Facebook steigert Umsatz um mehr als ein Drittel

Facebooks Gelddrucker läuft auch in der selbstgemachten Krise rund. Das "Metaverse" kostet allerdings Milliarden.

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Facebook-Daumen

Den Aktionären gefallen die sprudelnden Gewinne Facebooks.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

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  • Daniel AJ Sokolov

29 Milliarden US-Dollar hat Facebook, Inc., in den drei Monaten bis Ende September umgesetzt. Das sind 35 Prozent mehr, als im dritten Quartal des Vorjahres. Mit 28,3 Milliarden Dollar (+33%) stellen Werbeeinnahmen den Löwenanteil, auch wenn sich die Sonstigen Einnahmen des Konzerns auf 734 Millionen Dollar verdreifacht haben.

Gleichwohl Facebook ein Fünftel mehr Mitarbeiter beschäftigt als noch vor einem Jahr, ist der Betriebsgewinn um 30 Prozent auf 10,4 Milliarden Dollar gestiegen. Die Steuern haben sich allerdings fast verfünffacht, sodass der Reingewinn "nur noch" 17 Prozent zugelegt hat, auf nunmehr 9,2 Milliarden Dollar.

Gleichzeitig findet der Datenkonzern weiter neue Nutzer. Im September haben 1,93 Milliarden Menschen jeden Tag mindestens einmal bei facebook.com vorbeigeschaut (+6% DAU). Die Dienste Facebook, Instagram, Whatsapp und Facebook Messenger zusammengerechnet sollen im September sogar 3,58 Milliarden Teilnehmer gehabt haben (+12% MAU). Nach Bekanntgabe der Quartalszahlen Montagabend haben Facebook-Aktien im nachbörslichen Handel rund 1,8 Prozent zugelegt – vielleicht auch, weil weitere 50 Milliarden Dollar für den Rückkauf eigener Aktien budgetiert.

Für die Zukunft plant Facebook unter dem Schlagwort "Metaverse" eine Art Second Life in 3D: Die User sollen ortsungebunden in virtuellen Räumen gemeinsam arbeiten, spielen, lernen oder einkaufen. Die Vorbereitungen werden alleine im laufenden Jahr zehn Milliarden Dollar kosten, hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg Montagabend verraten – und in jedem der nächsten Jahre sogar mehr als das.

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Daher ändert Facebook ab dem laufenden Quartal seine Finanzberichterstattung. Das erste Segment namens "Family of Apps" wird Facebook.com, Instagram, WhatsApp, Facebook Messenger und andere Dienste umfassen. Das zweite Segment wird Facebook Reality Labs heißen und den Geschäftszweig für Augmented und Virtual Reality sowie damit verbundene Hardware, Software und Inhalte abdecken.

Für das laufende Quartal erwartet Facebook 31,5 bis 34 Milliarden Dollar umzusetzen. Das wäre ein Zuwachs von 12-21 Prozent. Das Management hätte gerne noch mehr verdient, sieht aber, dass sich die Coronavirus-Pandemie dämpfend auf die Nachfrage nach Werbung auswirkt. Gleichzeitig weht Facebook, wie auch Snapchat, ein "Apple-Gegenwind" ins Gesicht: Weil Apple seine Handy-Kunden entscheiden lässt, wie sehr sie überwacht werden möchten, steigen Werbeeinnahmen nicht ganz so kräftig.

Schließlich fürchtet sich Facebook davor, dass es europäische Daten vielleicht nicht mehr wie gewohnt über den Atlantik holen und beliebig mit anderen Daten verknüpfen darf. Auch das könnte den Profitzuwachs entschleunigen. Während in Europa die Datenschutzgrundverordnung gilt, fehlt in den USA ein allgemeines, bundesweites Datenschutzgesetz bis heute.

(ds)