Facebook soll konservative Medien und Persönlichkeiten bevorzugt haben

Entscheidungen gegen Fake-News von konservativen Medien durch Facebook-Faktenprüfer sollen mehrfach durch die Unternehmensführung aufgehoben worden sein.

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Facebook soll konservative Organisationen bevorzugt haben.

(Bild: dpa, Richard Drew/AP/dpa)

Von
  • Merlin Schumacher

Facebooks Unternehmensführung soll mehrfach konservative Medien vor Konsequenzen durch das Posten von Fake News geschützt haben. Besonders häufig geschah das bei Plattformen, die Facebook-Partner sind. Die Praxis hat sich angeblich etabliert, um den in den USA häufig geäußerten Vorwurf der Voreingenommenheit gegen konservative Medien und Persönlichkeiten zu entkräften.

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Facebooks Community-Regeln verbieten eigentlich das Posten von Falschinformationen durch Seiten. Um der Fake-News-Flut Herr zu werden, beschäftigt Facebook zahlreiche Faktenprüfer auf der ganzen Welt. Diese überprüfen Posts und entfernen diese, wenn sie als unwahr klassifiziert werden. Facebook-Seiten, die Falschinformationen posten, bekommen eine Verwarnung. Nach zwei Verwarnungen innerhalb von 90 Tagen reduziert Facebook die Reichweite der Seite und verbietet ihr das Schalten von Werbeanzeigen. Die Seiten können gegen diese Einschätzung aber Widerspruch einlegen, dann wird die Entscheidung über den Post eskaliert.

Bei bekannten konservativen Plattformen und Personen wurden solche Eskalationen zeitnah durch das Facebook-Management bearbeitet. So hat laut NBC News Facebook bei rechtskonservativen Organisationen wie Breitbart News, Turning Point USA oder PragerU Widersprüche innerhalb eines Tages durchgewunken und die Verwarnungen aufgehoben. Es gab laut NBC auch Widersprüche durch linksgerichtete Organisationen. Bei Facebook habe sich aber eine Überempfindlichkeit gegen rechte Kritik entwickelt.

Laut internen Dokumenten hat ein Mitarbeiter im März 2020 nach einer zweiten Verwarnung der beiden konservativen afroamerikanischen Bloggerinnen Diamond and Silk darauf hingewiesen, dass diese mehrfach öffentlich eine konservative Voreingenommenheit Facebooks kritisiert haben.

Nachdem die Bloggerinnen Widerspruch erhoben hatten, wurde deren Post nur noch als "teilweise falsch" klassifiziert. Anschließend hat jemand aus der Facebook-Führung das Team angewiesen beide bestehenden Verwarnungen zu entfernen. Ein ähnlicher Vorgang passierte mit der rechtspopulistischen Organisation PragerU.

Wie Buzzfeed News berichtete, hat Facebook auch einen Mitarbeiter gekündigt, der Eskalationsvorgänge in Facebooks Aufgabensystem systematisch in einem internen Blogpost dokumentierte. Zudem wurde daraufhin der bislang für alle Angestellten mögliche Zugriff auf die Eskalationsliste eingeschränkt. In dem gleichen Post vom 19. Juli 2020 verglich der Angestellte Mark Zuckerberg mit Donald Trump und Wladimir Putin.

In einer Gruppe des internen Faktenprüfer-Teams merkte ein weiterer Angestellter am 22. Juli an, dass alle Verwarnungen für Breitbarts Facebook-Seite und die zugehörige Domain nach einer Beschwerde ohne weitere Erklärung gelöscht wurden.

Facebook-CEO Mark Zuckerberg gibt keine eindeutige Antwort auf die Fake-News-Probleme seines Dienstes.

(Bild: dpa, Mark Lennihan/AP/dpa)

Bei einer Vollversammlung am 31. Juli 2020 fragten Angestellte den CEO Mark Zuckerberg, wie es sein könne, dass Breitbart News noch Facebook-News-Partner sei, nachdem von deren Seite ein Video verbreitet wurde, das unerprobte Heilmethoden gegen Covid-19 propagierte und das Tragen von Masken als unnütz bezeichnete. Zuckerberg reagierte ausweichend auf die Frage und sagte, dass eine Verwarnung erfolgte, aber es die erste in den letzten 90 Tagen war. "Nach den Regeln, die wir haben, die ich übrigens für eigentlich ziemlich vernünftig halte, ergibt es keinen Sinn [Breitbart] zu entfernen." wird Zuckerberg zitiert.

Die von den Konservativen und Rechten oft zitierte Voreingenommenheit von sozialen Medien und Online-Diensten ist aber kaum nachweisbar. Die Diskussion darüber wird immer wieder geschürt. Zuletzt dadurch, dass Facebook einen Post von Donald Trumps Facebook-Seite entfernte.

Hauptargument der rechten Seite in den USA ist Abschnitt 230 des Communication Decency Acts von 1996. Dieser Abschnitt stellt klar, dass Unternehmen nicht für die Inhalte haftbar sind, die Nutzer posten, diese aber Entfernen können, wenn sie das für nötig erachten. Konservative interpretieren das als Verpflichtung, den Inhalten der Nutzer neutral gegenüberzustehen. Rechtsexperten halten das für ein fundamentales Missverständnis des Gesetzes. Es soll den Plattformen den Rücken freihalten, wenn diese Inhalte löschen oder sperren. (mls)