Exodus bei Projekt für Europas Paypal-Alternative: Auch Volksbanken steigen aus

Nachdem im Januar die Commerzbank bei der European Payment Initiative (EPI) ausstieg, folgen jetzt die Volks- und Raiffeisenbanken und die Hypovereinsbank.

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(Bild: SWKStock/Shutterstock.com)

Von
  • Axel Kannenberg

Eigentlich sollte die European Payment Initiative (EPI) neue Standards für Zahlungsverkehr und ein Gegengewicht zu dominanten US-Firmen schaffen – doch stattdessen macht das Projekt erneut durch Abgänge von Unterstützern Schlagzeilen: Sowohl die DZ Bank, welche die Volks- und Raiffeisen-Banken repräsentierte, als auch die Hypovereinsbank erklärten ihren Rückzug aus dem Projekt.

„Es wurde fachlich hart gearbeitet und um den besten Lösungsansatz für eine nächste gemeinsame Etappe gerungen. Im Ergebnis wurde gleichwohl keine gemeinsame Basis gefunden“, erklärte eine Sprecherin des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken. Deshalb habe man am Dienstag bei Gesprächen der deutschen EPI-Stakeholder erklärt, dass eine Teilnahme nicht möglich sei. Die deutschen Genossenschaftsbanken mit ihren rund 30 Millionen Kundinnen und Kunden stehen für eine erhebliche Marktmacht, das macht ihren Abgang besonders schmerzlich für die EPI.

Seitens der Hypovereinsbank hieß es, dass die EPI zwar die „richtige Idee“ sei, um den europäischen Zahlungsverkehr voranzubringen. „Allerdings hatten bereits zahlreiche Banken aus diversen europäischen Ländern ihren Rückzug erklärt. Die verbliebene Reichweite und relativ hohe Anfangsinvestitionen stehen nicht mehr im Einklang – damit sind wesentliche Voraussetzungen für eine strategische Investition nicht gegeben.“

Die EPI wurde 2020 von Banken und Bezahldienstleistern aus ganz Europa ins Leben gerufen. Das Ziel sind EU-weite Bezahlsysteme auf Basis des europäischen Standards für Echtzeit-Überweisungen ("SCT Inst"). So ist die Rede von einem Kartensystem, das bisherige Insellösungen wie die Girocard ersetzen und mit den US-Kartensystemen konkurrieren können soll, ferner von einem Bezahldienst für den Online-Handel und Wallet-Apps für das Smartphone.

Bislang steht hinter der EPI eine Interimsgesellschaft, Ende März soll bekannt gegeben werden, wer nun definitiv beim Projekt dabei ist. An der Interimsgesellschaft hatten sich 31 europäische Banken sowie zwei Bezahldienstleister beteiligt. Inzwischen haben sich aber einige der Unterstützer abgewandt.

Erst vergangenen Monat hatte sich die Commerzbank aus dem EPI-Projekt zurückgezogen. Aus Deutschland sind damit nur noch die Sparkassen sowie die Deutsche Bank mit an Bord. "Die Sparkassen-Finanzgruppe hat von Beginn an die Idee einer europäischen Initiative für ein gemeinsames Zahlverfahren in Europa unterstützt. Wir stehen weiterhin zu dieser Zielsetzung", bekräftigte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) gegenüber der dpa die Treue zur EPi.

Zuletzt hatte sich laut einem dpa-Bericht dann auch noch die Hoffnung der Branche in Deutschland zerschlagen, die auf rund 1,5 Milliarden Euro veranschlagten Kosten für den Aufbau des europäischen Zahlungssystems zum Teil über staatliche Fördergelder zu decken. Fest hinter dem Projekt stünden in Europa nach Angaben von Teilnehmern die Banken aus Frankreich, Belgien sowie die spanische Großbank Santander. Auch aus dem Handel habe es zuletzt zustimmende Äußerungen gegeben.

Ob das reicht, um die EPI doch noch zu einem Erfolg zu machen, wird sich zeigen. Die europäische Antwort auf die Marktmacht der US-Finanzdienstleister wie Paypal, Mastercard und Visa – sie bleibt vorerst ein großes Fragezeichen.

(axk)