Es regnet Glas und Updates – die Fotonews der Woche 3/2023

Nach den Kameras kommen die Objektive. Viele Objektive. Fuji bringt tolle, aber auch andere, verbuggte Updates, und Adobe rudert bei KI zurück.

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Das neue 20-70mm von Sony - kleiner, leichter, und 4mm kürzer.

(Bild: Sony)

Von
  • Nico Ernst
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Man könnte fast meinen, bei den Großen des Fotogeschäfts sei unsere neue Kolumne schon bekannt, denn sie soll den Blickwinkel erweitern – und prompt werden viele neu vorgestellte Objektive weitwinkliger. Statt dem Standardzoom mit 24-70 Millimetern Brennweite kann man auf Sonys Alphas bald ein 20-70mm schrauben. Das ist kleiner, billiger, aber auch lichtschwächer, statt f/2.8 ist nur f/4.0 geboten. Mit 1.600 Euro ist das aber immer noch keine Hobbylinse, und vermutlich eine Null anhängen darf man dann im Sommer für die Festbrennweite mit 300mm und f/2.8 – ein typisches Sport-Tele für Profis.

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Nikon will erst im Laufe des Jahres 2023 einige neue Objektive für den Z-Mount vorstellen, und da wittert Voigtänder mit seinen Spezialobjektiven natürlich eine Marktlücke. Wer auf Available Light und extremes Bokeh steht, wird vielleicht mit einem 50mm bei f/1.0 glücklich. Und extremes Weitwinkel, bei laut Hersteller geringen Verzerrungen, soll ein 15 mm bei f/4.5 bieten. Beide Geräte sind für manuelles Fokussieren und manuelles Abblenden ausgelegt. Mit aktueller Firmware übermitteln sie die gewählte Blende immerhin an die Kamera, sodass sich etwa eine Zeitautomatik nutzen lässt – aber wer will die schon bei so schön analogem Feeling?

Mit Firmware hatten kürzlich auch Kunden von Fujifilm zu kämpfen. Wird die nämlich über die ohnehin recht träge App "Camera Connect" per Smartphone aktualisiert, kann die Kamera zum "Brick" werden. Sie ist dann funktionslos und muss in die Werkstatt. Korrigierte Updates sollen bald zur Verfügung stehen, bis dahin gilt: Update, wenn nötig, nur per SD-Karte, was bei allen Kameras zu empfehlen ist. Betroffen sind hier XT-5, XT-4, XT-3, X-S10, X-T30 und X-T30 II.

Nötig sind die Updates für viele, denn Kameras sind heute eben auch Softwareprodukte. Das bedeutet nicht, dass sie als Bananenware ausgeliefert werden und beim Kunden reifen sollen. Vielmehr rüsten die Firmen oft nach der Markteinführung Funktionen nach, die wirklich sinnvoll sind und die Nutzungsdauer der Kamera verlängern können. Man denke nur an den verlustfreien Digitalzoom beim Filmen mit der Nikon Z9. Ähnlich handelt wiederum auch Fuji, das bei der X-H2S den Autofokus mit Tracking von bewegten Objekten offenbar auf das Niveau der viel teureren Profiklötze gehoben hat.

Und weil sich heute alles mit "KI" besser verkauft, wird die Mustererkennung aus maschinellem Lernen auch bei Fujifilm so genannt. Überhaupt ist der Autofokus bei Foto und Film einer der Bereiche, wo sich durch bessere Software echte Verbesserungen erzielen lassen, viele Hersteller dürften hier nachziehen. Denn die Prozessoren in den Kameras sind auch ganz ohne KI-Beschleuniger heute so schnell, dass sie zumindest ein bisschen besser tracken können dürften. Vielleicht ergibt sich hier sogar ein Geschäftsfeld für kostenpflichtige Updates, wenn es denn der Kamera wirklich neue oder stark verbesserte Funktionen beibringt.

