Ersatzteilmangel: Russische Airlines schlachten Flugzeuge aus

Insider berichten darüber, dass Flugzeuge in Russland als Teilespender verwendet werden, um den Flugbetrieb aufrechterhalten zu können.

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Ein Airbus A350 der russischen Fluglinie Aeroflot.

(Bild: Airbus)

Von
  • Oliver Bünte

Die vom Westen verhängten Sanktionen gegen Russland wegen des Angriffskriegs auf die Ukraine scheinen Wirkung zu zeigen: Russische Airlines, unter anderem die Aeroflot, haben damit begonnen, Flugzeuge zu zerlegen, um an Ersatzteile für ihre Jets zu kommen. Das berichtet Reuters unter Berufung auf Insider am Dienstag. Demnach diene auch ein neuer Airbus A350 als Ersatzteillager, um an die darin eingebaute westliche Technik zu kommen.

Mit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine sanktionierten westliche Staaten auch Ersatzteile für Flugzeuge und führen seitdem keine Wartungsarbeiten mehr an russischen Flugzeugen aus, um so den russischen Luftverkehr zu stören. Denn der Großteil der russischen Passagierflugzeugflotte besteht aus ausländischen Flugzeugen, bei der größten russischen Fluglinie Aeroflot zu etwa 80 Prozent. Russische Flugzeuge enthalten ebenfalls Komponenten aus westlicher Produktion und sind von dem Ersatzteilmangel betroffen. Bereits im Juni empfahl die russische Regierung deshalb, einige Flugzeuge als Ersatzteilspender zu verwenden. So soll sichergestellt sein, dass mindestens zwei von drei ausländischen Flugzeugen bis 2025 weiterfliegen können.

Insider, die anonym bleiben wollen, haben Reuters nun berichtet, dass zwei von der Aeoroflot betriebene Flugzeuge, ein Airbus A350 sowie ein Sukhoi Superjet 100 aus russischer Produktion, demontiert werden. Bei dem Airbus A350 soll es sich um ein "fast nagelneues" Flugzeug handeln. Zudem seien Teile aus verschiedenen Boeing 737 und Airbus A320 ausgebaut worden, um andere Flugzeuge gleicher Typen weiter betreiben zu können. Einige russische Fluggesellschaften fliegen aufgrund der Sanktionen ohnehin weniger Routen. Die dadurch ungenutzten Flugzeuge können daher ebenfalls als Teilespender herhalten, heißt es von Insidern im Reuters-Bericht.

Dass Russland in der Lage ist, bei anhaltenden westlichen Sanktionen über ein Jahr hinaus moderne Flugzeuge in Betrieb zu halten, bezweifeln Experten jedoch. Viele Teile haben nur eine begrenzte Lebensdauer, die protokolliert werden muss. Ist sie abgelaufen, müssen die Flugzeuge am Boden bleiben, wenn sie weltweit fliegen wollen. Betroffen sind vor allem Elektronik und Triebwerke. Ohne Ersatzteile lassen sie sich nicht reparieren und die Flugzeuge wieder fit für den Luftraum machen. Auch die ausgeschlachteten Flugzeuge lassen sich nicht so einfach wieder in Betrieb nehmen. Werden sie wieder flugfähig gemacht, müssen sie für die Weltmärkte erst wieder zugelassen werden.

Die Beschaffung von Flugzeugteile über Drittstaaten wie etwa China oder arabische Staaten ist teuer und schwierig, müssen doch diese Länder befürchten, dann ebenfalls unter Sanktionen zu fallen. Auch das Verschleiern solcher Lieferungen ist weitgehend ausgeschlossen, da die Teile registriert sind und sich damit nachverfolgen lässt, wohin sie geliefert werden.

Nach Angaben der Tagesschau sieht es schon jetzt unter Berufung auf Daten von Flightradar24 für die russische Flugzeugflotte schlecht aus: Allein bei Aeroflot mussten nach Beginn der Sanktionen 15 Prozent der Flugzeuge, etwa 50 Maschinen, am Boden bleiben. Einige davon sind im Ausland liegengeblieben und werden dort nicht repariert werden.

(olb)