Facebook ändert Umgang mit Nachrichtenseiten, die politischen Hintergrund haben

Nachrichtenseiten, die einer Partei nahestehen, behandelt Facebook künftig wie politische Akteure. Auch die Gemeinschaftsrichtlinen wurden verschärft.

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(Bild: Derick Hudson/Shutterstock.com)

Von
  • Eva-Maria Weiß

Facebook ändert seinen Umgang mit Nachrichtenseiten, die einer politischen Partei oder einem Politiker nahestehen. Werbung von diesen Seiten muss den Prozess des sozialen Netzwerks durchlaufen, der für politische Werbung gedacht ist – sie fällt also nicht mehr unter die Ausnahmeregelungen für Journalismus.

Die neue Richtlinie ist kurz vor und wegen der US-Präsidentschaftswahl eingeführt worden. Facebook erklärt, man habe eine Zunahme an Nachrichtenseiten erfahren, die mit politischen Akteuren und Organisationen verbandelt sind und Einfluss auf Wähler nehmen können. So bleiben die Seiten selbst zwar erlaubt, Werbung von ihnen muss jedoch gekennzeichnet werden. Zudem werden die Inhalte nicht mehr unter Facebook News laufen, die APIs der Facebook Business Platform und von WhatsApp Business bleiben für die Seitenbetreiber gesperrt.

Politische Verknüpfungen von Nachrichtenseiten zu erkennen, sei ein neuer Prozess, schreibt Facebook, bei dem das soziale Netzwerk noch lernen müsse und Änderungen vornehmen werde, sollte es sich als notwendig herausstellen. Mehr Transparenz bei Anzeigen soll Wahlen vor Manipulation schützen.

Facebook, wie auch andere soziale Netzwerke, versucht verstärkt gegen Falschinformationen, Hassrede und Rassismus vorzugehen. Gerade erst löschte Facebook wieder hunderte Inhalte wegen "Coordinated Inauthentic Behaviour", also von solchen Personen, die versuchen zu manipulieren und dafür ihre Identität fälschen. Außerdem sind mehrfach Gruppen und Seiten entfernt worden, die der QAnon-Bewegung nahe stehen.

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Der US-Präsident Donald Trump hatte ein Video mit Falschinformationen zum Coronavirus gepostet, das ebenfalls von der Plattform genommen wurde. In einem neu erschienen Statusbericht erklärt Facebook, seit April mehr als sieben Millionen Beiträge mit Informationen zum Coronavirus gelöscht zu haben, die der Gesundheit von Nutzern hätten schaden können. Etwa 98 Millionen Inhalte, die als nicht ganz so gefährlich eingestuft wurden, sind mit Warnhinweisen versehen worden. Facebook räumte in dem Zusammenhang ein, dass es derzeit schwieriger sei, Inhalte mit Coronabezug zu entfernen, da die Erkennungssysteme darauf noch nicht ausgelegt sind und die Mitarbeiter teilweise im Homeoffice nicht dieselben Möglichkeiten haben.

Gleichzeitig gibt es den Vorwurf, dass konservative Medien und Persönlichkeiten von Facebook bevorzugt wurden. Entscheidungen gegen Fake-News von konservativen Medien durch Faktenchecker soll die Unternehmensführung aufgehoben haben.

Aktuell hat Facebook auch erneut seine Gemeinschaftsrichtlinien erweitert. So ist es nun verboten, dubiose Diätprodukte zu bewerben. Sich etwa mit dunkler Farbe anzumalen, sogenanntes Black Facing, ist nun ebenfalls ein Verstoß. In den Niederlanden und Belgien führt das gerade zu einer Diskussion, da dort der "Zwarte Piet" unter die neue Regelung fällt. Dort ziehen Menschen als "schwarzer Peter" verkleidet an Nikolaus durch die Gegend.

(emw)