FTTH im Süden: GVG Glasfaser könnte Hellofiber-Lücke füllen​

Das Kieler Unternehmen ("nordischnet") überlegt, einige der von Liberty Global nach der Pleite von Hellofiber aufgegebenen Ausbaugebiete zu übernehmen.​

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(Bild: ThomBal / Shutterstock.com)

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Die Kieler Unternehmensgruppe GVG Glasfaser führt Gespräche über einen erweiterten Glasfaserausbau in den Regionen, die vom Rückzug von Liberty Global betroffen sind. Das bestätigte das Unternehmen am Wochenende gegenüber heise online. Demnach prüft GVG Glasfaser die Wirtschaftlichkeit verschiedener Ausbauprojekte und will dann gegebenenfalls Verhandlungen mit den Kommunen und anderen Beteiligten aufnehmen.

"Wir stehen bereits in Kontakt mit der Gigabit Region Stuttgart", erklärt GVG-Geschäftsführer Michael Gotowy. "Aktuell prüfen wir die entsprechenden baden-württembergischen Ausbaugebiete, stellen Wirtschaftlichkeitsberechnungen an und werden im Anschluss mit allen relevanten Beteiligten Gespräche führen."

Die GVG Glasfaser investiert seit 2014 in den Glasfaserausbau und baut ausschließlich FTTH-Anschlüsse für Privatkunden oder gewerbliche Kunden in über 200 Kommunen. Das Unternehmen mit Sitz in Kiel ist bisher vor allem im Norden Deutschlands ("nordischnet") präsent, hat aber als "teranet" auch bereits Projekte in Hessen, Baden-Württemberg und Bayern verwirklicht. Anfang des Jahres konnte sich GVG Glasfaser über den 100.000ten Kunden freuen.

Unter anderem in Baden-Württemberg hatte der US-Riese Liberty Global seine Rückkehr auf den deutschen Markt vorbereitet. Mit der deutschen Tochter Hellofiber wollte das Unternehmen unterversorgte Kommunen in der Region erschließen. Kurz vor Weihnachten 2022 dann das plötzliche Aus: Liberty zieht sich wieder aus Deutschland zurück und schickt die Glasfasertochter in die Insolvenz.

Hellofiber war eine Tochter der Liberty Networks Germany, die zur Hälfte Liberty Global und dem auf Infrastruktur spezialisierten Investor InfraVia Capital Partners gehört. Obwohl im Sommer 2022 in Rudersberg (Raum Stuttgart) schon der erste Spatenstich für ein Glasfasernetz gesetzt wurde, zogen die Eigner zum Jahresende die Reißleine.

Hintergrund sind offenbar die veränderten Erwartungen der Investoren. Von einer "veränderten makroökonomischen Situation" ist die Rede. Nach einer "sorgfältigen Prüfung" der Chancen hätten sich Liberty Global und InfraVia Capital Partners "gegen die Fortführung der nächsten Phase des Projekts entschieden".

Die Lücke, die das kurze Gastspiel von Hellofiber hinterlässt, könnte nun – zumindest teilweise – GVG Glasfaser füllen. Die sind in der Region auch keine Unbekannten: Die Kieler planen und vermarkten neue Glasfasernetze in Gemeinden wie Plüderhausen – nur einen Steinwurf von Rudersberg entfernt. Dabei arbeitet die GVG teils mit der Deutschen Giga Access zusammen.

Das Unternehmen mit inzwischen rund 500 Mitarbeitern legt eigenen Angaben zufolge "großen Wert auf einen qualitativ hochwertigen" Ausbau. "Wir sind bereits seit 2014 auf dem Markt und bauen seitdem konsequent und konstant reine Glasfaser aus", sagt Gotowy.

GVG Glasfaser war Ende 2019 von Palladio Partners übernommen worden, die Infrastrukturinvestitionen für große institutionelle Anleger wie Versorgungswerke, Pensionskassen und Versicherungen verwalten. "Wir sind gekommen, um zu bleiben", sagt Gotowy.

(vbr)