50 mm bleibt die Kissenverzeichnung relativ gering, ist aber weiterhin bei Aufnahmen von Architektur spürbar und wechselnd. DPP rückt auch hier alles wieder gerade, aber mit anderen Raw-Konvertern wird man daran zu knabbern haben.

Etwas enttäuschend ist die ab etwa 60 mm Real-Brennweite auf f/5,6 reduzierte Lichtstärke. Als hochwertige Alternative aus dem Hause Canon bietet sich das hervorragende EF-S 17-55/2,8 IS USM an: Der Brennweitenbereich ist geringer, dafür bietet es eine hohe und konstante Lichtstärke und ausgezeichnete Abbildungseigenschaften. Das hat freilich seinen Preis von ca. 920 Euro. Nach unten kann man es um das EFS 10-22/3,5-4,5 USM ergänzen (720 Euro), nach oben um eines der 70-200er in 4,0 oder gar 2,8. Teuer, gewiss, aber was will man mit einer so hochauflösenden Kamera und Objektiven, die deren Potential gar nicht auszunutzen vermögen? Ein ausführlicherer Testbericht zu den Objektiven (auch zu den Korrekturen mit DPP) soll folgen, der auch auf Bildstabilisierung, Schärfe und chromatische Aberration detaillierter eingeht.

Lesen Sie weiter auf Seite 5: Videofunktion, Bildbewertung

Wie auch die 500D und die 5D MKII kann die 7D Videos aufnehmen. Für Videoaufnahmen, insbesondere ruhige Schwenks, verwendet man am besten ein Stativ und ersetzt den Kugelkopf durch einen einigermaßen professionellen Videoneiger mit langem Schwenkhebel und gedämpften Neigefriktionen. Die Kamera wird darauf wie eine Videokamera mit einer Schnellwechselplatte befestigt und ist ohne langes Schrauben in Nullkommanichts zu montieren oder für Freihandaufnahmen wieder abzunehmen.

Videoaufnahmen gelingen am besten mit einem richtigen Videoneige- und Schwenkkopf.

Üben muss man Schwenks trotzdem erst einmal: Mit Stillstand anfangen, langsam schwenken, dann wieder mit Stillstand ausklingen lassen. Immerhin kann man das Bild auf dem rückwärtigen Display während der Aufnahme mitverfolgen – der Sucher bleibt ja wegen des dauerhaft hochgeklappten Spiegels dunkel. Da ist eine "richtige" Videokamera unter Umständen doch praktischer.

Um zu ermessen, was die 18 Megapixel beim Cropformat auflösungsmäßig für Objektive bedeuten, muss man diese mit dem Quadrat des Formatfaktors 1,6² = 2,56 auf das Vollformat hochrechnen: 18 x 2,56 ergibt aberwitzige 46 Megapixel! Wenn man an der 7D Objektive verwendet, die für Kleinbild gerechnet sind und dann 100%-Ausschnitte auf "Pixelebene" betrachtet, so entspricht das dem, was man dem Objektiv an Schärfe abverlangt. Allerdings beschränkt auf den inneren Abbildungsbereich, in dem die Schärfe und andere Eigenschaften in der Regel besser sind als am Rand des Bildkreises

Die EF-S-Objektive brauchen an der 7D zwar nur einen kleineren Bildkreis auszuleuchten, sehen sich aber derselben enormen Auflösungsanforderung von 5184 x 3456 Pixeln (etwa 2592 x 1728 Linien oder ca. 116 Linien pro Millimeter) gegenüber. Bei den "Wendelstein"-Testbildern (siehe Bilderstrecke) sind bei einer Brennweite von ca. 100 mm einige der feinen Strukturen wie Antennenmasten nur noch ein bis drei Pixel breit - aber im Idealfall dennoch sichtbar und auf den Aufnahmen einigermaßen scharf begrenzt. Ein interessantes Maß ist zudem bei mehrfacher Vergrößerung (300% bis 400%) die Kantenschärfe etwa der Bergflanke auf den Wendelsteinaufnahmen, jeweils bei Blende 8, mit verschiedenen Objektiven.

Canon EOS 7D mit verschiedenen Objektiven (9 Bilder)

EF 100/2,8 Macro

EF 100/2,8 Macro, Blende 8, gesamtes Bild und eingeblendet der Ausschnitt mit der Seilbahnstation rechts in 100%.

Unter diesen Gesichtspunkten ist das eigentlich als gut und scharf angesehene Tamron 28-75mm/2,8 (Vollformat) überfordert: Auf Pixelebene ergibt sich auch bei Blende 8 ein deutlich unscharfes Bild. Wesentlich besser schlägt sich das Tamron 17-50mm/2,8, das ja für DX und APS-C gerechnet ist. Bemerkenswert gut schlagen sich die Canon-Vollformat-Objektive EF 70-200/4,0L und das Makroobjektiv EF 100/2,8 (jeweils bei Blende 8). Erstaunlicherweise liefern auch die beiden Kit-Objektive EF-S 15-85 bei 85mm f/8 und das EF-S 18-135 bei 135mm f/8 noch eine gute Auflösung der Strukturen, allerdings auch deutliche Farbsäume. Dabei haben die Einstellungen der Raw-Konverter, insbesondere für die Scharfzeichnung, den Kontrast und die Korrektur der chromatischen Aberration, auf dieser "Pixelebene" einen enormen Einfluss auf den Schärfeeindruck.

