Ethereums Weg zu Proof of Stake: Das Ende des Minings verschiebt sich wieder

Eigentlich sollte Ethereum noch im zweiten Quartal 2022 vom stromhungrigen Proof of Work zu sparsamem Proof of Stake umsteigen. Doch das verzögert sich erneut.

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(Bild: Filippo Ronca Cavalcanti/Shutterstock.com)

Von
  • Axel Kannenberg

Die Kryptowährung Ethereum muss wieder einmal ihren Zeitplan für den Umstieg auf das Konsensverfahren Proof of Stake (PoS) ändern. Ursprünglich wollte man noch im zweiten Quartal dieses Jahres Schluss mit Proof of Work (PoW) und dem stromhungrigen Mining machen – doch wie Entwickler Tim Beiko über Twitter mitteilte, werde das nichts mehr im zuletzt angepeilten Juni. Einen Zeitraum könne er nicht nennen, es werde einige Monate später sein. Ethereum sei aber definitiv im letzten Kapitel, was den Wechsel auf Proof of Stake angehe. Die Roadmap vermerkt nun Quartal drei oder vier des Jahres 2022 als Ziel.

Die Entwicklercommunity von Ethereum arbeitet schon seit Jahren an der Umstellung, musste die Roadmap aber wieder und wieder nach hinten verlängern. Mitte März war ein Meilenstein zu vermelden: Die Entwickler hatten ein letztes Testnetzwerk namens Kiln für die Simulation des Übergangs zum neuen Konsensverfahren in Betrieb genommen. Hier sollten vor allem Node-Betreiber, Firmen und Dienstleister die Möglichkeit haben, ihre Infrastruktur zu testen.

Anfang dieser Woche gingen sogenannte Shadow Forks des Mainnets und der Testnetze live – im Grunde sind das Chain-Abspaltungen von einer Haupt-Chain, die mit wenigen Nodes betrieben werden und als Testumgebungen dienen. Damit wolle man bisherige Annahmen einem Stresstest unterziehen, erklärte der Entwickler Parithosh Jayanthi. Beiko zufolge schaffe die Technik realistischere Bedingungen für Erprobungen.

Wie Beiko in einer FAQ auf Github ausführte, hätten die Shadow Forks Probleme in verschiedenen Software-Clients zutage gefördert, für die bereits an Lösungen gearbeitet werde. Sobald alle Clients reibungslos in den Shadow Forks funktionierten, ginge es dann an die Umstellung der bestehenden Testnetze Ropsten, Rinkeby, Goerli und Sepolia. Sofern diese stabil liefen, sei dann das Hauptnetzwerk an der Reihe.

Bei dem als "Difficulty Bomb" oder auch "Ice Age" bezeichneten Mechanismus, wird es laut Beiko wohl wieder auf eine Verschiebung hinauslaufen. Diese Bombe erhöht die Mining-Schwierigkeit binnen einiger Wochen drastisch, um das Schürfen unattraktiv zu machen und so möglichst viele Netzwerkteilnehmende zur PoS-Chain zu bewegen.

Der aktuellen Schaltung nach würde sich laut Beiko die Bombe ab Mai langsam bemerkbar machen und ab August für unerträglich lahme Blockerzeugung sorgen. Denkbar wäre, parallel zur Veröffentlichung von fertigen Clients die Bombe für ein paar Wochen herauszuschieben oder die Verschiebung getrennt vom Fortschritt auf mehrere Monate festzulegen. Entschieden ist das wohl noch nicht.

Ethereums Übergang wird meist als Merge bezeichnet, also Verschmelzung, weil es darum geht, im bestehenden Mainnet den noch mit Proof of Work arbeitenden Ausführungs-Layer mit der Proof of Stake verwendenden Beacon Chain zusammenzuführen. Die Beacon Chain ist seit Ende 2020 in Betrieb. Sie führt einen Konsens-Layer ein, bei dem Blöcke dann nicht mehr durch das rechenintensive Finden von passenden Hashes bestätigt werden. Stattdessen gibt es nun die Rolle des Validierers. Um Validierer zu werden, muss man eine Mindestmenge Ether hinterlegen und einen Full Node betreiben (derzeit 32 Ether); alternativ kann man auch ohne Full Node an einem Validierer-Pool mit weniger Mindesteinlage teilnehmen.

Bestätigen Validierer Blöcke wahrheitsgemäß, erhalten sie als Belohnung Coins – Staking genannt. Senden bösartige Validierer falsche Ergebnisse ins Netzwerk, die andere Teilnehmende nicht bestätigen können, wird der hinterlegte Ether-Anteil reduziert. Aktuellen Daten nach sind bereits über 10 Millionen Ether zum Staking hinterlegt. Die benötigte Energie zum Bestätigen neuer Blöcke in der Blockchain soll dann schlagartig um 99,95 Prozent fallen.

Wenn der Merge tatsächlich erfolgreich sein sollte, steht als nächstes Sharding auf der Roadmap der Entwickler. Dazu soll Ethereum in 64 kleinere Ketten aufgeteilt werden, um die Skalierungsfähigkeit zu verbessern. Das soll auch die Gas genannten Transaktionsgebühren senken, die unter anderem im Zuge des NFT-Hypes enorm anstiegen, mit dessen Erlahmen aber zuletzt auch wieder gefallen sind.

(axk)