Evernote: Neue Abo-Modelle und Funktionen

Evernote führt ab heute eine neue Abo-Stufe ein, ändert die Namen der bisherigen Versionen und bringt ein paar neue Funktionen.

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(Bild: Evernote)

Von
  • Stefan Wischner

Evenote hat am Mittwoch die bereits vor gut zwei Wochen angekündigten neuen Abomodelle eingeführt. Die Änderungen fallen geringer aus, als mancher erwartet haben mag. Die Abo-Stufen haben neue Bezeichnungen erhalten und es kommt eine hochpreisige Stufe hinzu. Außerdem werden einige neue Funktionen eingeführt; die meisten davon sind aufgrund von vorausgegangenen Beta- und Early-Access-Versionen aber vielen Nutzern schon bekannt.

Während die im Januar vorgestellte Übersichtsseite (Home-Dashboard) mit angepinnten Notizen, Schnellzugriffen und Widgets und die erweiterten Aufgabenlisten schon bekannt ist, kommt neu eine Option hinzu, ein oder mehrere (je nach Abo) Google-Kalenderkonten einzubinden, um Termine und Notizen miteinander zu verknüpfen. Andere Kalender wie Outlook/Exchange oder CalDAV werden nicht unterstützt. Die Neuerungen stehen zwar grundsätzlich allen Nutzern zur Verfügung, einzelne Funktionen und Anpassungen hängen jedoch vom Abonnement ab.

Die neuen Abo-Stufen im Einzelnen:

Sonst ändert sich nichts. Die kostenlose Version hat lediglich eine neue Bezeichnung erhalten; das Gerätelimit (maximal zwei inklusive Webbrowser), die Upload-Begrenzung (60 Mbyte monatlich) und die maximale Notizgröße von 25 Mbyte bleiben unverändert. Die Free-Version erlaubt die Nutzung des Dashboards, nicht aber dessen Anpassung. Auch Tasklisten werden unterstützt, jedoch ohne Erinnerungen und Markierungen.

Das bisherige Premium-Abonnement für knapp 7 Euro pro Monat oder rund 60 Euro bei jährlicher Zahlweise wird nur namentlich etwas abgewertet. Es heißt jetzt „Personal“, enthält die neuen Funktionen wie Aufgabenlisten und die Verbindung zu einem einzelnen Google-Kalender und behält alle Premium-Funktionen (zum Beispiel die Suche in PDFs), den Preis und die bisher geltenden Limits (10 GByte Upload/Monat, maximal 200 Mbyte große Notizen). Dashboard und Aufgabenliste bieten zusätzliche Optionen. Laut Hersteller besteht kein Handlungsbedarf für Premium-Nutzer außer einem Update des Clients; die Umstellung erfolgt automatisch.

Oberhalb des Personal-Abos hat Evernote eine weitere Stufe eingeführt: Das „Professional“-Abonnement kostet 8,99 Euro pro Monat oder 89,99 Euro pro Jahr. Zusätzlich zum Funktionsumfang von Evernote Personal bietet es zuweisbare Aufgaben, die Einbindung mehrerer Google-Kalenderkonten, mehr Optionen bei der Dashboard-Anpassung, den PDF-Export von Notizen und eine um Boole’sche Operatoren erweiterte Suchfunktion. Zudem wird eine Anbindung an Slack oder Teams versprochen. Wie die genau aussieht, ist noch nicht klar. Außerdem verdoppelt sich das monatliche Upload-Kontingent auf 20 GByte.

Es steht zu hoffen, dass Evernote künftig nicht in ähnlich penetranter Weise versuchen wird, mit Inline-Werbung Personal-Abonnenten zu einem Professional-Upgrade zu motivieren, wie sie das bisher mit den Nutzern der kostenlosen Basic-Version getan haben.

Die höchste Abo-Stufe, bislang als „Evernote Business“ geführt, bleibt funktionell und preislich ebenfalls unverändert und bekommt lediglich einen neuen Namen. Sie heißt künftig „Evernote Teams“.

Evernote hatte Änderungen am Abo-Modell in einer Mail angekündigt, aber keine Einzelheiten verraten – außer, dass keine Preiserhöhung ansteht. Offenbar hat das Unternehmen aus den teils heftigen Nutzerreaktionen zur deutlichen Preiserhöhung vor gut fünf Jahren und der später folgenden weiteren Beschneidung der kostenlosen Version gelernt.

Die vage Ankündigung hatte bei vielen Nutzern die Hoffnung auf die Rückkehr des 2018 eingestellten Plus-Abos für zuletzt knapp 4 Euro pro Monat (29,99 Euro jährlich) oder einer ähnlich günstigen Zwischenstufe zwischen Free und Personal geweckt. Die Hoffnung wurde leider nicht erfüllt. Wem die Einschränkungen von Evernote Free zu groß sind, dem bleibt weiterhin nur das Personal-Abo (vormals „Premium“).

Auf unsere Nachfrage, ob eine niederpreisige Abostufe zwischen Free und Personal für die Zukunft geplant ist, antwortete das Unternehmen: „Wir denken, dass die Funktionen und Möglichkeiten von Evernote in den vorhandenen vier Aboplänen gut aufgeteilt sind, die Bedürfnisse unserer Kunden gut abdecken und einfach zu verstehen sind“. Übersetzung Marketingsprech-Deutsch: Nein!

Immerhin: Die Regelung für Bestandskunden eines alten Plus-Abos bleibt weiterhin bestehen. Das Abo bleibt also zu den alten Konditionen auf unbestimmte Zeit gültig.

Die Änderungen machen zwei Dinge deutlich: Zum einen will Evernote vom Notiz- und Dokumentensammelprogramm zum Allround-Produktivitätswerkzeug aufsteigen, wenn auch nicht ganz konsequent. So soll das Programm zwar einen einfacheren Aufgabenplaner ersetzen, bietet andererseits aber keine eigene Terminkalender-Funktion, sondern bindet diesen extern ein. An sich nicht verkehrt, wenn auch noch andere Kalenderdienste als nur der von Google unterstützt würden.

Zum anderen hält das kalifornische Unternehmen an seiner Hochpreis-Politik fest und unterstreicht diese durch eine zusätzliche, noch teurere Abo-Stufe sogar. Anstatt mit günstigen und teils kostenlosen Alternativen wie OneNote, Joplin, Obsidian, Notion oder Bear über den Preis zu konkurrieren, versucht man sich mit mehr Funktionalität von diesen abzuheben.

Doch auch, wenn Evernote diesmal tatsächlich nicht die Preise erhöht oder bestehende Abo-Versionen beschnitten hat, dürfte sich bei vielen Nutzern Enttäuschung breitmachen. Hatte man doch nicht nur auf die Rückkehr einer günstigeren Plus-Version gehofft, sondern vor allem auf die längst versprochene Nachlieferung vieler mit der Version 10 weggefallener Funktionen wie zum Beispiel die Ordnerüberwachung.

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(swi)