Das erste Bild in der Bildstrecke oben zeigt die Gesamtaufnahme (5184 x 3456 Pixel) mit dem 100-mm-Makro verkleinert auf 1254 x 836 Pixel und eingeblendet in 100% (pixelgenau) den Bereich zwischen den beiden Seitengipfeln rechts mit der Bergstation der Seilbahn, aus dem die folgenden mehrfach vergrößerten Ausschnitte stammen. Die Gesamtaufnahme wirkt blitzscharf, der 100%-Ausschnitt etwas weich, aber sehr detailreich.

Verglichen mit Aufnahmen der 15-Megapixel-Kamera EOS 50D und dem EF 70-200 zeigen die Fotos der 7D tatsächlich deutlich mehr Details und wirken bei extremer Vergrößerung glatter und rauschärmer. Ein Gewinn an Bildqualität ist also nicht abzustreiten, erfordert aber wirklich hochwertige und nicht ganz billige Objektive. Leider wachsen aber auch die Dateigrößen, und auf Rechnern, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben, erfordert die Raw-Konvertierung einige Geduld.

Lesen Sie weiter auf Seite 5: Fazit

Als die Kamera Anfang Dezember zum Test eintraf, gab es von Adobe erst eine Betaversion des passenden RAW-Konverters, die aber inzwischen durch eine Final Release abgelöst wurde (ACR 5.6). Strichprobenweise Neukonvertierung von Aufnahmen aus einer ISO-Testreihe ergaben keine sichtbaren Unterschiede.

Eine Eigentümlichkeit: In ACR werden bei sehr hohen ISO-Werten die dunklen Töne nach Blau oder Purpur verfälscht und weniger Nuancen aufgelöst als im Vergleich zu DPP. Letzteres Programm zeigt nur eine schwache "Verblauung" der dunklen Töne und eine bessere Farb- und Tonwertauflösung in den Schatten. ACR neigt zudem in der Standardeinstellung zu mehr Kontrast und höherer Farbsättigung. Bis ISO 1600 ist von den Farbverschiebungen kaum etwas zu bemerken, ab etwa ISO 3200 werden sie zunehmend auffälliger. In DPP sind sie bis ISO 12800 wesentlich geringer. Vor allem bei der Konvertierung mit DPP ist auch die höchste Empfindlichkeitsstufe mit gewissen Abstrichen durchaus brauchbar und bis ISO 3200 fast unbedenklich, wenn man die Bilder nicht zu stark vergrößert.

Bei einer Vergrößerung auf 50% Pixeldarstellung ist das Rauschen bei ISO 1600 noch dezent, aber sichtbar, um dann mit jeder Stufe etwas zuzunehmen (bei ACR deutlich aggressiver, was aber auch auf den härteren Kontrast zurückgeht). Bei ISO 6400 ist auch schon deutliches und relativ grobes Farbrauschen zu sehen. Je nach Zweck und zusätzlicher Nachbearbeitung sind aber alle Empfindlichkeitsstufen fotografisch brauchbar, und wenn man es mit dem vergleicht, was früher mit Film in SW, geschweige denn in Farbe, möglich war, sogar sehr gut (da war das Ende der Fahnenstange schon in der Gegend um ISO 800 bis ISO 1600 erreicht).

Erstaunlicherweise sind die Ergebnisse bis ISO 12800 bei der 7D deutlich besser als bei der 5D MKII, und ISO 25600 bei der 5D MKII kann man nicht mehr als wirklich brauchbar bezeichnen – außer vielleicht für experimentelle Zwecke. Auch hier liegt der hauseigene Konverter DPP zu Grunde. Mit ACR fallen die Ergebnisse härter aus, und der Purpurstich in den Schatten wird noch krasser. Die Farbwiedergabe ist insgesamt bei normalen Motiven ausgewogen. Erste Eindrücke lassen vermuten, dass die 5D MKII mit sehr kräftigen Farben besser umzugehen weiß.

Mit der EOS 7D hat Canon bewiesen, dass auch über die viel gelobte EOS 5D MKII hinaus aus der Sensortechnik noch mehr an Extremwerten herauszuholen war. Und man kann die 7D guten Gewissens als herausragende Kamera empfehlen: sie ist eindeutig ein Gewinn gegenüber der 50D, da gibt es nichts zu deuteln. Das macht sich nur zum Teil an der höheren Auflösung fest, eher an der Ergonomie und der Qualität des Suchers. Andererseits muss man gegenüber der 5D MKII deutliche Abstriche machen. Das Kamerakonzept der 7D ist zwar gegenüber der 5D Mk. II weiterentwickelt, aber eine Crop-Kamera ist eben keine Vollformat-Kamera. (cm)