Gesichtserkennung: Facebook zahlt 350 US-Dollar an jeden Nutzer in Illinois

Wegen unerlaubter Gesichtserkennung zahlt Facebook insgesamt 650 Millionen US-Dollar an 1,6 Millionen Nutzer im US-Bundesstaat mit dem strengsten Datenschutz.

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(Bild: Cryptographer/Shutterstock.com)

Von
  • Frank Schräer

In einer bereits seit über fünf Jahren laufenden Sammelklage wegen des unerlaubten Sammelns biometrischer Daten der Nutzer haben sich Gerichte, Ankläger und Facebook auf einen Vergleich geeinigt. Facebook verpflichtet sich, insgesamt 650 Millionen US-Dollar an Anwender aus dem US-Bundesstaat Illinois zu zahlen. Das läuft auf rund 350 US-Dollar pro Nutzer hinaus.

Das Verfahren wurde bereits 2015 angestrengt und basiert auf Facebooks Speicherung und Analyse von Nutzerfotos. Das soziale Netzwerk hatte den Nutzern beim Speichern von Bildern angeboten, Freunde zu erkennen und zu markieren. Dafür wurde nicht nur das hochgeladene Foto gescannt, sondern auch andere Fotos und Profile durchsucht, um diese auf dem neuen Foto zu identifizieren. Das widerspricht dem strengsten Datenschutzgesetz der USA, die sich je nach Bundesstaat unterscheiden.

Im US-Bundesstaat Illinois besagt der Biometric Information Privacy Act, dass die automatische Gesichtserkennung nur nach einer expliziten Einwilligung des Nutzers eingesetzt werden darf. Diese holte Facebook nicht ein. Um weitere Verhandlungen zu umgehen, die eventuell zu einer noch höheren Zahlungen geführt hätten, stimmte das soziale Netzwerk bereits Anfang letzten Jahres einem Vergleich in Höhe von 550 Millionen US-Dollar zu.

Dies reichte dem zuständigen US-Bezirksrichter aber nicht aus. Sowohl Richter James Donato als auch die Anklagevertreter schätzten die auszuschüttende Summe pro Facebook-Nutzer auf lediglich 150 US-Dollar pro Nutzer. Donato erklärte wörtlich: "Ich bin nicht bereit, diese Firmen in dieser Angelegenheit so leicht davon kommen zu lassen."

Die strittigen Parteien haben sich deshalb jetzt auf einen neuen Vergleich mit einer Gesamtsumme von 650 Millionen US-Dollar geeinigt. Bis zum Ende der Frist Ende November haben sich rund 1,6 Millionen Facebook-Nutzer aus Illinois an der Sammelklage beteiligt. Damit beläuft sich die Ausschüttung pro Nutzer nach Abzug von Anwalts- und Gerichtskosten auf etwa 350 US-Dollar.

Das Verfahren heißt "In re Facebook Biometric Information Privacy Litigation" und ist unter dem Aktenzeichen 3:15-cv-03747 am US-Bundesbezirksgericht für das nördliche Kalifornien anhängig. Der offizielle Text der Gerichtsentscheidung steht derzeit noch nicht zur Verfügung.

Auch in Deutschland hatte der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar ein Verfahren gegen Facebooks Vorgehen eingeleitet. Nachdem das soziale Netzwerk die Funktion nach Beschwerden mehrerer europäischer Datenschützer entfernte, hat auch Casper das Verfahren 2013 eingestellt. Allerdings gibt es die Gesichtserkennung inzwischen wieder. Nur macht Facebook die Vorschläge, Personen auf Fotos zu markieren, nicht mehr automatisch, Nutzer können es aber aktivieren. Damit soll die eigene Identität geschützt werden, etwa falls jemand ein Profil kopiert.

(fds)