FTX: Immobilienkäufe auf den Bahamas und noch 1,24 Milliarden US-Dollar Cash

Die Insolvenzverwalter haben doch mehr Barmittel bei der havarierten Kryptobörse FTX gefunden als zuerst gedacht. Dazu wurden Käufe von Luxusimmobilien bekannt.

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FTX-Logo hinter Gerichtshammer

(Bild: Sergei Elagin/Shutterstock.com)

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Die insolvente Kryptohandelsplattform FTX verfügt laut einem Gerichtsdokument noch über rund 1,24 Milliarden US-Dollar an Barmitteln. Das seien "wesentlich höhere Barguthaben" als die Insolvenzverwalter bei einer ersten Aufstellung in der vergangenen Woche haben feststellen können. Das Geld verteile sich dabei über verschiedene Tochter- und Schwesterunternehmen innerhalb des havarierten Kryptoimperiums, das im Wesentlichen der 30-jährige US-Amerikaner Sam Bankman-Fried aufgebaut hatte.

Dem stehen laut vorläufiger Aufstellung Schulden von über 10 Milliarden US-Dollar bei über einer Million Kunden und Kundinnen gegenüber. Allein bei den 50 größten Gläubigern beliefen sich die Verbindlichkeiten auf über drei Milliarden US-Dollar. Am 11. November hat FTX Gläubigerschutz in den USA beantragt. Der zuvor noch als Krypto-Wunderkind gefeierte Chef Sam Bankman-Fried nahm seinen Hut.

Der zum neuen Chef bestellte Insolvenz-Spezialist John J. Ray sprach von chaotischen Zuständen in dem Firmenkonglomerat. Noch nie in seiner beruflichen Laufbahn habe er "ein derartiges Versagen der Unternehmenskontrolle und ein derartiges Fehlen vertrauenswürdiger Finanzinformationen erlebt" wie in diesem Fall, sagte Ray.

Immer wieder sickern weitere Details über das Geschäftsgebaren von Bankman-Frieds FTX-Gruppe durch. So soll eine Tochterfirma 19 Immobilien auf den Bahamas, dem Firmensitz von FTX, gekauft haben, wie Reuters berichtet. Der Gesamtwert liege bei rund 121 Millionen US-Dollar. Größtenteils handele es sich dabei um Luxusimmobilien mit Strandblick. Darunter seien auch sieben Eigentumswohnungen für "wichtiges Personal" gewesen, wie Reuters unter Berufung auf Urkunden schreibt.

Bei den Recherchen seien die Reuters-Reporter auch auf ein Haus im Besitz der Eltern von Sam Bankman-Fried gestoßen, deklariert als "Ferienhaus". Angaben, aus welchen Mittel das Haus bezahlt wurde, machten die Eltern nicht. Ein Sprecher der Eltern erklärte Reuters, dass sich beide aber seit der Insolvenzanmeldung um Rückgabe des Hauses an FTX bemüht hätten und noch auf Anweisungen dafür warteten.

FTX war zeitweise einer der größten Kryptowährungs-Handelsplätze der Welt, Anfang des Monats brach das Unternehmen aber innerhalb weniger Tage komplett zusammen. FTX geriet in Zahlungsschwierigkeiten, nachdem Zweifel an den Kapitalreserven zu einer Kundenflucht und Mittelabzügen in Milliardenhöhe geführt hatten. Es besteht unter anderem der Verdacht, dass Konzern-Mitbegründer Sam Bankman-Fried illegal Milliarden-Werte an das verbundene Unternehmen Alameda Research verschoben hat, um Verluste aus Hoch-Risikogeschäften zu stopfen.

Die Ereignisse haben für sichtliche Nervosität auf den Kryptomärkten gesorgt und bereits andere Firmen in die Insolvenz gerissen, zuletzt den in Hongkong beheimateten Börsenbetreiber Eqonex.Besondere Sorgen bereiten Marktbeobachtern gerade der Kryptobroker Genesis und der Kryptowährungsfonds Grayscale Bitcoin Trust, beide zur Digital Currency Group des US-Investors Barry Silbert gehörig.

Genesis ist ein wichtiger Dienstleister für den Kryptowährungshandel und Gegenpartei zahlreicher Akteure der Branche. Wegen 175 Millionen Dollar, die seit dem Auszahlungsstopp bei FTX festhängen, musste die Abteilung für Kryptokredite von Genesis ihrerseits einen Auszahlungsstopp verhängen. Wie die Finanznachrichtenagentur Bloomberg berichtet, könnte das Finanzloch weitaus größer sein: Derzeit versuche Genesis, eine Milliarde US-Dollar frisches Geld von Investoren aufzutreiben – bislang erfolglos. "Wir haben keine Pläne, in Kürze Konkurs anzumelden", ließ ein Sprecher laut Bloomberg verlauten. Man wolle die aktuelle Situation lieber einvernehmlich lösen, ohne einen Konkursantrag zu stellen.

Wohl auch infolge der Unsicherheit um Genesis geraten die Anteile am Grayscale Bitcoin Trust unter Druck, der rund 3,5 Prozent aller Bitcoins hält, wie die Financial Times berichtet. Der 2013 aufgelegte Fonds war eine der ersten Möglichkeiten für Profi-Anleger, in Bitcoins zu investieren, ohne sie direkt halten zu müssen. Inzwischen flüchten offenbar die Investoren und verkaufen Fondsanteile mit Abschlägen von über 40 Prozent zum Wert der vom Fonds gehaltenen Bitcoins.

Auch über die Muttergesellschaft, die Digital Currency Group, sind laut Berichten der Finanzpresse bereits Gerüchte im Umlauf, die die Gesundheit des Unternehmens infrage stellen. Insolvenzen solcher Dickschiffe könnten den ohnehin schon belasteten Kryptowährungsmarkt noch weiter erschüttern.

(axk)