Eyecam: Webcam ahmt menschliches Auge nach

Forschende im Saarland wollen mit einer anthropomorphen Webcam Denkanstöße liefern.

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Eine Eyecam sitzt auf einem Computerdisplay.

(Bild: Marc Teyssier)

Von
  • Andreas Wilkens

Sollte ein technisches Gerät seine Funktion im Design widerspiegeln? Dieser Frage sind Informatiker:innen der Universität des Saarlandes nachgegangen und haben dafür eine Webcam entwickelt, die nicht nur wie ein menschliches Auge aussieht, sondern dessen Bewegungen realitätsgetreu imitiert.

"Das Ziel unseres Projektes ist nicht, ein 'besseres' Design für Webcams zu entwickeln, sondern eine Diskussion anzuregen", sagt Marc Teyssier. Der gebürtige Franzose hat 2020 zum Thema anthropomorphes Design in Paris promoviert. "Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass wir tagtäglich von wahrnehmenden Geräten umgeben sind. Da stellt sich die Frage, was das mit uns macht."

Die Eyecam kann unbewusste Augenbewegungen wie Blinzeln oder Brauenlupfen realitätsgetreu nachahmen. "Es gibt verschiedene Arten des Sehens, die alle ihre ganz eigenen Konnotationen haben, beispielsweise kann man etwas betrachten oder nur erkennen oder aber genau beobachten und ausspionieren", erläutert Marion Koelle aus dem Team. Auch könne die Eyecam durch Mimik nonverbale Signale senden. Diese eröffne eine Interaktionsebene, die es in technischen Geräten bisher nicht gab.

Webcams seien ein potenzielles Risiko für die Privatsphäre. Eyecam übertreibe diesen Aspekt und agiere als Beobachter, indem es den Nutzer mit dem Blick verfolgt. Die Eyecam könne zur Selbstreflexion genutzt werden, indem das künstliche Auge ermüdet und immer wieder zufällt, wenn der Nutzer bis spät in der Nacht vor dem Rechner sitzt. Oder es könnte die Rolle eines Haustieres einnehmen, das einfach da ist, sich ab und an umblickt und erfreut reagiert, wenn der Besitzer den Raum betritt.

Insgesamt geht es der Forschungsgruppe "Human-Computer Interaction" darum, wie die Interaktion zwischen Mensch und Maschine verbessert werden kann. Dabei konzentrieren es sich besonders auf Bedienelemente, die dem menschlichen Körper nachempfunden sind.

(anw)