Fachkräftemangel: IT-Unternehmen protestieren gegen Trumps Visa-Stopp

US-Präsident Donald Trump lässt wegen der Corona-Krise keine hochqualifizierten Arbeitskräfte aus dem Ausland mehr ins Land. Die IT-Branche rebelliert.

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Donald Trump

(Bild: dpa)

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US-amerikanische IT-Konzerne wie Amazon, Apple, Facebook, Google und Microsoft protestieren gegen ein Dekret von Präsident Donald Trump, mit dem er am Montag mit sofortiger Wirkung die Ausgabe neuer Arbeitsvisa vorübergehend gestoppt hat. Betroffen von dem Beschluss sind auch hochqualifizierte Fachkräfte, die normalerweise über das H-1B-Visaprogramm eine Zeit lang in den USA Jobs aufnehmen oder studieren dürfen.

Dreiviertel dieser normalerweise 85.000 pro Jahr zulässigen Einreiseerlaubnisse gehen an Inder, die damit in der IT-Branche arbeiten. Schätzungen zufolge trifft die Verfügung rund 525.000 Personen, unter denen viele Programmierer, Computerexperten und Wissenschaftler sind. Trump begründete den Schritt damit, dass sich während der Coronavirus-Pandemie die Arbeitslosigkeit im Land allein zwischen Februar und März vervierfacht habe und Millionen Menschen ohne Erwerbstätigkeit seien.

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"Amerikanische Arbeiter konkurrieren mit Ausländern um Arbeitsplätze in jedem Sektor unserer Wirtschaft", schrieb Trump in der Anordnung. "Ohne Gegenmaßnahmen sehen sich die Vereinigten Staaten einer potenziell langwierigen wirtschaftlichen Erholung mit anhaltend hoher Arbeitslosigkeit gegenüber", wenn das Angebot an Erwerbswilligen weiter die Nachfrage übersteige.

Die Chefs zahlreicher IT-Unternehmen kritisierten das zunächst bis Ende des Jahres befristete Dekret angesichts des andauernden Fachkräftemangels. Die USA seien eine "Nation von Immigranten" und zögen ihre Stärke aus deren Diversität und Hoffnung, den amerikanischen Traum zu leben, twitterte Tim Cook von Apple. Der selbst aus Indien stammende Sundar Pichai von Google äußerte sich ähnlich. "Einwanderung hat immens zu Amerikas wirtschaftlichem Erfolg beigetragen und es zum globalen Technologieführer gemacht", schrieb er auf Twitter. Ohne Migration wäre auch Google nicht das Unternehmen, "das es heute ist".

"Jetzt ist es nicht an der Zeit, unsere Nation von den Talenten der Welt abzuschneiden oder Unsicherheit und Ängste zu schaffen", monierte Microsoft-Präsident Brad Smith auf Twitter. "Einwanderer spielen in unserem Unternehmen eine wichtige Rolle und unterstützen die kritische Infrastruktur unseres Landes." Sie seien gerade jetzt, wo "wir sie am meisten brauchen", nicht ersetzbar. Ein Amazon-Sprecher bezeichnete die Entscheidung als "kurzsichtig". Die Regierung gefährde damit die Wettbewerbsfähigkeit der USA.

Auch Vertreter von Konzernen wie Facebook, Twitter und Uber, Branchenverbände und Bürgerrechtsorganisationen kritisierten die Maßnahme scharf als falsche Antwort auf die Pandemie. Tesla-Chef Elon Musk bezeichnete eine Visa-Reform zwar prinzipiell als sinnvoll, aber nicht in diesem Ausmaß. Wer über ein H-1B-Visum ins Land komme, sei in der Regel begabt und schaffe selbst mittelfristig neue Arbeitsplätze.

(anw)