Ein Update soll es auch bald für die Datenschutzeinstellungen bei Adobes Creative Cloud geben. Das Unternehmen war nämlich in die Kritik geraten, weil die bisherigen Optionen so aussahen, als gäbe es nur ein Opt-Out für die KI-Verarbeitung von Nutzerdaten. Die Befürchtung: Ausgerechnet das Unternehmen, das mit seinem Abomodell quasi alle seiner Nutzer in die Cloud gezwungen hat, will nun aus deren Fotos und Videos eigene computergenerierte Medien erzeugen und verkaufen. Wäre das so, würde man also dafür bezahlen, dass mit der eigenen Arbeit jemand anderes Geld verdient.

Ist aber nicht so, sagt Adobe jetzt. Man muss die Originalquellen, hier Gespräche mit Petapixel und Bloomberg, aber genau lesen. Adobe verspricht nur, dass "Generative KI", also künstliche Intelligenz, die neue Inhalte erstellt, nicht und garantiert bisher gar niemals nicht mit Benutzerdaten betrieben wurde. Dass aus den Medien der Kundschaft überhaupt gelernt wird, verneint Adobe nicht und verweist flugs auf so nützliche Mustererkennungen wie "Ist das ein Hund, oder eine Katze?". Ein plumpes Ablenkungsmanöver, weil das eine Frage ist, die sich bei Menschen, die mit ihrer kreativen Arbeit ihre Brötchen verdienen, nur selten stellen dürfte.

Vielmehr geht es um die Hoheit über die eigenen Inhalte, die im Falle von Bildern bei de facto nicht mehr stattfindenden Urheberrechtsprüfungen auf Plattformen wie Twitter schon verloren scheint. Die Welle an KI-Anwendungen wie Dall-E oder Chat GPT schärft inzwischen auch das Bewusstsein, dass die Arbeit von Kreativen besser geschützt werden muss. Folglich gibt es auch die ersten Klagen, die in den USA aber stets auch auf Schadensersatz ausgerichtet sind. Aufsehen erregte jetzt unter anderem ein angestrengtes Verfahren von drei Künstlerinnen gegen Deviant Art, Midjourney und Stability AI wegen der mutmaßlichen Nutzung eigener Arbeiten mit dem KI-Tool Stable Diffusion.

Das kann aus Texten Bilder generieren und stellt zum Beispiel für Klägerin Karla Ortiz eine recht reale Bedrohung dar, denn sie lebt unter anderem von Concept Art für große Computerspiele. Dabei geht es genau um das, was die Bots auch gut können: Aus der Vision eines Autoren ein Modell in Form eines Bildes zu erschaffen. Wenn also unter anderem das Game Design als Gegner im dritten Level einen 3 Meter großen Ork in Shorts und mit grünen Haaren vorsieht, kann das eine KI mit genügend Trainingsdaten schnell erstellen. Künstlerinnen und Künstler setzen sich dann mit dem Designer zusammen, zeichnen mehrere Entwürfe, bis die Reinzeichnung ansteht. Tagelange Arbeit, die eventuell von den Bilderbots wieder als Vorlage für andere Fantasiefiguren verwendet wird.

Sorgen um die Zukunft ihrer Zunft machen sich auch die Astrofotografen – natürlich wegen der zunehmenden Lichtverschmutzung. Damit ist die Erhellung des Nachthimmels durch künstliche Lichtquellen gemeint. Eine deutsch-amerikanische Forschungskooperation hat nun herausgefunden, dass die Lichtverschmutzung deutlich schneller ansteigt, als es Satelliten bisher messen konnten - denn die gucken ja von oben auf die Erde, Astrofotografen und Astronomen interessiert aber, was man von unten durch die Atmosphäre sieht. Und das wird immer weniger, denn das Ergebnis der Studie ist erschütternd: Alle acht Jahre verdoppelt sich die Helligkeit des Nachthimmels. Oder, wie es Christopher Kyba vom Deutschen Geoforschungszentrum (GFZ) auf den Punkt bringt: "Ein Kind, das jetzt an einem Ort geboren wird, wo nachts 250 Sterne zu sehen sind, würde 18 Jahre später nur noch 100 sehen." Und da helfen dann irgendwann auch keine immer lichtstärkeren Objektive mehr.

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(keh)