Facebook löscht Konten von Bolsonaro-Netzwerk und Ex-Trump-Berater

Facebook hat unter anderem Accounts eines Desinformationsnetzwerks gelöscht, die auf den brasiliansischen Präsidenten Bolsonaro hindeuten.

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(Bild: sitthiphong/Shutterstock.com)

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Facebook hat 35 Accounts, 14 Seiten und eine Gruppe aus seinem sozialen Netzwerk sowie 38 Konten bei Instagram entfernt, die einem Desinformationsnetzwerk brasilianischer Konten von Anhängern des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro zugeordnet werden konnten. Über das Netzwerk seien spalterische politische Botschaften verbreitet worden. Das teilte Facebook am Mittwoch mit. Zusätzlich löschte Facebook Konten, Seiten und Instagram-Accounts des ehemaligen Beraters von US-Präsident Donald Trump, Roger Stone, sowie weitere Konten von Desinformationsnetzwerken und Accounts und Seiten der Hassgruppe "Proud Boys".

Das brasilianische Desinformationsnetzwerk soll nach Angaben von Facebook aus einer Reihe doppelter und gefälschter Konten bestanden haben, die miteinander vernetzt waren. Die automatisierten Systeme von Facebook hätten diese erkannt und teilweise automatsich deaktiviert. Die Account-Inhaber hatten sich als fiktive Journalisten oder als Nachrichtenagenturen ausgegeben. Über die Accounts wurden vor allem politische Informationen mit Kritik an der Opposition der Bolsonaro-Regierung, Medien, Journalisten und der Corona-Pandemie verbreitet, darunter auch Hassrede. Dabei stellte Facebook ein koordiniertes Vorgehen fest.

Die Urheber versuchten zwar ihre Identität zu verschleiern, jedoch gelang es Facebook, Verbindungen zu Personen der Sozialliberalen Partei Brasiliens und Mitarbeitern der Büros der Politiker Anderson Moraes und Alana Passos sowie der Söhne des brasilianischen Präsidenten Eduardo und Flavio Bolsonaro und des Präsidenten selbst herzustellen. Die Accounts, Seiten und die Gruppe des Netzwerkes wurden von Facebook aufgrund des Verstoßes gegen die Nutzungsrichtlinien des Netzwerkes gelöscht.

Zusätzlich entfernte Facebook etwa 54 Konten, 50 Seiten und 4 Instagram-Accounts, die im Zusammenhang mit dem ehemaligen Berater des US-Präsidenten Donald Trump, Roger Stone, stehen sollen. Stone war Wahlkampfberater Trumps, musste jedoch nach der Russlandaffäre im Zusammenhang mit der US-Präsidentschaftswahl 2016 seinen Hut nehmen. Er war wegen Falschaussagen vor dem Kongress und Zeugenmanipulation zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden.

Nach Angaben von Facebook sollen über die Fake-Konten des Stone-Netzwerkes Informationen über die Politik Stones, seine Seiten, Websites, Bücher und Medienauftritte verbreitet worden sein, offenbar mit dem Ziel sie populärer erscheinen zu lassen als sie tatsächlich waren. Vermutlich sollten die Beiträge auch dazu dienen, die öffentliche Debatte zu politischen Themen unlauter zu beeinflussen. Facebooks Chef für Cybersicherheit Nathaniel Gleicher sagte: "Wir gehen davon aus, dass weitere politische Akteure diese rote Linie überschreiten werden und koordinierte unechte Auftritte nutzen, um die öffentliche Debatte zu beeinflussen." Das werde Facebook allerdings nicht dulden.

Wie Facebook ausführt, haben diese Seiten auch auf Inhalte der von Facebook bereits 2018 verbannten Hassgruppe "Proud Boys" verlinkt. Diese hatte jedoch immer wieder neue Konten und Seiten angelegt, um diese Sperre zu umgehen. Auch hier nahm Facebook erneut Löschungen vor. Facebook hatte in den letzten Monaten bereits zwei Löschaktionen im Zusammenhang mit den "Proud Boys" vorgenommen.

Zusätzlich löschte Facebook zahlreiche Accounts eines Netzwerkes aus echten und unechten Konten, die von Kanada und Ecuador aus auf die politische Meinung in El Salvador, Argentinien, Uruguay, Venezuela, Ecuador und Chile Einfluss nehmen wollten. 41 Facebook Accounts, 77 Seiten und 56 Instagram-Konten wurden dabei wegen "ausländischer Beeinflussung" und "koordiniertem unechten Verhaltens" entfernt.

Ein Netzwerk bestehend aus 72 Facebook-Konten, 35 Seiten und 13 Instagram-Accounts deaktivierte Facebook ebenfalls. Das aus Fake-Accounts zusammengesetzte Netzwerk zielte auf ukrainische Nutzer und war nach Angaben von Facebook teilweise während der Ukraine-Wahlen 2019 aktiv. Über das Netzwerk wurden hauptsächlich politische Inhalte gepostet, offenbar mit dem Ziel, die Wahlen zugunsten oder zuungunsten politischer Akteure zu beeinflussen.

(olb)