FMX 2021: Die Effekte in "Godzilla vs. Kong"

Auf der FMX 2021 gaben Hollywoodgrößen Einblicke in ihre Arbeit. Ein Film stach besonders durch Größe heraus: der epische Kampf zwischen Echse und Affe.

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Affe haut Echse. Spoiler: Die Echse haut zurück.

(Bild: "Godzilla vs Kong" 2021 Warner Bros. Pictures and Legendary Pictures)

Von
  • André Kramer

Üblicherweise versammelt die Filmakademie Baden-Württemberg jährlich auf der FMX in Stuttgart das Who-is-Who der internationalen Szene um Animation, visuelle Effekte, Gamedesign und immersive Media. Die FMX 2021 fand im Web statt und verglichen mit vergangenen Jahren standen deutlich weniger effektintensive Blockbuster auf der Agenda. Neben der Disney-Serie "The Mandalorian" stach vor allem eine Produktion heraus: der vierte Film des Hollywood-Remakes der Godzilla-Serie "Godzilla vs. Kong".

Im neuesten Godzillafilm prügelt sich die Atom-Echse mit dem großen Affen. Dafür griffen Kreativteams der Effektstudios MPC, Scanline VFX und Weta digital mehrfach auf vorhandenes Material zurück: Für die Hongkong-Szenen verwendete MPC Stadtmodelle aus dem Film "Ghost in the Shell". Schlüsselelemente wie die violette und blaue Neonbeleuchtung erinnern noch an das ursprüngliche Material.

Für das digitale Modell von Hongkong recycelte MPC 3D-Modelle aus "Ghost in the Shell". Die Farbgebung wirkt ähnlich wie in der Animeverfilmung von 2017.

(Bild: 2021 Warner Bros.)

Das immens große Stadtareal hat MPC in Viertel eingeteilt, um die Modellierung zu vereinfachen, und charakteristische Gebäude von Hongkong ergänzt. Im Laufe der Szene trampeln die Monster die glänzenden Neonwolkenkratzer nieder, die MPC dabei durch unbeleuchtete Trümmerruinen ersetzt. Wie ein Gebäude zusammenfällt, entscheidet mittlerweile eine Physiksimulation – in früheren Jahren war derartiges Zerstörungswerk Handarbeit. Dennoch arbeiteten bei MPC rund 300 Leute acht Monate lang an der Sequenz.

Beim Godzillamodell handelte es sich um dasselbe wie in "Godzilla: King of the Monsters", dem 2019 veröffentlichten vorherigen Film der Reihe. Das Modell von Kong hat ein Team um VFX-Supervisor Bryan Hirota neu modelliert, denn der Gorilla musste älter wirken als im 2017 erschienen Film "Kong: Skull Island", denn dieser spielt im Jahr 1973. "Pate stand der Kong aus Skull Island, allerdings statteten wir ihn mit kräftigeren Armen und Schultern aus", sagt Hirota. "Bodybuilder, Boxer und MMA-Kämpfer, die etwas älter als zu ihrer besten Zeit sind, bildeten die Vorlage für das Modell." Der Arbeitstitel: "old man Kong".

Die Muskeln für den Affen entstanden mit prozeduralen Methoden im Tool Ziva VFX Studio.

(Bild: 2021 Scanline VFX)

Das Tool Ziva VFX Studio half beim Generieren der Muskulatur über einem vereinfachten Skelett. Kongs Fell erzeugte Hirotas Team mit verschiedenen prozeduralen Techniken separat für elf Körperregionen, unter anderem getrennt für die Gliedmaßen, Bauch, Brust und Kopf. Dabei orientierte sich Scanline VFX nicht nur an Gorillahaar, sondern auch an Büffeln und anderen Wildtieren. Viele Szenen spielten sich im Wasser ab. Besonderes Augenmerk lag daher auf unterschiedlichen Graden von nassem Fell.

Skelett und Muskeln werden anschließend mit Haut überzogen. Das Fell des Gorillas entstand separat für elf Körperregionen.

(Bild: 2021 Scanline VFX)

Ein Schauspieler lieh der digitalen Figur anschließend ihre Bewegungen im Motion-Capture-Verfahren. Mit weißen Punkten am Anzug ließen sich verschiedene Arten der Fortbewegung auf den digitalen Affen übertragen. In seinem natürlichen Habitat, dem Dschungel, bewegt er sich oft auf allen Vieren wie ein Gorilla; in Hongkong geht er eher wie ein Mensch auf zwei Beinen oder schwingt sich von Gebäude zu Gebäude. Kong interagiert mit dem Stadtmodell: Beispielweise reißt er die runde Decke eines Wolkenkratzers ab, nutzt die Scheibe als Schild und schleudert sie anschließend als Diskus auf die Echse.

So einschüchternd der haarige Riesenaffe im Kampf mit der Atomkröte wirken soll, so rührend sollen die Szenen mit dem Mädchen rüberkommen, zu dem der Affe eine besondere Beziehung aufgebaut hat. In anderen Einstellungen wirkt er fröhlich oder wütend. So arbeiten unterschiedliche Visual-Effect-Teams an den körperbetonten Kampfszenen und an den emotionalen Charaktersequenzen.

Für die Emotionen zeichnete ein anderes Team verantwortlich als für die Animation des Körpers.

(Bild: 2021 Scanline VFX)

John Des Jardin, Pier Lefebvre und Michael Langford von MPC waren für die Kampfszene in Hongkong verantwortlich. Sie sollte ohne Pause Action zeigen und die Masse der etwa 100 Meter großen Charaktere Godzilla und King Kong auf die Leinwand transportieren.

Godzilla bewegt sich weniger agil als der Affe und eher wie ein Panzer, der die Gebäude niederwalzt. Hier spielt die gigantische Echse ihre schiere Masse aus. Viele Bewegungen hat MPC aus dem Wrestling und der MMA-Szene entlehnt. Schauspieler haben im Studio Kampfsequenzen dafür ausgeführt, die vom Motion-Capture-Team erfasst wurden. Obwohl sie auf Matten und mit gepolsterten Blocks kämpften, zogen sie sich dabei einige Blessuren zu. Die Blocks repräsentierten im Motion-Capture-Kampf die Gebäude.

Ellbow-Checks und Wrestling-Hiebe interagieren bei Kong mit eher affenartigen Bewegungen wie dem typischen Brusttrommeln eines Gorillas, die zwar an das Tiervorbild angelehnt sind, aber von einem Schauspieler ausgeführt wurden. Die erfasste Bewegung wird anschließend so angepasst, dass sie massig wirkt wie bei einem 100 Meter großen Ungetüm. In den actionreichen Szenen geht es in erster Linie um Geschwindigkeit. Die Masse ist in der Animation der Action untergeordnet.

De Kameraführung sollte wie von Drohnenvideos wirken. Realistische Perspektive eines menschlichen Beobachters stand nicht im Vordergrund.

(Bild: 2021 Warner Bros.)

Bei der Kameraführung hat sich MPC in etwa daran orientiert, was Drohnen leisten können. Eine realistische Perspektive eines menschlichen Beobachters darf man daher nicht erwarten. Überhaupt folgte die Produktion dem Prinzip "die beste Idee gewinnt", sagt Pier Lefebvre von MPC Film. Kreativität und eine gute Show standen bei diesem Film im Vordergrund, nicht die realistische Darstellung 100 Meter großer Phantasiewesen. (akr)