Facebook: Mitarbeiter "streiken" wegen Zuckerbergs Haltung zum Trump-Post

Facebook-Mitarbeiter werfen ihrem Chef Mark Zuckerberg unter anderem mangelndes Rückgrat im Umgang mit dem gewaltverherrlichenden Trump-Post vor.

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(Bild: TY Lim/Shutterstock.com)

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Facebook-Mitarbeiter sind aufgrund des Umgangs Marks Zuckerbergs mit den umstrittenen gewaltverherrlichenden Äußerungen Trumps auf Facebook im Zusammenhang mit den Protesten gegen rassistische Polizeigewalt in den USA am Montag in eine Art virtuellen Streik getreten. Das berichtet die New York Times am Montag. Zuckerberg verteidigt seine Haltung zu den Trump-Posts mit "freier Meinungsäußerung", die auf Facebook nicht beschnitten werden soll.

Nach Angaben der New York Times hätten Facebook-Mitarbeiter einen freien Tag beantragt, um die aktuellen Proteste gegen rassistische Polizeigewalt zu unterstützen. Die E-Mail-Abwesenheitsbenachrichtigungen der Mitarbeiter hätten Hinweise enthalten, dass sie aus Protest nicht arbeiten würden.

Die genaue Anzahl der "Streikenden" ist jedoch unklar. Offenbar ist der Protest innerhalb des Facebook-Konzerns aber hoch: Hunderte von Mitarbeitern sollen Kritik an der Haltung der Führung Facebooks geübt und protestiert haben, heißt es. Dabei seien intern Petitionen gestellt worden, einzelne Mitarbeiter hätten mit Kündigung gedroht. Zusätzlich machten sie ihren Unmut auf Twitter Luft.

"Die hasserfüllte Rhetorik, mit der der US-Präsident zur Gewalt gegen schwarze Demonstranten aufruft, rechtfertigt keine Verteidigung unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit", zitiert die New York Times eine Nachricht eines Facebook-Mitarbeiters aus einem firmeninternen Message-Board, die ihr zugespielt worden war. "Zusammen mit den schwarzen Angestellten im Unternehmen und allen Personen mit moralischem Gewissen fordere ich Mark auf, die Posts des Präsidenten, der sich für Gewalt, Mord und Bedrohung der Schwarzen einsetzt, unverzüglich herunterzunehmen."

Im Mittelpunkt steht dabei ein Tweet von US-Präsident Donald Trump auf Twitter im Rahmen der Proteste gegen Polizeigewalt gegen Afroamerikaner, der auch auf Facebook gespiegelt wurde. Darin schrieb Trump: "when the looting starts, the shooting starts" ("sobald Plünderungen beginnen, wird geschossen"). Dabei handelt es sich um ein historisches Zitat des Polizeichefs von Miami, Walter Headley, aus dem Jahr 1967, als sich die US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung der Afroamerikaner für die Aufhebung der Rassentrennung in den USA einsetzte. Trump soll dieser Zusammenhang nicht bekannt gewesen sein.

Während Twitter den Tweet Trumps als gewaltverherrlichend kennzeichnete, ließ Facebook den Post im eigenen sozialen Netzwerk unkommentiert stehen. Zuckerberg rechtfertigte diesen Schritt damit, dass Facebook für freie Meinungsäußerung stehe. Auch Gewaltverherrlichung sei laut Zuckerberg nicht erkennbar, heißt es in dem Bericht der New York Times. Es handele sich in dem Post Trumps um "staatliche Gewalt", die erlaubt sei. Damit hätte Trump nicht gegen die Regeln von Facebook verstoßen.

Zuckerberg hatte seine Position gegenüber Mitarbeitern in einem Live-Stream dargelegt, nachdem er mit US-Präsident Trump gesprochen hatte. Hunderte Mitarbeiter protestierten dagegen in Kommentaren zu dem Video. Ein Mitarbeiter warf Zuckerberg mangelndes Rückgrat und Führungsschwäche vor. Zudem wurde die Frage laut, ob bei der Entscheidung Zuckerbergs auch Afroamerikaner beteiligt gewesen wären. Eine Umfrage unter den Facebook-Mitarbeitern soll laut New York Times ein klares Bild ergeben haben: Mehr als 1000 Mitarbeiter sprachen sich gegen die Position Zuckerbergs aus, lediglich 19 stimmten ihm zu.

(olb)