Commerzbank findet Apple-Pay-Lösung für Girokonten – mit einem Trick

Dem Geldhaus ist es gelungen, auch Nutzer ohne Visa, Mastercard & Co. in Apples Bezahlsystem einzubinden. Eine echte Girocard ist es aber nicht.

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Apple-Pay-Chefin

Bezahlen mit Apple Pay.

Update
Von
  • Ben Schwan

Apples iPhone- und Apple-Watch-Bezahlsystem Apple Pay ist nach wie vor nur für Besitzer von Kredit- und bestimmten Gutscheinkarten zugänglich – reine Girocards mit Zugriff direkt aufs Bankkonto, wie sie die meisten deutschen Banken ausgeben, können bislang nicht hinterlegt werden.

Die Commerzbank verwendet nun einen Trick, um auch Kunden des Finanzinstituts die Bezahlung per Apple Pay zu ermöglichen, die weder Visa noch Mastercard haben. Sie ist – zumindest laut eigenen Angaben (siehe Update) – die erste Bank mit einer Lösung für die hierzulande weit verbreitete Girocard im Zusammenhang mit dem kontaktlosen Bezahlen über Apples Dienst.

Die Kunden erstellen dafür eine kostenlose "Virtual Debit Mastercard" in der Banking-App der Commerzbank, wie das Kreditinstitut am Donnerstag mitteilte. Diese wird dann zur Wallet – dem digitalen Kartenhalter auf iPhone und Apple Watch – hinzugefügt. Ist die Karte aktiv, kann sie an nahezu allen Zahlstellen eingesetzt werden, die auch Girocards akzeptieren.

Im Gegensatz zur Verwendung von Kreditkarten werden die bezahlten Beträge allerdings direkt auf dem Konto verbucht, wie man dies von der regulären Girocard kennt. Entsprechend ist auch das Handling wie vom Kunden gewohnt, nur dass er nicht mehr zur Karte greifen muss und sein Apple-Gerät am kontaktlosen Bezahlterminal einsetzen kann.

Apple selbst hatte eine Lösung für die Girocard bereits im vergangenen Jahr in Aussicht gestellt, die zuständige Managerin und Apple-Pay-Chefin Jennifer Bailey hatte hier bislang aber noch nicht geliefert. Insbesondere die Sparkassen sind sehr daran interessiert, eine Möglichkeit zu finden, Girocards einzubinden, da viele ihrer Kunden sie verwenden. Bislang müssen sie zu Kreditkarten greifen, wenn sie Apple Pay nutzen wollen.

Google hat für Google Pay einen anderen Weg gefunden, Bankkonten direkt einzubinden: Der Bezahldienst unterstützt auch das Bezahlen über PayPal, bei dem sich Girokonten direkt als Bezahlquelle angeben lassen.

Apple Pay hat aufgrund der sehr fragmentierten Bankenstruktur in Deutschland immer wieder Schwierigkeiten bei der Umsetzung. So kann man z.B. seit kurzem Apple Pay bei den Volks- und Raiffeisenbanken verwenden – nachdem die Nutzer eine kleine Ewigkeit warten mussten – doch Geschäftskundenkarten (Business Cards) wurden einfach "vergessen" und sind nach wie vor nicht einsetzbar. Beschwerden der Geschäftskunden halfen bislang nicht. (mit Material der dpa)

[Update 25.06.20 12:23 Uhr:] Ganz neu ist die Idee der Commerzbank nicht. Die Deutsche Bank bietet schon länger einen ähnlichen Ansatz für ihre Girocard-Kunden an. Auch dort wird mit einer virtuellen Debitkarte gearbeitet, die sofort abbucht. Volksbanken haben ebenfalls eine ähnliche Lösung.

[Update 28.06.20 16:09 Uhr:] Gegenüber Mac & i teilte Mastercard mittlerweile mit, dass die "Virtual Debit Mastercard", die die Commerzbank ausgibt, keineswegs an allen Zahlstellen akzeptiert wird, die Girocards annehmen. "Es ist eine Debit Mastercard, von daher kann sie an allen Stellen akzeptiert werden, die auch Mastercards akzeptieren", so der Konzern. (bsc)