Facebook testet Denunziations-Funktion: "Kennst du Extremisten?"

Wer Inhalte sieht, die Facebook als extremistisch einstuft, bekommt die Frage präsentiert: "Bist du besorgt, jemand den du kennst, könnte ein Extremist werden?"

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(Bild: dolphfyn/Shutterstock.com)

Von
  • Eva-Maria Weiß

Facebook testet eine neue Art, Menschen in dem sozialen Netzwerk zu schützen. Viele Nutzerinnen und Nutzer bezeichnen dies allerdings eher als Denunziantentum-Funktion oder sagen, Facebook führe einen Blockwart ein. Sieht jemand Inhalte, die Facebook als extremistisch einstuft, öffnet sich bei dieser Person ein Hinweis: "Bist du besorgt, jemand den du kennst, könnte ein Extremist werden?"

Sogleich bietet das soziale Netzwerk Hilfe an. Ein Klick führt zu Geschichten und Tipps von Menschen, die einst einer extremistischen Gruppe angehörten und diese verlassen konnten. Der Hinweis lässt sich aber ebenso leicht mit einem Klick schließen. In anderen Fällen steht direkt in der Meldung, dass "gewalttätige Gruppen versuchen, Ärger und Enttäuschung zu Manipulationszwecken nutzen". Auch hier führen die Links zu Hilfeseiten.

Besonders stößt vielen Menschen auf, dass die Frage lautet, ob andere Extremisten werden oder sein könnten. Was passiert, wenn jemand Freunde oder Fremde meldet, ist bisher unklar. Allerdings hat Facebook erst kürzlich einige Auflagen geschaffen, die es schwerer machen sollen, Falschinformationen zu verbreiten. In Deutschland soll im Superwahljahr etwa Fehlverhalten bestraft werden – durch weniger Sichtbarkeit oder gar ein Beitragsverbot. Zur Ankündigung hieß es bereits, wenn Menschen einer Gruppe beitreten wollen, die zuvor durch Verstöße auffiel, folge ein Warnhinweis. Ebenfalls ein Versuch, Fake News zu unterbinden, ist ein Hinweis, man solle Nachrichten-Beiträge nur teilen, wenn man sie auch tatsächlich gelesen hat.

Facebooks Historie im Entfernen von extremistischen und strafbaren Inhalten ist lang, ebenso die Liste der Versuche, gegen Falschinformationen und Hass auf der Plattform vorzugehen. Soziale Netzwerke stehen im Verdacht, Radikalisierung zu befördern sowie Treffpunkt von Extremisten zu sein.

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Laut dem Magazin The Verge soll die aktuelle Maßnahme Teil einer Initiative sein, die nach dem Attentat von Christchurch gestartet wurde. Der Attentäter hatte sich selbst live-gestreamt. Daraufhin verabschiedeten Facebook, Twitter, Google, Microsoft und weitere ein Krisenprotokoll, um unter anderem schnellere Reaktionsmechanismen zu entwickeln, aber auch gegen Extremismus im Netz zu kämpfen.

(emw)