Streit über Echtheit: Facebook sperrt kritische Werbung des Messengers Signal

Signal wollte bei Instagram Werbung schalten, die Anzeigen seien allerdings gesperrt worden. Facebook sagt, es habe nie den Versuch gegeben.

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(Bild: Leonidas Santana/Shutterstock.com)

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Von
  • Eva-Maria Weiß

Mit warnenden Botschaften wollte Signal auf Facebook und Instagram für sich beziehungsweise gegen Facebook werben. Die Anzeigen sollten enthüllen, was das soziale Netzwerk über die Menschen weiß. Allerdings hielt der Versuch nicht lange stand. Das Werbekonto von Signal wurde deaktiviert, die Anzeigen gesperrt, behauptet Signal. Facebook hingegen sagt, Signal habe nie versucht, die Anzeigen laufen zu lassen, weshalb auch kein Ad-Account gesperrt worden sei.

In den Anzeigen sollten Informationen auftauchen, auf Basis derer sie gebucht wurden. Etwa der Standort, aber auch deutlich sensiblere Themen, wie "Du bist in einem Eltern-Blog und denkst über LGBTQ-Adoption nach" – immer mit dem Verweis, dass die Anzeige wegen der Interessen, die Facebook kennt, ausgespielt wird. So sollte die Vorgehensweise offengelegt werden; Facebook sich quasi selbst entblößen.

(Bild: Signal)

Im Blogbeitrag erklärt Signal dazu: "Unternehmen wie Facebook bauen keine Technologie für Euch, sie bauen Technologie, um Eure Daten zu bekommen. Sie sammeln alles, was sie von Facebook, Instagram und WhatsApp bekommen können, um dadurch Einblicke in Menschen und deren Leben zu verkaufen." Auch heißt es, die Art und Weise, wie der Großteil des Internets derzeit funktioniert, würde als nicht hinnehmbar gesehen werden, wäre alles verständlich erklärt. An dieser Stelle sollten auch die Anzeigen von Signal ansetzen, erklären, wie das Werbegeschäft funktioniert. Abgesehen vom Signal-Logo unten rechts in der Ecke, sollte es keinen Verweis auf den Urheber geben – oder auf die Vorzüge des Messengers.

Der Werbeaccount wurde laut Signal umgehend deaktiviert. "Facebook möchte eher Einblicke in das Leben der Menschen verkaufen, als Menschen Einblicke zu geben, wie ihre Daten genutzt werden", schreibt Signal.

Auf Twitter kommt es zur Auseinandersetzung. Facebook-Sprecher Joe Osborne bezeichnet die Aktion als PR-Stunt. Signal habe nie versucht, die Anzeigen zu platzieren. Und wenn sie dies versucht hätten, wären manche gesperrt worden, da Facebook es nicht erlaube, Werbung auf Basis von Gesundheitsproblemen oder der sexuellen Orientierung zu machen. Signal erwidert, dass es sich um echte Screenshots handele und ihre Geschichte wahr ist. Erneut kontert Facebook, dass die Screenshots von Anfang März seien – der Grund für die Sperrung Zahlungsprobleme gewesen sind.

Seit es zu Beginn des Jahres Verwirrung um die Datenschutzerklärung und Nutzungsbedingungen bei WhatsApp gab, sind viele Menschen zu Signal gewechselt. Nicht immer hielt der Messenger dem Ansturm anfangs stand. Die für die Nutzung von WhatsApp verpflichtenden Nutzungsbedingungen sollen nach einiger Verzögerung nun am 15.5. in Kraft treten. Weil aber nach wie vor Unklarheiten zu herrschen scheinen, strebt Hamburgs Datenschutzbeauftragter ein Verfahren gegen den Messenger an.

[Update 05.05.2021 13.50 Uhr] Wir haben die Stellungnahme des Facebook-Sprechers ergänzt.

(emw)