FOSDEM 2021: Hundert Server statt überfüllter Räume

Übers Wochenende treffen sich Open-Source-Entwickler aus aller Welt, um sich über ihre Arbeit und ihr Hobby auszutauschen. Diesmal allerdings rein virtuell.

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FOSDEM dieses Jahr ohne Überfüllung und dafür im Browser

(Bild: Fabian A. Scherschel)

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  • Fabian A. Scherschel

Das Free and Open Source Developers' European Meeting (FOSDEM) ist die größte Open-Source-Konferenz in Europa. Bisher fanden sich dafür jedes Jahr im Winter tausende Open-Source-Entwickler in Brüssel ein. Im vergangenen Jahr war FOSDEM eine der letzten großen Konferenzen, bevor der Ausbruch des SARS-CoV-2-Virus alle derartigen Events lahmlegte. Dieses Jahr treffen sich die Entwickler und Open-Source-Fans virtuell in IRC-Kanälen und auf der Messenger-Plattform Matrix. Die Vorträge finden per Videoschalte statt und sind in den eigenen Messenger eingebettet.

Knapp 100 Cloud-Server sorgen laut den Veranstaltern der FOSDEM für einen reibungslosen Ablauf. Und dafür, dass – in der zwanzigjährigen Geschichte der Konferenz wohl einmalig – jeder Vortrag von allen potenziellen Interessenten verfolgt werden kann. Normalerweise ist FOSDEM für die begrenzte Anzahl an Sitzplätzen in den Vortragsräumen und die Überlastung des öffentlichen Nahverkehrs auf dem Weg zum Veranstaltungsgelände berüchtigt. Und natürlich für das schlechte Wetter in Brüssel im Februar.

Aber dieses Jahr ist die FOSDEM anders als sonst. Es gibt zwar annähernd so viele Vorträge wie vergangenes Jahr – insgesamt mehr als 500 Stunden Video-Content, so die Veranstalter – und bis auf die Abwesenheit der Keynotes werden auch die gewohnten Themengebiete abgedeckt. Aber ein gemeinsames Bier-Event in der lautesten und überfülltesten Kneipe Brüssels ist doch was anderes als ein Chatroom im Browser. So eine Konferenz ist eben viel mehr als ihr Vortragsprogramm.

FOSDEM ist für viele Open-Source-Entwickler die einzige Chance im Jahr, die Leute, mit denen sie jeden Tag gemeinsam an ihrem Lieblingsprojekt arbeiten, auch mal persönlich zu treffen. Für viele Entwickler und Open-Source-Fans war die Konferenz in den kalten Räumen einer Brüsseler Universität das Highlight des Jahres.

Nach der zunehmenden Politisierung vergangener Konferenzen scheinen sich die Open-Source-Entwickler auf der FOSDEM dieses Jahr zurück auf die Grundlagen zu besinnen. Vielleicht auch gerade deshalb, weil sich die Umstände der Konferenz um die Vorträge herum so stark verändert haben. In 110 verschiedenen, digitalen Vortragsräumen dreht sich dieses Jahr viel um die grundlegende Open-Source-Technik, die moderne Cloud-Infrastrukturen am Laufen hält. Aber auch um Endbenutzer-Software, Datenbank- und Programmiertechnik und das eine oder andere private Hacking-Projekt. Wie zu erwarten war, gibt es auch eine Reihe Vorträge zu Open-Source-Kollaborationstechniken, Video-Konferenzsystemen und mehrere Beiträge dazu, Schulen mit Open-Source-Software fit für Fernunterricht zu machen.

Die Vorträge sind fast alle vorher aufgezeichnet und auf die richtige Länge zugeschnitten worden, was den straffen Zeitplan der Konferenz begünstigt. Und bisher scheint die Technik mitzuspielen: Sowohl im Browser als auch in einer Reihe Apps auf dem Linux-Desktop funktionieren der Videostream und die dazugehörigen Chaträume der virtuellen Konferenz sehr solide. Eine beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, dass diese Art der Konferenz-Umsetzung für die FOSDEM-Veranstalter gänzlich neu ist. Was wohl auch daran liegt, dass man tatkräftig von der Matrix.org Foundation unterstützt wurde, dessen Open-Source-Messaging-Protokoll FOSDEM im Jahr 2021 in die Arbeitszimmer der Teilnehmer bringt. Dazu braucht man übrigens kein Konto oder gar den Element-Messenger. Jeder kann im Browser einfach Video-Vorträgen und den dazugehörigen Chats ohne Anmeldung folgen. Nur wer sich am Chat beteiligen und den Vortragenden in Q&A-Sessions Fragen stellen will, muss sich ein Matrix-Konto anlegen.

Die 100 Cloud-Server sind auch nur für den Zeitraum der Konferenz gemietet. Die FOSDEM-Veranstalter äußerten schon bei der Begrüßung zur Konferenz die Hoffnung, dass die FOSDEM 2022 wieder wie gewohnt im kalten Brüssel stattfinden kann.

(bme)