Facebook News in Deutschland erhältlich – 35 Verlage machen mit

Als drittes Land weltweit gibt es nun auch in Deutschland ein gesondertes Angebot von Facebook, das dabei mit Verlagen kooperiert.

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Eine Frau vor einem Laptop, die auf ihr Smartphone schaut.

(Bild: Facebook)

Update
Von
  • Andreas Wilkens

Facebook-Nutzende in Deutschland werden in der App zum sozialen Netzwerk in Kürze einen Reiter finden, über den sie journalistische Inhalte von Verlagen sehen können. "Facebook News" heißt das Angebot, an dem sich 35 Verlage mit 100 Medienmarken beteiligen. Heise Medien ist auch dabei.

"Mit Facebook News wollen wir den Menschen auf unserer Plattform mehr Qualitätsjournalismus zur Verfügung stellen und gleichzeitig den Verlagen mehr Monetarisierungsmöglichkeiten bieten", schreibt das Social Network, das auch Axel Springer in seiner Nachrichtenecke unterbringen konnte. Dem Medienkonzern lag bisher wegen des Urheber- und Leistungsschutzrechts mit dem US-Unternehmen über Kreuz.

Neu auf der aktuellen Liste der Kooperationspartner ist unter anderem auch die Südwestdeutsche Medienholding (Süddeutsche Zeitung, Stuttgarter Nachrichten und Stuttgarter Zeitung).

"Facebook News" war im Oktober 2019 in den USA eingeführt worden, Anfang 2021 in Großbritannien. Deutschland ist nun das dritte Land weltweit, in dem Facebook und Verlage in dieser Form kooperieren. Der Dienst wird bei Anwenderinnen und Anwendern in Deutschland im Laufe des Tages erscheinen.

Die Medienhäuser werden dafür bezahlt, dass sie Inhalte verlinken, die bislang nicht auf der Plattform zu sehen waren. Sie müssen aber nicht eigens für Facebook produziert werden. In dem Bereich werden künftig aktuelle Schlagzeilen präsentiert, kuratiert werden sie von Upday, einem Unternehmen, das darauf spezialisiert ist, Nachrichten zu aggregieren. Die dortigen Kuratoren wählen Inhalte nach journalistischen Kriterien aus und werden von Facebooks Kuratorenteam beaufsichtigt.

Mit Hilfe von Algorithmen will "Facebook News" zusätzlich auch personalisierte Inhalte anbieten. Diese Auswahl basiert auf den Nachrichten, die Nutzende lesen, teilen und abonnieren. "So können sie neue Interessen und Themen ihrer Lieblingsmedien oder -publikationen entdecken, denen sie bisher nicht gefolgt sind", sagte der zuständige Facebook-Manager Jesper Doub. Weiterhin bietet das Netzwerk in "Facebook News" traditionelle Rubriken (Wirtschaft, Unterhaltung, Gesundheit, Wissenschaft & Technik sowie Sport). Das Angebot bietet auch sogenannte Kollektionen. Das sind spezielle Themenbereiche, die je nach Lage erstellt werden. Aktuell gibt es eine Covid-19-Kollektion.

"Mit dem Start von Facebook News nehmen wir erhebliche Investitionen in das Nachrichten-Ökosystem in Deutschland vor. Wir werden Verlage und Medien für den Zugang zu mehr Inhalten bezahlen, die über die von ihnen auf der Plattform veröffentlichten Nachrichten hinausgehen", erläutert Facebook zusammenfassend. So ergäben sich weitere Möglichkeiten, Traffic in Werbeeinnahmen und Abonnements umzuwandeln und zusätzliche Zielgruppen zu gewinnen.

Soziale Netzwerke und andere im Internet aktive Unternehmen, die viele Inhalte präsentieren, die von Nutzern erstellt werden, stehen mitunter im Zwielicht, weil sie dadurch unter anderem Nachrichten verbreiten, die mindestens zweifelhaften Inhalts sind. Auch Google setzt vermutlich vor diesem Hintergrund auf kuratierte Nachrichten. Tendenzen hin zu "seriösen" Inhalten zeigen auch private Fernsehanstalten in Deutschland, Prosieben zum Beispiel in Form einer siebenstündigen Reportage über die Arbeit im Krankenhaus zu einer besten Sendezeit.

Update 18.5.21, 10.45 Uhr: Auf die Frage, warum nicht sofort alle deutschen Facebook-Nutzende die News bekommen, erläutert Thorsten Beeck von Facebook: "Wir testen die technische Stabilität, die Prozesse, holen User-Feedback, versuchen das Produkt langfristig erfolgreich zu machen. Wir haben es ja mit journalistischen, sehr individuellen, lokalen Inhalten zu tun, Facebook News ist nicht einfach 'die Übersetzung' des US-Produktes. Hab etwas Geduld, in den nächsten Wochen werden immer mehr Nutzer Zugriff bekommen."

(anw)