Ericsson-CEO gegen Ausschluss von Huawei: "Wettbewerb ist wichtig"

In einem Gespräch mit der Financial Times positioniert sich Ericsson-Chef Borje Ekholm klar gegen einen Ausschluss seines schärfsten Konkurrenten.

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Ericsson-CEO Borje Ekholm.

(Bild: Ericsson)

Von
  • Volker Briegleb

Ericsson-CEO Borje Ekholm hat den geplanten Ausschluss des Konkurrenten Huawei vom 5G-Ausbau in Schweden scharf kritisiert. "Ericsson und Schweden wurden mit freiem Handel aufgebaut", sagte Ekholm der Financial Times. "Meiner Ansicht nach ist es wichtig, dass wir offene Märkte und freien Wettbewerb haben." Der Ausschluss eines Anbieters führe nur zu Verzögerungen beim Ausbau.

Der CEO des Ausrüsters kritisierte die Entscheidung der Regulierungsbehörde, Huawei in den Vergabebedingungen für 5G-Frequenzen vom Ausbau der schwedischen Netze auszuschließen, Ekholm begrüßte die Entscheidung des Stockholmer Verwaltungsgerichts, den Ausschluss vorerst auszusetzen und zu überprüfen. "Es ist wichtig, das solche Entscheidungen überprüft werden", sagte Ekholm der Zeitung.

Der Ericsson-CEO kritisierte die schwedische Auslegung des EU-Rahmenwerks für Netzsicherheit. Mit der Ende Januar vorgestellten "Toolbox" hatte die EU den Mitgliedsländern Empfehlungen an die Hand gegeben und die Tür für Huawei offen gelassen. "Ich denke, das ist ein gutes Regelwerk", sagte Ekholm. Doch habe die schwedische Regierung offenbar ihre "eigene Interpretation".

Ekholm warnte, dass Verzögerungen beim 5G-Ausbau die Europäer erneut zurückwerfen könnten, und erinnerte an die Erfahrungen bei LTE. "Denken Sie an 4G: während wir in Europa über die Killer-Anwendung debattierten, haben die Amerikaner und Chinesen schnell ausgebaut – und der Markt für Apps wird nun von amerikanischen und chinesischen Unternehmen dominiert."

Das Verwaltungsgericht Stockholm hatte den Ausschluss Huaweis von der Auktion der 5G-Frequenzen in Schweden in der vergangenen Woche vorübergehend für ungültig erklärt, nachdem Huawei geklagt hatte. Die Regulierungsbehörde PTS hatte daraufhin den Beginn der Frequenzversteigerung kurzfristig abgesagt.

Huawei ist Ericssons schärfster Konkurrent auf dem Markt für Netzinfrastruktur. "Ich gehöre zu der Kategorie Mensch, die überzeugt ist, dass Wettbewerb uns langfristig zu einem besseren Unternehmen macht", sagte Ekholm. "Es mag auf kurze Sicht schmerzvoll sein, aber langfristig treibt es uns zu mehr Innovationen und besseren Produkten für unsere Kunden."

Zu diesen Kunden zählen auch die drei größten chinesischen Netzbetreiber. Man darf damit rechnen, dass China auf einen Ausschluss von Huawei aus europäischen Netzen reagieren wird. Beobachter gehen deshalb davon aus, dass Ericsson mit der klaren Positionierung des CEOs auch das Geschäft in China schützen will.

Huawei begrüßte Ekholms deutliche Positionierung: "Huawei ist der festen Überzeugung, dass im Zeitalter globaler Lieferketten nur durch Standardisierung, Zertifizierung und Verifizierung aller eingesetzten Technologien, jeweils auf Basis transparenter Kriterien, das Sicherheitsniveau unserer Netze erhöht werden kann und dass es dazu einer globalen Anstrengung und der konstruktiven Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure bedarf."

Die chinesischen Ausrüster Huawei und ZTE sind umstritten, auch weil die US-Regierung massiv auf einen Verzicht drängt. Washington wirft den Ausrüstern vor, zu enge Kontakte zum chinesischen Militär und der kommunistischen Partei Chinas zu pflegen. Das nehmen auch andere Länder als Sicherheitsrisiko wahr. Huawei weist die Vorwürfe stets zurück. Ein möglicher Ausschluss wird dennoch auch in Deutschland kontrovers diskutiert.

(vbr)