Mehrheit gegen Koalitions-Plan für begleitetes Autofahren ab 16

Einer bundesweiten Umfrage zufolge befürwortet jeder Dritte das begleitete Autofahren ab 16, die Hälfte lehnt es ab. Elektroautofahrer sind eher dafür.

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(Bild: ACE/Fotalia)

Von
  • Florian Pillau

Der Führerschein ab 16 wird einer Umfrage zufolge von einer Mehrheit abgelehnt. In einer bundesweiten Umfrage von YouGov Deutschland im Auftrag des Versicherungskonzerns HUK sprachen sich 54 Prozent der Befragten über 16 Jahren gegen den Plan der Ampelkoalition aus, schon mit 16 Jahren die Prüfung zum Auto-Führerschein und anschließend das begleitete Fahren zu erlauben. Mit 34 Prozent spricht sich jeder Dritte dafür aus. Die HUK sieht jetzt noch Informationsbedarf.

Bei genauerem Hinsehen gehen die Einschätzungen auseinander. So hängt die Zustimmung von der eigenen Fahrleistung ab: Je höher sie liegt, desto positiver schätzen Befragte den Regierungsplan ein. Ab einer Jahreskilometerleistung von 20.000 befürwortet ihn die Mehrheit, sie sind zu 50 Prozent pro und nur noch zu 44 Prozent contra Führerscheinprüfung mit 16 Jahren eingestellt.

Die Antriebsart des gefahrenen Autos macht einen ähnlich großen Unterschied. Besitzer von Elektro- oder Hybridautos sind zu 53 Prozent für und nur zu 42 Prozent gegen das begleitete Fahren ab 16, während es Fahrer konventionell motorisierter Autos zu 56 Prozent ablehnen.

Eltern minderjähriger Kinder signalisieren zu jeweils 45 Prozent Zustimmung und Ablehnung. 16- bis 24-jährige haben weniger große Probleme mit der Vorstellung von 16-Jährigen am Steuer, sie befürworten das mit 45 Prozent, nur 40 Prozent sind dagegen.

Weitere Ergebnisse: Frauen sind um ein Viertel weniger begeistert von einer Fahrprüfung ab 16 als Männer, hier liegt das Verhältnis bei 30 zu 38 Prozent. Nur 31 Prozent der Befragten mit einem Einkommen unter 2000 Euro im Monat finden den Plan richtig, bei einem Einkommen darüber liegt die Zustimmung bei 44 Prozent. Mehrpersonenhaushalte sprechen sich bis zu zwei Drittel stärker für eine frühere Führerscheinprüfung aus als Single-Haushalte.

Dass die HUK Coburg solche Studien in Auftrag gibt, ist Teil ihres Geschäfts, Ende 2020 waren knapp 13 Millionen Fahrzeuge bei der HUK versichert. Sie sagt von sich, dass sie, gemessen am Bestand, Deutschlands größter Autoversicherer sei. Die Ergebnisse stammen aus einer Sonderauswertung der HUK Mobilitätsstudie 2022, für die im Januar und Februar des Jahres bundesweit repräsentativ 4173 Personen ab 16 Jahren befragt wurden.

Das begleitete Fahren ab 17 seit 2004 hat laut HUK bereits zu einer Senkung der Unfallhäufigkeit geführt. Es spreche vieles dafür, das Eintrittsalter um ein weiteres Jahr zu senken, sagt HUK-Vorstand Jörg Rheinländer. "Auch wenn der Führerschein mit 16 noch skeptisch betrachtet wird: Wir begrüßen diese Initiative." Aufklärung soll hier helfen, "es scheint an der Zeit, eine fundierte Diskussion zu starten."

Der ADAC sieht im begleiteten Fahren mit 16 Jahren die Chance, junge Autofahrer noch besser auf die Praxis vorzubereiten. Laut Unfallforschung seien vor allem mangelnde Routine und altersbedingte Verhaltensweisen die Hauptgründe, dass diese Risikogruppe häufiger in Unfälle verwickelt ist als ältere Verkehrsteilnehmer. "Mit dieser Maßnahme kann der Lernzeitraum verdoppelt und das Unfallrisiko der Fahranfängerinnen und Fahranfänger dank der größeren Fahrpraxis weiter reduziert werden", meint ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand.

Zu Beginn des Alleinfahrens überschätzen viele junge Fahrer ihre Fähigkeiten. Der ADAC wünscht sich daher auch ein objektives Feedback über ihr Können und ihre Grenzen am Steuer. Die Bundesanstalt für Straßenwesen schlägt vor, die Probezeit von zwei auf drei Jahre zu verlängern, mit der Möglichkeit, sie durch Weiterbildungsmaßnahmen zu verkürzen.

(fpi)